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Wie man einen Schandfleck los wird

Kottmar hat das gleiche Problem wie viele Gemeinden: Alte Buden, um die sich keiner kümmert, die zur Gefahr werden. Für ein Gebäude zeichnet sich jetzt eine Lösung ab.

Auch, wenn es für das Haus keine Rettung gibt - der frühere Walddorfer Bürgermeister Frank Münnich bedauert, dass historische Details damit verloren gehen werden.
Auch, wenn es für das Haus keine Rettung gibt - der frühere Walddorfer Bürgermeister Frank Münnich bedauert, dass historische Details damit verloren gehen werden. © Matthias Weber

Endlich! Bürgermeister Michael Görke klingt beinahe erleichtert, als er jetzt verkünden konnte: Die Kottmarbleiche im Walddorfer Ortsteil Kottmarhäuser könnte bald verschwinden. Seit Jahren ist das Haus kein schöner Anblick mehr. Kottmar hatte hier dasselbe Problem, wie es viele Gemeinden mit großen, alten Gebäuden haben. Die Besitzverhältnisse sind undurchsichtig, das Haus wechselte mehrmals den Besitzer. Aber niemand nahm sich wirklich des Gebäudes an. Es wurde mehr oder weniger als Spekulationsobjekt von einem zum nächsten verkauft. Die aktuellen Eigentümer des als Kottmarbleiche bekannten Hauses, so Bürgermeister Michael Görke (parteilos), sollen wohl in Australien weilen. Das einstige Prachtstück verfällt. 

Hinzu kommt: Das historische Haus ist nicht nur ein Schandfleck, die Ruine ist auch eine Gefahr. Der Landkreis ließ bereits vor Jahren als Notsicherungsmaßnahme die Fassade mit Netzen verkleiden. Sie sollen Putz und Ziegelsteine davon abhalten, auf die Straße zu stürzen. Mittlerweile flattern aber auch die Netze lose im Wind. "Die halten nicht mehr viel ab", so Görke. 

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Inzwischen, so der Bürgermeister, habe auch die Denkmalschutzbehörde "grünes Licht" gegeben. Das Haus darf grundsätzlich abgerissen werden. Wegen seiner historischen Bedeutung wollte der Denkmalschutz dem lange nicht zustimmen. Nun aber ist klar: Eine Rettung gibt es nicht mehr. 

Eigentümer hat noch Schulden

Jetzt bahnt sich eine Lösung an. Das Baugesetzbuch macht's möglich, sagt Bauamtsleiter Maik Wildner von der Gemeindeverwaltung in Kottmar. Im Paragraph 179 steht dort: Die Gemeinde darf ein Gebäude beseitigen, wenn Missstände oder Mängel so groß sind, dass auch eine Modernisierung oder Instandsetzung nicht mehr helfen. Das muss der Eigentümer dann dulden. Auch in Ober- und Niedercunnersdorf hat die Gemeinde bei zwei alten Häusern diese Möglichkeit schon genutzt. 

Die Gemeinde will nun Fördermittel beantragen für den Abriss. Der Nachteil: Es wird ein Eigenanteil bleiben, den die Kommune erst einmal vorstrecken muss. Voraussichtlich werden das rund zehn Prozent der Abrisskosten sein. Die schätzt Bauamtsleiter Wildner auf etwa 80.000 Euro. Blieben also 8.000 Euro übrig, die Kottmar erst mal berappen muss. 

Wie aber bekommt die Gemeinde ihr Geld zurück? Sie stellt dem Eigentümer, der ja de facto auch nach dem Abriss Eigentümer der leeren Fläche bleibt, die Kosten in Rechnung und verlangt sie zurück. Dass die Gemeinde auf diesem Weg Geld wiedersehen wird, bezweifelt der Bürgermeister. Dann bliebe vermutlich die Zwangsversteigerung, denn der Eigentümer hat noch weitere offene Forderungen zu begleichen, zum Beispiel Grundsteuern. Das Geld, das bei einer Versteigerung für das Grundstück eingenommen wird, würde dann auf die Gläubiger verteilt. Dazu würde dann auch die Gemeinde mit ihren Abrisskosten gehören, erklärt Görke.  

Ob die Abrissbagger tatsächlich kommen und die Gefahr vom Einsturzhaus gebannt wird, hängt davon ab, ob die Gemeinde Fördermittel zugesagt bekommt. 

Nicht alles wird entsorgt

Ein bisschen Wehmut schwingt allerdings mit, wenn es um den Abriss des Hauses geht. Schließlich hat es eine für den Ort bedeutende Historie und birgt viele wertvolle Details, wie Frank Münnich zu berichten weiß. Der ehemalige Walddorfer Bürgermeister und spätere Ortsvorsteher - Kottmarhäuser gehört zu Walddorf - kennt das Haus gut. Unbedingt sollte vor dem Abriss noch einmal gesichtet werden, was eventuell noch verwendbar ist und historische Teile geborgen werden, sagt er. Er selbst will sich noch einmal gemeinsam mit dem Bauamtsleiter auf den Weg zur Kottmarbleiche machen - und mit Fotos die Details für die Ewigkeit festhalten. 

So weiß Münnich zum Beispiel von einer alten Wäschemangel, die noch im Haus steht. Brauchbar ist sie wohl aber nicht mehr, sagt Bauamtsleiter Maik Wildner. "Sie ist vom Holzwurm zerfressen." Und auf dem Schornstein, erzählt Münnich, war einst eine Granitabdeckung. Sie ist vor Jahren heruntergestürzt und muss nun irgendwo im Gebäude liegen. 

Die Kottmarbleiche ist eines der ältesten Häuser des Ortes - es soll sogar das älteste der Kottmarhäuser sein. Früher stand daneben eine Fabrik, eben die Kottmarbleiche. Hier wurden zunächst Garne, später auch Textilien gebleicht. Entstanden ist der Betrieb zur Zeit der Industrialisierung. Früher hatte an der Stelle aber wohl schon eine Wassermühle gestanden. Das Haus, das heute noch steht, war das Wohnhaus zur Fabrik. Die Fabrik selbst wurde nach der Wende abgerissen. Daran erinnert sich Frank Münnich noch gut, der damals Bürgermeister war. "Wir haben einen Wanderparkplatz auf der Abrissfläche gebaut." 

Auch die Gemeinde ist sich der historischen Bedeutung bewusst und will nicht alles entsorgen. Beispielsweise die Treppenstufen aus Granit hat Bürgermeister Görke schon ins Visier genommen. Im Ortsteil Obercunnersdorf soll der alte Kirchweg wieder aktiviert werden. "Da könnten wir die Stufen gebrauchen", so Görke. Allerdings, so der Bürgermeister müsse man das Verhältnis von Aufwand und Nutzen berücksichtigen. Denn, je mehr man bei so einem Abriss sichtet, anfasst und sortiert, umso teurer wird's. 

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