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Verhärtete Fronten: Erneut Streik bei Rewe in Nossen

Verdi legt das Zentrallager für einen Großteil des Ostens Deutschlands lahm, damit die Folgen auch vor Ort in den Supermärkten spürbar werden.

Bis Sonnabend geht hier nahezu nichts mehr: Das Rewe-Zentrallager in Starbach bei Nossen.
Bis Sonnabend geht hier nahezu nichts mehr: Das Rewe-Zentrallager in Starbach bei Nossen. © Dietmar Thomas

Leipzig/Nossen. Ergebnislos ist die vierte Tarifrunde für die 40.000 Beschäftigten im sächsischen Groß- und Außenhandel zu Ende gegangen. Darüber informierte jetzt der Sprecher des Verdi-Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Jörg Förster. Als erste Reaktion wurden am Donnerstag die Rewe-Beschäftigten im Großhandelslager Nossen zum Streik aufgerufen. Der Streik begann nach Angaben der Gewerkschaft 0 Uhr und wird sich bis Sonnabend hinziehen. Ohne solche Streikmaßnahmen käme man nicht zu einem akzeptablen Tarifabschluss.

Das Zentrallager in Starbach bei Nossen ging 1993 in Betrieb. Täglich steuern zwischen 200 und 250 Lieferanten aus der Region, Deutschland sowie ganz Europa das Zentrum an. Ausgeliefert wird nach Sachsen, aber auch nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Mehr als 150 Filialen von Rewe, Penny und Nahkauf werden von dem in der Region Ost größten Rewe-Lager an der A14 bedient, darunter unter anderem auch die Märkte im Landkreis Meißen. Im Schnitt sind es deutlich über 100 Auslieferungen täglich. Einen eigenen Fuhrpark besitzt Rewe in Starbach nicht. Die Touren übernehmen ausschließlich Speditionen.

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Ver.di zufolge boten die Arbeitgeber zwei Prozent zum 1. Dezember nach sieben Nullmonaten und weitere zwei Prozent zum 1. August 2022 nach drei Nullmonaten. "Dieses Angebot ist für uns überhaupt keine Verhandlungsbasis", so Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. "Weder spiegeln sich darin die Wertschätzung gegenüber der enormen Leistung der Beschäftigten in den letzten 20 Monaten noch die gestiegenen Umsätze wider."

Kritik an der Gewerkschaft

Ein erster Abschluss in einer verwandten Branche, dem Einzelhandel, wird unterdessen aus Hessen vermeldet, allerdings verbunden mit deutlicher Kritik. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die Branche von der Gewerkschaft Verdi erpresst und in Teilen überfordert. Der durch den Lockdown zwangsgeschlossene Nicht-Lebensmitteleinzelhandel musste erhebliche Umsatzverluste hinnehmen und hat sich bis heute noch nicht erholen können.

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"Angesichts der schwierigen und für viele Nicht-Lebensmittelhändler verlustreichen Corona-Jahre 2020 und 2021 ist es sehr enttäuschend, dass Verdi in dieser für große Teile der Branche so außergewöhnlichen Zeit nicht zu den dringend notwendigen Differenzierungen bereit war. Bis zuletzt haben die Arbeitgeber intensiv für einen ausgewogenen und für alle Branchen des Einzelhandels insgesamt verkraftbaren Tarifabschluss gekämpft. Doch die Arbeitgeber wurden durch massive Streikaktivitäten in verantwortungsloser Art und Weise zu diesem für viele Nicht-Lebensmittelhändler überfordernden Tarifabschluss gezwungen", so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. (SZ)

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