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Erster Oberlausitz-Whisky in Löbau präsentiert

Bergquell-Brauer Steffen Dittmar und der Brenner Martin Wagner aus Kirschau produzieren gemeinsam Whisky. Nach drei Jahren Lagerzeit ist er jetzt da.

Martin Wagner und Steffen Dittmar (r.) zeigen ihren gemeinsam produzierten Whisky.
Martin Wagner und Steffen Dittmar (r.) zeigen ihren gemeinsam produzierten Whisky. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wenn irgendetwas den sprichwörtlichen Geiz der Schotten belegt, dann der Umstand, dass diese ein Verfahren entwickelt haben, Bier so weit zu veredeln, dass man viel weniger davon trinken muss für denselben Rausch. Whisky nennt sich dieses hochprozentige Produkt, für das insbesondere Schottland weltberühmt ist. Im Grunde aber handelt es sich bei Whisky um nichts anderes, als destilliertes Bier. Das funktioniert auch in der Oberlausitz. Steffen Dittmar, Inhaber der Löbauer Bergquell-Brauerei, und Martin Wagner, Betreiber der Sächsischen Spirituosenmanufaktur, haben jetzt ihren gemeinsam produzierten ersten Lausitzer Whisky präsentiert.

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Die Idee reifte wie guter Whisky - denn mindestens drei Jahre lang muss Malz-Destillat in Holzfässern reifen, bevor man es als Whisky bezeichnen darf. "Ich habe schon lange überlegt, warum machen wir nicht aus unseren leckeren Bergquell-Zutaten einen Whisky?", sagt Steffen Dittmar. Die ersten Produktionsschritte bei Bier und Whisky sind identisch. Gerstenmalz wird mit Wasser zu einer Maische verkocht. Durch Zugabe von Hefe wird der im Malz enthaltene Zucker zu Alkohol vergoren. Nur Hopfen, der im Bier für die Bitternote sorgt, gibt es im Whisky nicht. Durch Destillation wird dieses Bier mit rund sechs Prozent Alkoholgehalt zu einem Whisky mit rund 80 Prozent Alkohol gebrannt. Nach der vorgeschriebenen Reifezeit wird der Whisky mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt.

Aus Löbau kommt das Grundprodukt Bier

Vor fünf Jahren startete die Idee. Einen Partner fand Dittmar in Martin Wagner, der seinen zahlreichen regionalen Obstbränden auch ein Whisky-Sortiment hinzufügen wollte. "Aber ich bin ein Einmannbetrieb. Alleine würde ich das gar nicht schaffen", sagt Wagner und: "Aber warum das Rad neu erfinden, wenn man vorhandene Produktionskapazitäten nutzen kann?" Deshalb wird das für den Lausitzer Whisky nötige Grundprodukt bei Steffen Dittmar in Löbau hergestellt und dann nach Kirschau in die Brennblase transportiert. Nach einer Experimentierphase wurde dann vor drei Jahren der erste Whisky in Fässern eingelagert.

Steffen Dittmar fungiert in der Sache auch als finanzstarker Förderer der jungen Spirituosenmanufaktur. Denn die langwierige Whisky-Produktion erfordert eine gewaltige Vorfinanzierung - etwa für die etlichen Holzfässer, die Kosten für den Lagerraum und beim Abfüllen wird die Alkoholsteuer fällig. Dittmar und Wagner waren auch schon in anderen Dingen Geschäftspartner. Während der Corona-Krise nahm Dittmar in großen Mengen Bier von Wirten zurück, das vor dem Verfallsdatum stand. Statt es wegzuschütten, kam Dittmar auf eine bessere Idee. "Martin Wagner hat 40.000 Liter Bier zu Bierbrand verarbeitet", erzählt er - in dieser Form wird das Bier nie schlecht.

