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Dresdens Corona-Autokinos im Vergleich

Am Dienstag hat in der Flutrinne Dresdens zweites Autokino eröffnet - mit einer Kampfansage Richtung Flughafen. Aber welches Kino ist besser? Ein Vergleich.

Von Dominique Bielmeier
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Das neue Autokino im Ostragehege kann mit einer riesigen Leinwand punkten.
Das neue Autokino im Ostragehege kann mit einer riesigen Leinwand punkten. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. "Das ist eben mal ein richtiges Autokino", hatte Holger Zastrow beim letzten Pressetermin vor der Eröffnung selbstbewusst gesagt. Der Hofewiese-Betreiber und FDP-Fraktionsvorsitzende im Dresdner Stadtrat ist mit seiner Eventagentur ein Teil des Veranstalterkollektivs hinter dem neuesten Autokino der Stadt im Ostragehege. Zu den Machern gehören auch die Verantwortlichen der US Car Convention sowie der Filmnächte am Elbufer - geballte Kompetenz also, was Filme auf großen Leinwänden und amerikanisches Flair angeht. 

Beides hatte "Cars and Stars" im Vorfeld auch versprochen, durchaus mit einer Kampfansage in Richtung Flughafen. Dort ist schon am 25. April Dresdens erstes Autokino an den Start gegangen, wo bereits mehrfach Filme ausverkauft waren (einen Erfahrungsbericht vom Eröffnungsabend können Sie hier nachlesen: So ist es im Corona-Autokino in Dresden), und inzwischen weitere Formate wie eine Autodisko und Liveabende angekündigt werden. 

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Im Ostragehege will man dafür mit Atmosphäre, Professionalität und einer riesigen Leinwand punkten. Ist es ein Zufall, dass dem Startfilm des Flughafenkinos - Go Trabi Go - in der Flutrinne der Rennfilm Le Mans 66 entgegengesetzt wird? Ford GT 40 schlägt Trabant, so viel ist klar, aber wer macht das Rennen, wenn es um Dresdens bestes Autokino geht? 

Wir haben das neue Kino am Dienstagabend für Sie getestet - und mit seinem Konkurrenten am Flughafen verglichen.

Autokinotester für Sächsische.de: Marcel Lange und SZ-Redakteurin Dominique Bielmeier im neuen Autokino im Ostragehege.
Autokinotester für Sächsische.de: Marcel Lange und SZ-Redakteurin Dominique Bielmeier im neuen Autokino im Ostragehege. © Sven Ellger

Ticketverkauf:

Beide Autokinos verkaufen Tickets auf ihren Websites, für das Flughafenkino kann man sie zusätzlich an der Konzertkasse im Florentinum in der Ferdinandstraße 12 kaufen. Ein Ticketkauf vor Ort ist nicht möglich. 

Während es im Autokino am Flughafen reicht, den QR-Code durch die (leicht geöffnete) Fensterscheibe auf dem Handy vorzuzeigen, muss für Cars and Stars (noch) ein Ticket auf Papier ausgedruckt werden. Zum Scannen bleibt das Fenster dafür zu. Das sei Vorschrift vom Gesundheitsamt, erklärt eine Mitarbeiter bei Facebook, und das Problem beim Scannen sei die doppelte Spiegelung von Handydisplay und Autoscheibe. "Wir riskieren nicht direkt am ersten Tag unsere Zulassung", kommentiert das Kino auf Facebook Kritik an den gedruckten Tickets. 

Preise:

Was die Eintrittspreise angeht, liegen beide Kinos fast gleich auf. Ein Pkw-Ticket für den Flughafen (zwei Personen) kostet 19,90 Euro, ein Kinderticket zusätzlich 5,90 Euro, hinzu kommen 1,99 Euro Vorverkaufsgebühr. Im Ostragehege zahlt ein Erwachsener 10 Euro für sein Ticket, Kinder zwischen drei und 14 Jahren 6 Euro. Wer also alleine ins Kino kommt, hat hier einen Vorteil, denn er braucht kein Ticket, das für zwei Leute gilt. Außerdem gibt es keine Vorverkaufsgebühr. Pluspunkt für das neue Kino. 

Auch in ideeller Hinsicht führt das Autokino im Ostragehege: Es will der von der Corona-Krise schwer gezeichneten Dresdner Kinolandschaft mit 50 Cent je verkaufter Eintrittskarte helfen. Hinter dem Flughafenkino steckt dagegen der Eventveranstalter GBG GmbH aus Niesky. 

(Zu den Preisen für Snacks und Getränke siehe "Verpflegung" unten.) 

