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Produktives Lernen im Heiligen Grund

Am Stadion soll ein besonderes Lernangebot etabliert werden. Die Stadträte haben dafür 400.000 Euro bewilligt.

Das Stadiongebäude im Heiligen Grund. Hier sollen Räume für einen besonderen Bildungsweg an der Pestalozzi-Oberschule hergerichtet und ausgestattet werden.
Das Stadiongebäude im Heiligen Grund. Hier sollen Räume für einen besonderen Bildungsweg an der Pestalozzi-Oberschule hergerichtet und ausgestattet werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. In kleinen Gruppen und mit vielen praktischen Bezügen – so etwa lässt sich das Konzept des Produktiven Lernens beschreiben. Es soll Hauptschülern, die Schwierigkeiten beim Lernen und im Schulalltag haben, helfen und den Weg zum Schulabschluss ebnen. Neben Deutsch, Mathe und Englisch sieht der Stundenplan ein Wahlfach sowie viele praktische Übungen in kleinen Werkstätten vor. Außerdem absolvieren die Schüler mehrere Praktika im Schuljahr, jeweils an drei zusammenhängenden Wochentagen in Unternehmen der Region.

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In Meißen soll dieses Bildungsprofil an der Pestalozzi-Oberschule angesiedelt werden. So hatten es die Stadträte im vorigen Herbst beschlossen. Weil die Nachfrage nach Plätzen in diesem besonderen Bildungsweg hoch ist, hat das Landesamt für Bildung und Schule (Lasub) die Stadt darum gebeten, das Projekt zügig auf den Weg zu bringen. So sollen mit Beginn des neuen Schuljahres in diesem Jahr 20 Achtklässler mit dem Produktiven Lernen in Meißen starten. Wenn sie im nächsten Jahr in die 9. Klasse kommen, können weitere 20 Achtklässler ins Produktive Lernen aufgenommen werden. Dann sind alle 40 Plätze belegt, die jetzt in Meißen entstehen, wie Schulleiter André Pohlenz informiert.

Im Produktiven Lernen sollen die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bessere und spezifische Möglichkeiten erhalten, „doch noch zum Schulabschluss zu kommen und eine Berufsausbildung beginnen zu können“, betonte Heike Zimmer von der CDU/FB/FDP/U.L.M.-Großfraktion am Mittwochabend während der Stadtratssitzung, in der das Thema erneut auf der Tagesordnung stand. Vertreter aller Fraktion waren sich einig, dass dieses Projekt der Unterstützung bedarf. Bei einer Enthaltung stimmten sie einem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu, 400.000 Euro für die Vorbereitungen zur Verfügung zu stellen.

Räume stehen seit vielen Jahren leer

Das Geld soll vor allem dafür verwendet werden, Räumlichkeiten für das Produktive Lernen herzurichten und auszustatten. Die Räume sollten außerhalb des Schulgebäudes liegen, da das Produktive Lernen einen anderen Tages- und Wochenrhythmus erfordert. Gefunden wurden sie im Stadiongebäude am Heiligen Grund. Die Zimmer dienten einst als Lehrlingswohnheim und stehen seit vielen Jahren leer. Von Anzahl und Größe der Räume sowie von der Nähe zur Pestalozzi-Schule her gesehen, ist das ein idealer Standort, schwärmt Schulleiter André Pohlenz.

Durch die geplanten Umbaumaßnahmen in dem Gebäude werde den Sportvereinen im Heiligen Grund nichts weggenommen, erklärte Familienamtsleiterin Katrin Nestler in einer Antwort auf mehrere Fragen, die Heiko Schulze (Bürger für Meißen/SPD) stellte. Ebenso wenig sei eine Luxussanierung vorgesehen, antwortete sie auf Fragen von Oliver Eggert (AfD). Der Umbau werde so erfolgen, dass den Schülern Möglichkeiten bleiben, selbst mitzugestalten.

Angeschafft werden müssen die Ausstattungen für die Unterrichtsräume und technische Ausrüstungen für die Werkstattplätze. Auch eine Küche soll eingerichtet werden, weil auch Kochen und Backen die Möglichkeit zum Koppeln von Unterricht und Arbeit bieten. Außerdem sollen Voraussetzungen für den digitalen Unterricht geschaffen werden, so Schulleiter Pohlenz.

Im Haushalt wird umgeschichtet

Als Schulträger kommt die Stadt für die auf 400.000 Euro geschätzten Kosten auf, erklärte Katrin Nestler, die für die Stadtverwaltung die Beschlussvorlage einbrachte. Es werde kein zusätzliches Geld ausgegeben. Stattdessen sollen Mittel im Haushalt umgeschichtet werden. So sollen 200.000 Euro verwendet werden, die für den Umbau der Hausmeisterwohnung in der Pestalozzi-Oberschule vorgesehen waren. Darin sollte ein Chemie-Fachkabinett eingerichtet werden. „Dafür wurden 250.000 Euro Baukosten und 100.000 Euro für die Ausstattung in den Haushalt eingestellt“, heißt es im Beschlusstext. „Diese Kosten reduzieren sich, da nach Absprache mit der Schulleitung in der Einliegerwohnung zum Schuljahr 2021/22 vorerst ein dringend benötigtes zusätzliches Klassenzimmer entstehen soll. Im nächsten Jahr soll dann im Altbau im Bereich der vorhandenen naturwissenschaftlichen Räume das benötigte Multifunktionskabinett geschaffen werden. Die notwendigen finanziellen Mittel werden in der neuen Haushaltsplanung angemeldet.“

Die anderen 200.000 Euro sollen von der Haushaltsstelle kommen, in der das Geld zur Ausstattung der Grundschule auf dem Questenberg gebunden ist. Dort stehen insgesamt 507.000 Euro zur Verfügung. Die Stadt kann jetzt aber eine neue Förderrichtlinie für Grundschulen nutzen, die seit dem Ende des vorigen Jahres gilt. Demnach kann sie bei bislang ungeförderten Kosten mit einer Förderquote von 70 Prozent rechnen. So werden 354.000 Euro frei.

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Schulleiter André Pohlenz kann sich nun den inhaltlichen Vorbereitungen für das Projekt widmen. Außerdem laufen bereits erste Verfahren zur Aufnahme von Schülern aus Meißen und Umgebung sowie aus Weinböhla, Coswig und Radebeul. Zur engmaschigen Betreuung der Schüler sehen die Planungen zwei Vollzeit-Stellen für Lehrer pro Jahrgangsstufe vor, die für dieses Projekt eine besondere Zusatzausbildung absolvieren.

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