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Dresden: Kippt der Fernsehturm-Zeitplan?

Bis zu den Sommerferien soll die Absichtserklärung beschlossen sein, dass Dresden 6,4 Millionen Euro bereitstellt. Doch noch fehlt ein wichtiges Detail.

Von außen immer ein Fotomotiv: Der Wachwitzer Fernsehturm. Über seine Zukunft wird jetzt entschieden.
Von außen immer ein Fotomotiv: Der Wachwitzer Fernsehturm. Über seine Zukunft wird jetzt entschieden. © René Meinig

Dresden. Marcel Timmroth hatte am Montagabend gute Nachrichten im Gepäck. Es gebe gleich mehrere ernst zu nehmende Interessenten, die den Dresdner Fernsehturm betreiben wollen, sagte der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der sich um das Projekt Turm kümmert. Diese hätten sich bei einem Interessententag das Objekt angesehen und kämen sowohl aus der Region als auch von weiter her. Er sei optimistisch, dass bis Jahresende ein geeigneter Bewerber gefunden sei, so Timmroth im Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig, wo er die Absichtserklärung für den Turm vorstellte. Mit dieser soll der Stadtrat einer Regelung zu den Rahmenbedingungen für die Wiedereröffnung zustimmen. Genauer gesagt: der Bereitstellung des Geldes.  

Wer trägt welche Anteile?

Konkret geht es um 25,6 Millionen Euro, die für die Revitalisierung des Wachwitzer Sendeturms zur Verfügung gestellt werden. Davon trägt der Bund den Löwenanteil mit 12,8 Millionen Euro, die im Rahmen der Denkmalförderung zur Verfügung gestellt werden. Das Land Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden wollen jeweils 6,4 Millionen Euro übernehmen. 

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In den einzelnen Finanzierungsanteilen sind Schritte zur Betreibersuche sowie die benötigten Planungen und Bauarbeiten enthalten. Sachsen und Dresden gehen jeweils mit 1,45 Millionen Euro für die Planung in Vorleistung. Sachsen zusätzlich mit rund 500.000 Euro für die Betreibersuche.

Auch der Umgang mit Mehrkosten ist im Konzept verankert, sagt Timmroth. So gebe es einen Risikopuffer von 10 Prozent für steigende Baukosten.

Wofür wird das Geld verwendet?

Laut der Ausschreibung steht das Geld für Umbauarbeiten an der Kanzel, am Turmschaft und Turmfuß zu Verfügung. Am Boden soll eine gastronomische Einrichtung mit rund 500 Quadratmetern Fläche neu gebaut werden, in der auch die Speisen für das Restaurant gekocht werden sollen, weil eine Küche oben aus Brandschutzgründen nicht möglich ist. 

Im ehemaligen Restaurant in der Höhe erhält der künftige Betreiber rund 480 Quadratmeter Fläche. 199 Personen könnten sich gleichzeitig auf dem Turm aufhalten und mit zwei Aufzügen hinauffahren. Diese müssen neu eingebaut werden, weil es derzeit nur einen langsamen Lastenaufzug gibt. Im Turmschaft muss zudem der Brandschutz erneuert werden, so Timmroth. Ziel sei es, möglichst schnell einen Betreiber zu finden, damit der Ausbau mit ihm Hand in Hand stattfinden kann.  "Vorher können wir nicht anfangen."

Eine interessante Formulierung gab es von Timmroth zur Finanzierung der nötigen Infrastrukturmaßnahmen, damit der Turm gut erreichbar wird. "Wir erhoffen uns, freiwerdende Mittel in die Infastruktur investieren zu können." Und damit hatte er den Knackpunkt schlechthin angesprochen.

Wann wird das Mobilitätskonzept vorgestellt?

Eigentlich hätte es im März fertig sein sollen, jetzt ist es aufgrund der Corona-Einschränkungen Mai geworden, sagt Timmroth. Erarbeitet wurde es vom bundesweit tätigen Büro Spiekermann und ist bereits in der Fernsehturm-Lenkungsgruppe diskutiert worden. "Wir wollen es am 19. Juni im Kulturpalast öffentlich vorstellen", informierte Timmroth. 200 Leute hätten dazu die Gelegenheit. Für alle anderen wird die Veranstaltung  aufgezeichnet und jederzeit im Internet abrufbar sein. "Wir wissen, dass dies nicht besonders nah bei den betroffenen Anwohnern ist, aber der Kulturpalast bietet durch seine Größe in Corona-Zeiten beste Voraussetzungen dafür."  