Amerikanische Rennwagen vor der Leinwand sorgten für Atmosphäre und erinnerten an die US Car Convention, deren Macher auch hinter dem Kino in der Flutrinne stecken.
Amerikanische Rennwagen vor der Leinwand sorgten für Atmosphäre und erinnerten an die US Car Convention, deren Macher auch hinter dem Kino in der Flutrinne stecken. © Sven Ellger

Einweisung:

Überraschend ist der Vergleich beider Autokinos, wenn es um die Zuweisung der "Kinoplätze" geht. Hat der Flughafenparkplatz, auf dem das Autokino errichtet wurde, deutlich weniger Fläche als das Ostragehege, sind hier doch gleichzeitig mehr Einweiser unterwegs, die die Autos schnell und gezielt nach einem festen System mit einem Abstand von je zwei Metern zueinander zu den Stellplätzen vor den vier Leinwänden führen. 

Im Ostragehege ging es am Eröffnungsabend etwas mehr durcheinander. Zwar wurde auch hier auf den Abstand zueinander geachtet, aber auf der großen Wiese setzte sich so mancher Autofahrer über die Zeichen der Ordner hinweg und suchte sich selbst seinen Platz. 

Der war auf der riesigen Fläche auch im Überfluss vorhanden, die 500 verfügbaren Plätze waren höchstens zur Hälfte gefüllt. Ein Ordnungspluspunkt für den Flughafen, den das neue Kino aber durch Erfahrung (und mehr Personal) in den nächsten Wochen noch aufholen kann. 

Wenige Ordner, viele Autos: Da ging es bei der Einweisung am Dienstagabend etwas durcheinander, am Ende dürften aber alle zufrieden gewesen sein mit ihrem Platz vor der großen Leinwand.
Wenige Ordner, viele Autos: Da ging es bei der Einweisung am Dienstagabend etwas durcheinander, am Ende dürften aber alle zufrieden gewesen sein mit ihrem Platz vor der großen Leinwand. © Sven Ellger

Sicht:

Egal, wie man parkt: Die riesige Leinwand des neuen Autokinos dürfte von jeder Stelle aus gut zu sehen sein. Acht Tonnen wiegt sie, ist 15 Meter hoch und 33,5 Meter breit, was sie laut den Veranstaltern zur größten Pop-up-Leinwand in Deutschland macht. Das projizierte Bild ist gut - und wird besser, je dunkler es draußen wird.

Die Sicht auf die Leinwand und auf Matt Damon in Le Mans 66 war wohl von jedem Standplatz aus gegeben.
Die Sicht auf die Leinwand und auf Matt Damon in Le Mans 66 war wohl von jedem Standplatz aus gegeben. © Robert Michael/dpa

Am Flughafen gibt es dagegen vier deutlich kleinere Leinwände, von denen je zwei Rückwand an Rückwand aufgehängt sind. Je nach Stellplatz hat man also ein kleineres Bild, das, wenn man Pech hat, auch durch ein anderes Auto oder einen Masten teilweise verstellt sein kann. Dafür leuchten die Bildschirme selbst, weshalb die Filme schon früher am Abend starten können - was mehrere Filme pro Tag erlaubt. Trotzdem: Der Punkt geht an die Megaleinwand, die für mehr Kinoflair sorgt - wozu ja ohnehin Dunkelheit gehört. 

Kleiner Pluspunkt für Leuchtkraft: Im Flughafenkino setzen die Macher auf vier deutlich kleinere Bildschirme - und zum Eröffnungsabend auch auf deutlich weniger PS.
Kleiner Pluspunkt für Leuchtkraft: Im Flughafenkino setzen die Macher auf vier deutlich kleinere Bildschirme - und zum Eröffnungsabend auch auf deutlich weniger PS. © SZ/Dominique Bielmeier

Atmosphäre:

Apropos Flair: Welches Autokino sorgt eigentlich für die bessere Kinoatmosphäre? Der Flughafenparkplatz hat Industriecharme, durch die Aufteilung auf vier kleinere Parkplätze (einen vor jeder Leinwand) geht es gemütlicher zu als im riesigen Ostragehege, nebenbei sind die Wege zu den Toiletten hier kürzer.

Im Autokino am Dresdner Flughafen schaut man den Film auf einem von vier kleineren Bildschirmen.
Im Autokino am Dresdner Flughafen schaut man den Film auf einem von vier kleineren Bildschirmen. © Sebastian Kahnert/dpa

Dafür steht man im neuen Kino mitten im Grünen und schaut auf eine gemeinsame, große Leinwand, auf die der Film wie im echten Kino projiziert wird. Für einen Hauch Amerika sorgten am Eröffnungsabend mehrere (Rennwagen-)Oldtimer vor der Leinwand und im Publikum und Schilder mit Parkreihennummern, die man sonst von der US Car Convention kennt. 

Fazit zur Atmosphäre: Geschmackssache. 

In der Flutrinne, Ostra-Gehege, gibt es ein neues Autokino. Foto: Sven Ellger
In der Flutrinne, Ostra-Gehege, gibt es ein neues Autokino. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Filmauswahl:

Acht Filme werden bisher bei Cars and Stars angekündigt, ab Mittwoch einer pro Tag: Das perfekte Geheimnis, Die Känguru-Chroniken, Bohemian Rhapsody, Lindenberg! - Mach dein Ding, The Gentlemen, European Outdoor Film Tour Open Air 19/20, Contagion und Nightlife. 

