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"Wir retten uns von Schauer zu Schauer"

Dieses Frühjahr war wieder zu trocken, aber nicht so heiß wie die vergangenen zwei. Warum sich Dresdner Bauern dennoch Sorgen um ihre Flächen machen.

Biolandwirt Bernhard Probst auf einer seiner Streuobstwiesen im Zschoner Grund, wo schon mehrere Bäume abgestorben sind.
Biolandwirt Bernhard Probst auf einer seiner Streuobstwiesen im Zschoner Grund, wo schon mehrere Bäume abgestorben sind. © René Meinig

Dresden. Goldgelb glänzt der Roggen in der Sonne, nass vom Regen in der Nacht zum Donnerstag. "Na ja, eher Schauer als Regen", sagt Biobauer Bernhard Probst. Gerade mal vier Liter sind über seinen Acker- und Grünflächen im Dresdner Westen runtergekommen. Nur wenige Kilometer regne es immer deutlich mehr. Aber was soll er machen? Immerhin gab es regelmäßige Schauer und das Wasser reiche aus, damit Weizen, Mais, Kartoffeln, Gerste und Luzerne ganz gut wachsen. "Es wird keine Superernte, eher durchschnittlich. Aber nicht zu vergleichen mit denen der vergangenen beiden Jahre, die unter der extremen Trockenheit und Hitze gelitten haben. 

Dennoch erkennt der Landwirt gravierende Folgen des Klimawandels. "Wenn ich an die 1990er-Jahre zurückdenke, wie oft sind wir da mit den Maschinen im Frühjahr im Schlamm stecken geblieben. Heute muss ich wegen des trockenen Staubes schon im April die Luftfilter reinigen", sagt er. 

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Viel größere Sorgen bereitet ihm jedoch die Trockenheit in den tieferen Erdschichten. Seine Viehtränken, die sich aus Brunnenwasser speisen, was aus zwei Meter Tiefe kommt, sind ausgetrocknet. Auch der Lotzebach habe fast kein Wasser mehr.  "Die Grundwasserströme versiegen mehr und mehr."   

Borkenkäfer befällt auch Obstbäume

Welche Folgen das hat, ist auf seinen Streuobstwiesen zu beobachten. "Die alten, knorrigen Bäume, zum Teil 80 Jahre alt, sterben ab. Die eine Hälfte habe ich 2019 verloren, der Rest folgt dieses Jahr", prognostiziert Probst. Er bedauert das sehr. Denn genau diese Wiesen  machten das Flair des Zschoner Grundes aus.

Doch während jüngere Bäume sich besser an das wärmere Klima angepasst  und tiefergehende Wurzeln gebildet haben, müssen die alten mit dem Oberflächenwasser auskommen. Schon geschwächt, befällt sie der Obstbaumsplintkäfer. Der Schädling aus der Familie der Borkenkäfer lebt zwischen Rinde und Holz und versetzt den Bäumen den Todesstoß. "Früher konnte ich die Kühe nicht auf die Wiesen lassen, weil die Bäume so voller Früchte hingen, dass die Kühe davon Durchfall bekommen haben. Heute bin ich schon froh, wenn  wenigstens einige grüne Blätter am Baum sind."  

Ganz andere Sorgen hat Heribert Meller von der Gutsverwaltung Schönfelder Hochland. Während in diesem Jahr Raps und Getreide im Vergleich zu den beiden Vorjahren gut wachsen, schlagen sich die Wildschweine darin den Bauch voll. "Es sind große Rotten, die entsprechenden Schaden anrichten", sagt Meller. Die Jäger würden das Problem nicht in den Griff bekommen. Warme Winter haben dazu geführt, dass sich die Schweine stark vermehren. 

"Und tatsächlich hat auch das Vorkommen des Wolfes im Hochland dazu geführt, dass die Tiere in größeren Gruppen unterwegs sind, um sich besser schützen zu können", sagt Meller. Seine Rapsfelder haben im Innern mehrere Löcher, denn die Wildschweine reißen darin ganze Pflanzen heraus und fressen sie. "Bald werden sie ins Getreide abwandern", ist Meller sicher.

Verzicht auf den Anbau bestimmter Sorten

Auch seine Böden sind unterhalb von 30 Zentimetern komplett  ausgetrocknet. "Oberhalb retten wir uns derzeit von einem Regenschauer zum nächsten, deshalb sehen die Felder auch weitaus besser aus als in den vergangenen beiden Jahren", sagt der Landwirt. Dass es dennoch zu wenig Regen im Vergleich zum Normalwert ist, merkt er an der Grünfutterernte, die 40 Prozent geringer ausgefallen ist. "Ich hoffe, die Zweite wird besser. Im vorigen Jahr war das Gras völlig vertrocknet, das soll 2020 nicht passieren."

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Prognosen zur Ernte will Meller aber nicht abgeben. Zwar stehe der Raps gut,  doch was hinten herauskommt, sehe man immer erst beim Dreschen. Auf den Anbau von Zuckerrüben hat Meller nach dem Vorjahr ganz verzichtet, weil er nur die Hälfte der geplanten Ernte einfahren konnte. "Wird der Sommer wieder so heiß wie 2018 und 2019, wird auch der Mais darunter leiden." Das Gute am bisherigen Wetter sei, dass es nicht so durchgehend heiß war wie in den Vorjahren.  

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