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Feuerwehr stößt in Künstler-Haus auf Hanf-Plantage

Großer Fund bei einem Brand im Keller von Künstler Michael Fischer-Art. Doch nicht der Maler ist im Visier der Ermittler – sondern seine fünf Untermieter.

Nach einem Brand im Haus des Künstlers Michael Fischer-Art (51) in Borna bei Leipzig ist im Keller des Gebäudes eine Hanf-Plantage gefunden worden.
Nach einem Brand im Haus des Künstlers Michael Fischer-Art (51) in Borna bei Leipzig ist im Keller des Gebäudes eine Hanf-Plantage gefunden worden. © Archivfoto/Thomas Kretschel

Leipzig. Eigentlich ist Michael Fischer-Art vor allem als Künstler bekannt: Mit seinen knallbunten, fast comic-haften Illustrationen und Figuren hat der 51-jährige Maler weit mehr als 100 Gebäude in der halben Welt gestaltet, außerdem Oldtimer, Brunnenfiguren und einen „Friedenspanzer“. Dazu posiert er gern mit Promis von Angela Merkel bis Nico Roßberg und vermarktet sich damit selbst. Jetzt allerdings ist er wegen einer brenzligen Geschichte in die Schlagzeilen geraten: Im Keller seines Hauses auf dem Gelände der Alten Brikettfabrik in Witznitz bei Borna, die er „Kunstfabrik“ nennt, ist bei einem Feuerwehreinsatz eine riesige Hanfplantage entdeckt worden. Die Rede ist von mehr als 700 Hanfpflanzen verschiedener Entwicklungsstufen, das Gesamtgewicht wird laut der Ermittler auf gut 525 Kilogramm geschätzt. Auch Heiz- und Lichttechnik sollen bei den Löscharbeiten entdeckt worden sein. Mehrere Tage nach dem Brand waren noch Kriminaltechniker, Ermittler und Feuerwehrleute vor Ort, um Beweise zu sichern und die verbotenen Cannabis-Pflanzen zu beschlagnahmen.

Fischer-Art allerdings weist jede Beteiligung weit von sich: „Ich trinke nicht mal Alkohol und rauche nicht“, sagte er der Leipziger Volkszeitung (LVZ). „Geschweige denn will ich mit Drogen etwas zu tun haben.“ Illegale Geschäfte könne er sich gar nicht erlauben, weil sonst das Sorgerecht für seine Kinder auf dem Spiel stehe. Er habe nichtsahnend den Kellerbereich des Hauses als Lagerfläche an zwei Vertreter einer Firma vermietet. Den Untermietvertrag habe er bereits der Polizei vorgelegt. Tatsächlich betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Ricken, auf SZ-Nachfrage, dass im Zusammenhang mit der Hanfplantage „derzeit die Ermittlungen nicht gegen den Künstler Fischer-Art geführt werden“.

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Bis zu 15 Jahren Haft drohen

Stattdessen wird inzwischen gegen eine mutmaßliche Bande von fünf jungen Männern zwischen 21 und 45 Jahren ermittelt. Davon haben laut Staatsanwaltschaft vier Beschuldigte die vietnamesische und ein Beschuldigter die polnische Staatsangehörigkeit. Drei mutmaßliche Täter wurden bereits vorläufig festgenommen und sitzen nach einem Haftbefehl in Untersuchungshaft. Ermittelt wird wegen des Verdachts des unerlaubten Anbaus und Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, der fahrlässigen schweren Brandstiftung und anderer Straftaten. Bei einer Verurteilung drohen den Beschuldigten Strafen von einem Jahr bis zu 15 Jahren, so die Staatsanwaltschaft.

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Der freischaffende Künstler erzählt, er habe seinen Untermietern drei Tage vor dem Feuer angekündigt, dass er nach dem Winter die Rohrleitungen in den Räumen kontrollieren müsse. „Wahrscheinlich haben die Panik bekommen. Das kann doch kein Zufall sein“, sagte Fischer-Art der Bild-Zeitung. Vor ihrem Einzug hätten ihm die Keller-Mieter erzählt, dass sie nach einer familiären Trennung einige Dinge unterstellen müssten. Die Miete habe er pünktlich und bar erhalten, so Fischer-Art. Nach Informationen der LVZ hatten die Untermieter auch eine Stromleitung angezapft und illegal Strom von den Stadtwerken bezogen. Fischer-Art wurde 1969 in Leipzig als Michael Fischer geboren. Nach einer Lehre und Jobs als Maurer, Maler, Hausmeister und Krankenpfleger studierte er von 1992 bis 1997 an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Danach wurde er mit seinen starken Farben auf großen Flächen international bekannt.

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