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Dresden: Brückenbau bei voller Fahrt

Im Dresdner Westen gibt es derzeit eine besondere Baustelle. Warum die aufwendigen Arbeiten nötig sind und welche Sperrungen es gibt.

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: In Cossebaude wird eine neue Brücke über der Zugtrasse errichtet, die alte wird abgerissen.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: In Cossebaude wird eine neue Brücke über der Zugtrasse errichtet, die alte wird abgerissen. © Sven Ellger

Dresden. Eine neue Brücke über Bahngleisen bauen, danach die alte abreißen, während unten der Zugverkehr weiter rollt - dieser besonderen Aufgabe hat sich eine Baufirma im Dresdner Westen angenommen. Das ist nämlich gar nicht so einfach, wie Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) auf der Baustelle erklärt. In Dresden-Cossebaude wird bereits seit März an der Brücke gebaut, die seit 1964 die Talstraße über die Gleistrasse führt. Nach mehr als 55 Jahren waren die Schäden am Tragwerk so groß, dass sie durch ein neues Bauwerk ersetzt werden muss. Und zwar durch eine sogenannte Stahlverbundbrücke.

Normalerweise, so erklärt Schmidt-Lamontain, würde man eine neue Brücke aus Beton errichten, vor allem aus Kostengründen. Aber: Diese Technologie würde bedeuten, dass die Bahntrasse sechs bis sieben Wochen für den Regional- und Güterverkehr gesperrt werden müsste. Bei den viel genutzten Zugverbindungen auf dieser Strecke sei das keine Alternative gewesen. Also investiert die Landeshauptstadt - Fördermittel gibt es für dieses Bauprojekt nicht - rund 2,3 Millionen Euro in eine Bautechnik, bei der fünf Strahlträger mit vorgefertigten Betonplatten per mobilem Kran über die Gleise gehoben und eingebaut werden. 

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Robert Franke (l.), derzeit Chef im Straßen- und Tiefbauamt, und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain studieren die Baupläne, nach denen die Brücke in Cossebaude neu gebaut wird.
Robert Franke (l.), derzeit Chef im Straßen- und Tiefbauamt, und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain studieren die Baupläne, nach denen die Brücke in Cossebaude neu gebaut wird. © Sven Ellger

Für diesen Schritt muss die Zugstrecke dann doch gesperrt werden, allerdings vor allem an Wochenenden und nachts. Insgesamt gibt es vier Nachtsperrpausen:

  • 27. August, ab 22.40 Uhr, bis 28. August, 4.40 Uhr 
  • 28. August, ab 21 Uhr, bis 31. August, 5 Uhr
  • 4. September, ab 21 Uhr, bis 7. September, 5 Uhr
  • 11. September bis 14. September, jeweils von 20 bis 5 Uhr

Dabei ist so eine Sperrung nicht einfach umzusetzen, sagt Robert Franke, der das Straßen- und Tiefbauamt derzeit kommissarisch leitet. Gut 400 verschiedene Unternehmen nutzen die Bahnstrecke - mit allen müssen die Sperrungen abgestimmt werden. Das übernimmt die Deutsche Bahn, bei der die Landeshauptstadt die Sperrungen beantragen muss. Eigentlich wollte die Stadt die Brücke bereits im vergangenen Jahr erneuern, das scheiterte allerdings an den Nachtsperrpausen, die damals von der Deutschen Bahn nicht eingerichtet werden konnten.

Weil die nächtlichen Bauarbeiten mit großem Lärm verbunden sein werden, bietet die Stadt den unmittelbaren Anwohnern zu diesen Zeiten eine Übernachtung im Hotel an, erklärt Franke. Doch auch jetzt ist es auf der Baustelle schon beachtlich laut, denn die alte Brücke, die noch neben dem Fundament der neuen steht, wird abgerissen. Auch das bei rollendem Zugverkehr. Stück für Stück werden die alten Betonteile zerkleinert und dann mit dem Kran herausgehoben. Daneben befindet sich bereits das Fundament der neuen Brücke, deren vorgefertigte Teile dann auf Großbohrpfähle aufgesetzt werden.

Dass das neue Bauwerk etwas versetzt errichtet wird, hängt übrigens mit der neuen Bundesstraße 6 zusammen, die südlich der Bahntrasse entstehen soll. Sie wird später den starken Verkehr, darunter auch viele Lkw, an Cossebaude vorbeileiten. Die Brücke wird dann als Verbindung zur neuen B 6 benötigt. Deshalb gibt es auf der neuen zweispurigen Brücke auch keine Tonnagebegrenzung mehr.

Zumindest von einer Sache werden die lärmgeplagten Anwohner später profitieren: Der neue Straßenbelag soll deutlich leiser sein, wenn Fahrzeuge darüber rollen. Wenn die neuen Träger eingehoben sind, wird die Fahrbahnplatte auf der Brücke betoniert. Ende dieses Jahres sollen die Bauarbeiten fertig sein. 

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