Die verschiedenen Whisky-Sorten erhalten Farbe und Geschmack durch das Fass, in dem sie lagern.
Die verschiedenen Whisky-Sorten erhalten Farbe und Geschmack durch das Fass, in dem sie lagern. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Den Sächsischen Whisky gibt es in verschiedenen Flaschengrößen.
Den Sächsischen Whisky gibt es in verschiedenen Flaschengrößen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Als besonderes Produkt gibt's auch einen Whisky-Eierlikör - mit Eiern von glücklichen Bio-Hühnern aus der Oberlausitz.
Als besonderes Produkt gibt's auch einen Whisky-Eierlikör - mit Eiern von glücklichen Bio-Hühnern aus der Oberlausitz. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Granitkeller werden zu Whisky-Lager

Stolz ist Martin Wagner bei der Präsentation des Whiskys im Alten Sudhaus in Löbau, in dem noch bis 1988 das Bergquell-Bier gebraut wurde. "Unser Whisky ist ein zu 100 Prozent sächsischer Whisky. Die Wertschöpfung ist von Anfang bis Ende sächsisch", sagt er. So würden sämtliche Zutaten aus der Region stammen. "Und nach der Reifung bringen wir unseren Whisky mit dem wunderbar weichen Oberlausitzer Wasser auf Trinkstärke." Auch die Lagerung der Fässer erfolgt in Lausitzer Granitkellern. Die Lagerorte sind dabei streng geheim. Weil sie Steffen Dittmar gehören, hilft auch das der Finanzierung des Whisky-Projekts.

Wagner und Dittmar wollten ausdrücklich keinen schottischen Whisky kopieren, sondern ein eigenständiges, regionales Produkt. In Schottland wird das Malz oft über Torffeuer gedarrt, was dem Whisky später einen rauchigen Geschmack verleiht. Auch durch Moorgebiete fließendes Wasser gibt dem schottischen Whisky oft eine Torf-Note. "Aber die Oberlausitz ist kein Moorgebiet und hier wird kein Torf gewonnen, deshalb wäre das Darren über einem Torffeuer hier regional untypisch", sagt Wagner. Auch auf einen schottisch klingenden Kunstnamen verzichtete er, das Produkt heißt einfach "Sächsischer Whisky".

Wie wichtig das richtige Lagerfass ist

Fünf Sorten umfasst die erste Auflage, einen klassischen Whisky, einen rauchigen und drei wechselnde Sondereditionen mit einer Auflage von jeweils nur wenigen Hundert Flaschen. Das Geheimnis der Whisky-Produktion ist dessen Fasslagerung. Denn die Art des Fasses und der Lagerort haben erheblichen Einfluss auf Geschmack, Farbe und Aromen des Whiskys. Wagner und Dittmar haben zwar kein Torf, aber dennoch einen rauchigen Whisky im Sortiment. Das Fass macht's aus. "Der lagerte in Fässern, in denen vorher Islay-Whisky gereift ist", erklärt Martin Wagner. Die schottische Hebriden-Insel Islay ist weltbekannt für fünf hochpreisige Whisky-Destillen. Und Islay-Whisky gilt als der rauchigste in Schottland.

Andere Sorten von Dittmar und Wagner reiften in Fässern, in denen vorher Sherry, sächsischer Rotwein, Portwein oder auch US-Bourbon gelagert war. Die stammen naturgemäß nicht alle aus Sachsen, aber das Verfahren ist international üblich und unerlässlich für Qualität und Geschmack. Auch große Teile schottischen Whiskys lagern in solchen vorgenutzten Fässern. Wichtig ist bloß, dass es auch wirklich sächsischer Whisky ist, der darin landet. "Es gibt auch Anbieter, die kaufen irgendwo Whisky, füllen ihn hier ab und nennen das dann sächsischen Whisky", sagt Martin Wagner. Und eine weitere Idee für künftigen Whisky haben die beiden auch schon. "Vielleicht machen wir mal einen Whisky mit Bier-Prägung, der dann in einem Bierfass reift", überlegt Steffen Dittmar.

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