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Euldorfs neue Weihnachtsbaum-Experten

Nach dem Tod des Weihnachtsbaum-Züchters Gottfried Leutsch führt die Familie seiner Tochter die Plantage fort - und hütet einen Schatz.

Kathrin und Thomas Queißer
führen die Weihnachtsbaumplantage von Gottfried Leutsch fort.
Kathrin und Thomas Queißer führen die Weihnachtsbaumplantage von Gottfried Leutsch fort. © Matthias Weber

Ob ein solches Ding dem Euldorfer Weihnachtsbaum-Mann Gottfried Leutsch gefallen hätte? Eine illustre Bezeichnung hat das Gestänge mit Rädern jedenfalls: Weihnachtsbaumtransportkarre. Auf diesem Gerät kann man seinen Traumbaum nach dem Absägen auf der Euldorfer Plantage bequem parken und "zur Kasse" transportieren. Thomas und Kathrin Queißer haben das jedenfalls schon mal ausprobiert. "Funktioniert bestens", sagt Thomas Queißer, der zwei solcher Geräte erstanden hat. Damit läuten sie nach dem Tod von Weihnachtsbaum-Mann Leutsch auf der Euldorfer Plantage eine neue Zeit ein.

Dabei wird sich so viel - bei Lichte betrachtet - gar nicht verändern. Zwar heißt das familiäre Unternehmen jetzt offiziell Weihnachtsbaumkulturen Queißer und auch die Öffnungszeiten schrumpfen ein klein wenig zusammen. Aber ansonsten funktioniert der Weihnachtsbaumverkauf so wie es Kathrin Leutschs Vater all die Jahre praktiziert hat: "Die Kunden kommen zu uns, suchen sich einen Baum aus, markieren ihn mit etwas Persönlichem und kommen ihn dann vor Weihnachten abholen", skizziert sie das Prozedere. Die ersten Baum-Sucher waren bereits da und haben trotz aller Hiobsbotschaften über den Zustand der Nadelbäume in diesem Jahr in Euldorf Auswahl.

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In der Tat schätzen sich Queißers glücklich, dass weder Schädlinge noch Trockenheit den rund 20.000 Bäume umfassenden Bestand nennenswert geschmälert haben. Lediglich ein kleiner Teil Blaufichten sei geschädigt. Dass dies keine Garantie für die Zukunft ist, wissen die Herrnhuter. Ihr "Aufforstungsprogramm" richtet sich allerdings nicht nach Fragen der Klimaresistenz, sondern nach Kundenwünschen. Und da stehen nach wie vor Nordmanntanne und Blaufichte hoch im Kurs. "Wir gehen davon aus, dass dafür die Serbische Fichte bei uns verschwinden wird", sagt Thomas Queißer. Die Serbische Fichte war der "Startbaum" auf Leutschs Weihnachtsbaumplantage, 1992 erstmals gepflanzt, 1996 erstmals verkauft. Doch Nachfrage gibt es kaum noch. Ähnlich sieht es bei der Kiefer aus.

Ein grünes Vermächtnis

Generell werden Queißers für ihre Nachpflanzungen Bäume von Baumschulen erwerben. Momentan hüten sie aber noch einen kleinen Schatz, den Gottfried Leutsch hinterlassen hat. "Er hat Nordmanntannen aus Samen in den Zapfen gezogen", sagt seine Tochter Kathrin. Das habe er hin und wieder versucht - mit unterschiedlichem Erfolg, denn es ist schlicht Glückssache. Zuletzt aber sind tatsächlich zwischen 200 und 300 Pflänzchen gewachsen, die bald nach Euldorf auf die Plantage kommen sollen und dann in zehn, zwölf Jahren als Weihnachtsbaum in den Stuben von Bautzen bis Zittau, Löbau und Görlitz stehen werden. Denn von dort überall kommen die Kunden.

Solche Mühe kann sich das Ehepaar Queißer allerdings nicht machen, denn dazu fehlt ihnen schlicht die Zeit: Kathrin Queißer arbeitet als Schulsekretärin in Löbau, ihr Mann ist als Bäcker bei der Bäckerei Paul in Herrnhut beschäftigt. Die Sache mit den Weihnachtsbäumen führen sie sozusagen im Nebenerwerb. Deshalb mussten sie die Öffnungszeiten ein bisschen einschränken, sind ab November täglich von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr in Euldorf vor Ort. Verkauft wird bis inklusive 23. Dezember. "Mein Vater hat immer noch am 24. vormittags verkauft - auch im vergangenen Jahr", erinnert sich Frau Queißer. Fünf Tage später erlitt er einen Schlaganfall, im März verstarb er. Dass nun die nächste Generation, die ihm in den vergangenen Jahren ohnehin schon viel geholfen hat, aus seinen Bäumen Weihnachtsbäume macht, hätte ihm gefallen.

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