Es sei eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit geplant, Ideen, Hinweise und Einsprüche sollen online abgegeben werden können. Diese sollen von den Verkehrsplanern aufgenommen und eingearbeitet werden. Nach drei Monaten soll das bearbeitete Mobilitätskonzept dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.  

Welche Punkte beinhaltet das Konzept?

Einige Punkte sprach Timmroth in der Sitzung bereits an. Generell dürfen die Gäste nicht mit eigenen Autos zum Turm fahren. Stattdessen sollen mehrere Park&Ride-Plätze entstehen, von denen die Besucher mit Shuttlebussen zum Turm gefahren werden sollen. Wo genau, blieb unklar. Die Staffelsteinstraße soll eine der Zufahrtsstraßen sein, nicht die Wachwitzer Bergstraße. Dafür müsse die steile Straße von Niederpoyritz nach Pappritz natürlich ausgebaut werden. "DIe Pläne dafür gibt es ja bereits", sagt Timmroth. 

Ähnlich sei das mit einem Parkplatz an der Rossendorfer Straße, den die DVB schon mal bei der Verlängerung der Linie 11 im Blick hatten. "Mit dem Mobilitätskonzept ergibt sich auch für die Ortschaft die Chance, dass wichtige Infrastrukturprojekte eine höhere Priorität bekommen." 

Diese Bemerkung hat im Ortschaftsrat gemeinsam mit der Rede von zwei Mitgliedern der Bürgerinitiative Fernsehturm Dresden (BI) wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. Ortsvorsteherin Daniela Walter (CDU) zeigte sich irritiert, dass Timmroth schon um eine Beschlussfassung bat, obwohl das Verkehrskonzept noch nicht bekannt war. "Das haben wir als eine Voraussetzung für unseren Beschluss festgeschrieben", sagt Walter.

Was befürchten Anwohner?

Markus Joos und Stefan Doering von der kürzlich gegründeten BI sprachen mehrere Punkte an, die Wachwitzer, Pappritzer, Gönnsdorfer, Loschwitzer und Bühlauer Anwohner betreffen. "Wie sollen die Shuttlebusse die engen Bergstraßen hinaufkommen", fragte Joos. Der Ausbau koste Millionen und dauere Jahre. Eventuell sei Grunderwerb nötig, was zu rechtlichen Konflikten führen könne. "Das ist doch bis 2025, wenn die Arbeiten fertig sein sollen, nicht zu stemmen", so Joos.

Weiter fragte er nach den Parkplätzen. "Die müssten doch unter anderem an den Elbwiesen entstehen, die sind geschützt." Außerdem wollte er wissen, wie die Stadt verhindern wolle, dass die Besucher doch mit dem eigenen Auto anreisen. "Soll es da Grenzposten in Bühlau geben?" Fakt sei, dass es kein Geld für den Ausbau der Infrastruktur in dem Paket gebe.  

Wie ist der weitere Zeitplan?

Die Fördermittel liegen bis 2025 bereit, nicht länger. Nach der Schätzung von Timmroth müsse man ein bis zwei Jahre für die Planungsphase rechnen, weitere zwei bis drei Jahre dauere der Bau. "Wir gehen davon aus, dass wir den Betreiber noch dieses Jahr haben", so der Referent. Deshalb müsse die Beschlussfassung jetzt schnell gehen. Vorgesehen war, dass der Stadtrat die Absichtserklärung noch vor der Sommerpause absegnet. Doch daraus wird wahrscheinlich nichts.

"Unabhängig davon, wie sehr man sich auf die Wiedereröffnung freuen kann: Die Menschen, die dort wohnen, haben Angst, was auf sie zukommt. Und es ist eine bittere Enttäuschung, dass sie nicht rechtzeitig über das Mobilitätskonzept informieren", sagte  FDP-Ortschaftsrat Manfred Eckelt. Martina Angermann von der SPD hat sich erst über die guten Nachrichten für den Turm gefreut. Doch jetzt überwiege für die Einwohner des Hochlandes ein Minus, sagte sie. "Wir brauchen den Turm nicht um jeden Preis."

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Carsten Preußler von der CDU forderte die Stadt auf, mehrere Informationsveranstaltungen, auch im Hochland, anzubieten. "200 Plätze im Kulturpalast sind viel zu wenig", kritisierte er. Die Ortschaft vertagte eine Beschlussfassung bis nach der öffentlichen Bekanntgabe des Mobilitätskonzeptes. Von Anfang an sei es eine Prämisse gewesen, das Konzept vorher zu kennen, bevor man zustimme.

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