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Dresden

CDU will neue Brücke am Blauen Wunder

Die Partei drängt im Wahlkampf darauf, schon jetzt solide Lösungen für die Zukunft zu untersuchen. 

Das Blaue Wunder wird zwar saniert. Dennoch ist die Brücke in die Jahre gekommen und darf nicht überlastet werden. Die CDU hält langfristig eine Alternative für nötig.
Das Blaue Wunder wird zwar saniert. Dennoch ist die Brücke in die Jahre gekommen und darf nicht überlastet werden. Die CDU hält langfristig eine Alternative für nötig. © René Meinig

Schon lange wird über Alternativen für das Blaue Wunder diskutiert. Immerhin rollt über das Dresdner Wahrzeichen seit fast 126 Jahren der Verkehr. Vor zehn Jahren schlug der damalige CDU-Stadtrat Joachim Stübner den Bau eines Tunnels nach Loschwitz vor. Doch letztlich entschied sich die Stadt, das altehrwürdige Bauwerk erst einmal komplett zu sanieren. Die CDU fordert in ihrem Kommunalwahlprogramm, weiter zu denken und schon jetzt die Weichen für eine neue Elbquerung im Dresdner Osten zu stellen.

Das Manko: Sehr lange Planungszeiten für Brücken in Dresden

„Wir wollen die Diskussion im Rahmen der Haushaltsdebatte wieder anstoßen“, sagt CDU-Stadtrat Gunter Thiele. Der 46-jährige Diplom-Verkehrsingenieur vertritt seine Partei im Bauausschuss. Sowohl im Dresdner Osten als auch im Westen seien neue Elbebrücken nötig. „Die im Osten halten wir aber für dringlicher.“ Bekanntlich werde in Dresden sehr lange gebraucht, um Brücken zu planen. So sind bei der Waldschlößchenbrücke vom Stadtratsbeschluss bis zum Baubeginn über elf Jahre vergangen. Deshalb sollte die Stadtverwaltung jetzt schon prüfen, wo geeignete Standorte sind.

Die Idee: Vorschlag aus DDR-Zeiten wieder aufgreifen

„Es ist zwar wichtig, das Blaue Wunder zu sanieren“, erklärt Thiele. Doch langfristig werde eine Alternative benötigt. Schon jetzt ist es für Radfahrer problematisch, über die Brücke zu kommen. Die Fußwege sind zu schmal für den Radverkehr. Auch auf der Straße ist es für sie derzeit zu eng. Zwar soll das Blaue Wunder bestehen bleiben. Doch den starken Verkehr von 29 000 Autos täglich werde es künftig nicht mehr verkraften. Thiele hält nur einen Standort für die neue Brücke für machbar. Die Zufahrt würde am Ende des Käthe-Kollwitz-Ufers in Höhe des Standesamts beginnen und an die Loschwitzer Brückenrampe des Blauen Wunders anschließen. Damit knüpft die CDU an eine Idee aus DDR-Zeiten an. Nachdem 1985 der Straßenbahnverkehr auf dem zu stark belasteten Blauen Wunder eingestellt wurde, gab es einen ersten Vorentwurf für diese neue Brücke. Sie sollte rechtselbisch mit einem Tunnel an die Grundstraße anschließen.

Mit so einem Neubau könnte das Blaue Wunder entlastet werden bis hin zur Sperrung einer Richtung. So könnte auch die Situation am Schillerplatz verbessert werden, so der Experte. Untersucht werden sollten ein bis zwei Standorte. Dann könnte bei einem Architekturwettbewerb eine gute Lösung gefunden werden. „Ich stelle mir eine schöne Brücke vor, die zum Blauen Wunder passt, sich einfügt und zur Attraktion in Dresden wird“, sagt Thiele.

© SZ-Grafik

Die Alternative: Niederpoyritzer Variante bereits verworfen

Im Vorfeld des Baus der Waldschlößchenbrücke waren in den 1990er-Jahren bereits mehrere Standorte untersucht worden, einer davon zwischen Laubegast und Niederpoyritz. Thiele ist klar, dass der nicht optimal ist. Das bestätigt auch das Stadtplanungsamt auf SZ-Anfrage. Danach wurden nach Stadtratsbeschlüssen ab 2011 dieser und weitere Brückenstandorte zur Entlastung des Blauen Wunders diskutiert und verkehrsplanerisch bewertet. Eine Verbindung zwischen der Pillnitzer Landstraße in Niederpoyritz und der Wehlener Straße/Alttolkewitz habe sich jedoch als sehr problematisch erwiesen. Der Verkehr würde dort zu stark ansteigen. Dafür sind die vorhandenen Straßen nicht ausgelegt.

Die Priorität: Blaues Wunder soll erst einmal saniert werden

„Jetzt ist es aber erst einmal wichtig, das Blaue Wunder zu sanieren“, sagt der langjährige Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz, der ins Schulverwaltungsamt versetzt wurde. Bis zum Jahresende wird der elbabwärts liegende Fußweg instand gesetzt. Die Stadt hofft, dass 2020 die kombinierten Stahlbau- und Rostschutzarbeiten beginnen. Dabei soll das Blaue Wunder frische Farbe erhalten. Das Ziel ist es, die Loschwitzer Brücke bis 2030 für rund 45 Millionen Euro komplett zu sanieren.

Die Lebenszeit: Loschwitzer Brücke kann noch Jahrzehnte halten

In den nächsten Jahren sollen Materialproben des Stahls entnommen werden, bei dem unter anderem der Kohlenstoffgehalt untersucht wird. Daran kann Koettnitz zufolge ermittelt werden, ob es zu Brüchen in der Stahlkonstruktion kommen kann. „Bei guter Pflege könnte das Blaue Wunder nach der Instandsetzung aber noch über 30 Jahre halten“, erklärt er.

Die Perspektive: Koettnitz rät, schon jetzt mit Planung zu beginnen

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Die Frage steht jedoch, was später mit der markanten, 1893 fertiggestellten Stahlkonstruktion wird. Varianten gebe es viele. Eine neue Brücke mit den alten Pylonen oder einen kompletten Nachbau nennt er als Möglichkeiten für das Dresdner Wahrzeichen. „So eine Planung sollte man aber bald beginnen“, rät Koettnitz. „In Dresden braucht man für Brückenplanung und Brückenbau sehr, sehr lange.“ Denn zuvor sind auch sehr viele Untersuchungen nötig, die Zeit brauchen.