Am Flughafen lief neben Go Trabi Go bisher unter anderem der Katastrophenfilm 2012 und Oscar-Abräumer Parasite. Nächste Vorstellungen sind unter anderem Manta Manta, Das perfekte Geheimnis, 21 Jump Street, John Wick und Twelve Years a Slave, außerdem laufen Kinderfilme (Findet Dorie, Spongebob Schwammkopf) und Horrorfilme (Sinister, Escape Room). 

Das größere Angebot hat also der Flughafen, wo es mehr Vorstellungen gibt, das Programm von Cars and Stars orientiert sich mehr an dem, was man bei den Filmnächten erwarten könnte. Gleichstand in puncto Programm.  

Verpflegung:

Die erste Enttäuschung des Abends im neuen Autokino: Da gibt es einen charmanten Drive-In für Snacks und Getränke, den man schon auf dem Weg zur Leinwand passiert, und dann erfährt man dort, dass man gar nichts kaufen kann, sondern hätte vorbestellen müssen - selbst, wenn man eine Maske trägt. Das macht wahrscheinlich Sinn, um eine riesige Autoschlange zu vermeiden (und die Menge des Angebots besser planen zu können), ist aber trotzdem schade. 

Auch im Flughafenkino kann man eine Snackbox schon vorbestellen und bei der Einfahrt abholen, jedoch gibt es eine weitere Möglichkeit, sich vor Ort Verpflegung zu "bestellen": indem man den Warnblinker anschaltet. Dann wird man per Handwagen beliefert. Der Punkt geht also eindeutig an den Flughafen für diese clevere Lösung. 

Die Preise sind übrigens in beiden Kinos ähnlich: Nachos mit Käse oder Salsa kosten am Flughafen 5,50 Euro, in der Flutrinne 6 Euro, Popcorn gibt es am Flughafen für 5 Euro (100 Gramm), im Ostragehege dagegen nur für 3,50 Euro (150 Gramm). Snackbox am Flughafen mit Nachos oder Popcorn, einem Getränk und einer kleinen Tüte Chips: 8,50 Euro. Das "Gastropaket" im Ostragehege mit einem Radeberger Pilsner, einem Softdrink und 150 Gramm Popcorn oder 200 Gramm Nachos mit Dips: 9/10 Euro. 

Wer in der Flutrinne selbst für Verpflegung gesorgt oder schon vorbestellt hatte, hatte gut Lachen - wie Teresa im Bulli.
Wer in der Flutrinne selbst für Verpflegung gesorgt oder schon vorbestellt hatte, hatte gut Lachen - wie Teresa im Bulli. © Sven Ellger

Sicherheit:

In beiden Kinos gelten zum Schutz vor dem Coronavirus strenge Sicherheitsregeln, die vor Beginn des Films auf der Leinwand eingeblendet werden. So sollen die Autos zum Beispiel nur für den Gang zur Toilette verlassen werden (mit Mund-Nase-Maske), Fenster während des Films geschlossen bleiben. Nur: In beiden Kinos halten sich viele nicht daran, im Ostragehege schaffen die geparkten Oldtimer zusätzlich einen Anreiz zum Aussteigen und Selfies machen, in den ersten Reihen findet passend zum Film ein richtiges Autotreffen statt und es wird auch mal näher betrachtet, womit der Kinogast nebenan vorgefahren ist. Auch hier fehlt es an Ordnern, die Anweisungen geben könnten. 

Immerhin: In beiden Kinos gibt es Desinfektionsmittel auf den Toiletten, beim Einfahren gibt es keinen direkten Kontakt mit dem Personal und auch sonst lässt sich gut Abstand halten zu anderen Menschen. Wenn die richtigen Kinos demnächst wieder öffnen, bleiben die Autokinos also eine gute Alternative gerade für Risikogruppen in der Corona-Krise. 

Vor dem Filmbeginn werden auch im neuen Autokino im Ostragehege Sicherheitshinweise eingeblendet.
Vor dem Filmbeginn werden auch im neuen Autokino im Ostragehege Sicherheitshinweise eingeblendet. © Sven Ellger

Fazit:

Dresdens neues Autokino im Ostragehege muss sich nicht verstecken, im Gegenteil: Es punktet mit professionellem Kinoflair und unverstelltem Blick auf die riesige Leinwand, die an die Filmnächte am Elbufer erinnert. Außerdem unterstützt man mit dem Ticketkauf hier die lokalen Kinos in der Corona-Krise. 

Das Autokino am Flughafen, das deutlich schneller hochgezogen wurde als Cars and Stars, wirkt etwas gemütlicher und führt, was unkomplizierte Einweisung und Snackbestellung angeht. Sie können also getrost das Filmangebot entscheiden lassen, welches Autokino es am Ende wird, oder noch besser: Testen Sie doch beide einmal. 

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