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Jugendliche bringen Weinhübel um den Schlaf

Nacht für Nacht kommen junge Leute lärmend vom Berzdorfer See zurück und machen auch vor hübsch angelegten Gärten nicht halt.

Anwohner der Zittauer Straße in Weinhübel fühlen sich nachts von lärmenden Jugendlichen gestört.
Anwohner der Zittauer Straße in Weinhübel fühlen sich nachts von lärmenden Jugendlichen gestört. © Nikolai Schmidt

Wer 3.30 Uhr aufstehen muss, legt auf einen gepflegten Nachtschlaf besonderen Wert. So wie Dietmar Z.* aus Weinhübel. Er ist Busfahrer und in diesen Tagen wenig ausgeschlafen. Der Grund sind Jugendliche, die spätabends und nachts lärmend vom Berzdorfer See zurückkommen und deren Weg genau an seinem Eigenheim vorbeiführt. Dass sie ihn und andere Anwohner oft um den Schlaf bringen, ist ihnen ganz offenbar egal. "Es ist ein Krach jedesmal, das ist vollkommen belastend", sagt Herr Z. "Sie kommen 23 Uhr, null Uhr, die letzten auch mal erst 1.30 Uhr. Und zwar lautstark, oft mit großen Musikboxen im Rucksack."

Als ob das nicht genug wäre, scheint ihnen auch nichts heilig zu sein. "Meine Lampe wurde schon zerstört, Mülltonnen umgeworfen, beim Nachbarn haben sie Scheiben vom Gewächshaus eingeworfen, irgendetwas ist immer." Blumenschalen draußen aufzustellen trauen er und seine Lebensgefährtin sich schon gar nicht mehr. "Man macht alles schön und freut sich daran und dann kommen rücksichtslose Jugendliche und machen alles kaputt. Von Bierflaschen im Garten reden wir schon gar nicht mehr."

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"Du blöde Schlampe"

Dietmar Z. ist nicht der einzige, der diese Zustände nicht länger hinnehmen will. Vielen aus seiner Straße gehe es genauso. Zum Beispiel dem Ehepaar Stephan*. So wie Dietmar Z. wollen auch sie ihren richtigen Namen lieber nicht in der SZ lesen, ein bisschen Sorge vor den randalierenden Jugendlichen ist eben auch dabei. Immerhin wurde Frau Stephan von einigen jungen Leuten als "blöde Schlampe" tituliert, weil sie etwas zu sagen wagte. "Halts Maul" bekam sie auch schon zu hören. 

Hund läuft durch die Scherben

Familie Stephan jedenfalls hatte sich vor eineinhalb Jahren ein Gartengrundstück in See-Nähe, ziemlich am Ende von Weinhübel, angeschafft. "Ein schönes Grundstück und der See vor der Tür, wir hatten uns das so schön vorgestellt", sagt Frau Stephan. Aber  inzwischen nur noch Sorgen und Ärger. Dass immer wieder Personen einfach hereinkommen und ihren Garten, der genau an der Straße liegt, betreten ist das eine. Aber dass sie, wenn sie mal in der Laube übernachten, kaum eine ruhige Minute haben, das andere. Da werden Flaschen über den Zaun geworfen, Pflanzen herausgerissen. "Immer wieder klirrt es nachts, es kam schon vor, dass unser Hund dann in den Scherben herumlief."  Was sie so ärgert, ist der fehlende Respekt vor dem, was andere Leute sich erschaffen. "Man steckt da Geld und Arbeit rein, legt alles schön an, gibt sich Mühe und dann so etwas." 

Alle möglichen Nationen vertreten

Ob sie die Jugendlichen als immer die gleichen identifizieren könnten? Nein, sagen beide Betroffenen. Das seien immer andere, und auch alle Nationen seien vertreten, Deutsche genauso wie Polen oder Migranten. Halbstarke Jugendliche eben. 

Anders als Dietmar Z., der die Polizei gar nicht erst ruft, weil die "Horden dann sowieso schon weg sind", hat Familie Stephan sich schon bei der Polizei gemeldet, "die können nichts machen", ist ihre entmutigende Erkenntnis.   

Das will die Polizei so nicht stehen lassen. Natürlich sei das Problem bekannt, dort und auch an anderen Orten - wie immer, wenn die warme Jahreszeit da ist und die Leute viel draußen sind. Dass das konkret für die Anwohner in Weinhübel keine schöne Situation ist, sei absolut nachvollziehbar, sagt Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. "Wir kümmern uns darum. Wir sind dort präventiv unterwegs, nicht nur wegen Ruhestörungen, sondern auch wegen Eigentumsdelikten. Aber wir können natürlich nicht ständig vor Ort sein, das Revier ist groß." 

Polizei kann die Musikbox einziehen

Rein rechtlich gehe es hier um zwei unterschiedliche Dinge. Das wäre zum einen die Ruhestörung. Hier hat die Polizei Ermessensspielraum, erklärt Siebenäuger. Manchmal reicht eine Ermahnung, leiser zu sein, die Musikbox auszumachen. Greift das nicht, kann die Bassbox auch mal eingezogen werden, eine Ordnungswidrigkeitsanzeige  folgen. "Und die kann weh tun, das ist nicht gerade billig", so der Sprecher.

Noch mehr wird es den Betroffenen schmerzen, wenn er bei einer Sachbeschädigung erwischt wird. Dann stellt die Polizei Strafanzeige, Ermessensspielraum gibt es hier keinen mehr. "Notfalls können wir hier auch Anzeige gegen Unbekannt stellen." 

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Mehr geholfen ist den Opfern natürlich, wenn die Täter sofort gefasst oder namentlich ermittelt werden können. "Da sind wir ein Stück weit auf Hinweise angewiesen. Wer etwas beobachtet, sollte sofort das Revier anrufen, sofern wir nicht gerade durch schwerwiegende Einsätze gebunden sind, kommen wir auch sofort." 

*Name geändert

Polizeirevier Görlitz: 03581/6500

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