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Immer mehr Tschechen arbeiten in Zittau

Der Entwurf des Entwicklungskonzepts für das Gebiet Liberec-Zittau liegt jetzt aus. Heute, im 3. Teil der kleinen SZ-Serie zum Papier: die Wirtschaft

Ein Blick auf Zittau. Das Luftbild entstand 2019.
Ein Blick auf Zittau. Das Luftbild entstand 2019. © Jens Neumann-Weinbeer/www.zittau

Die Stadt Zittau will sich nicht damit abfinden, dass Städte wie sie, die nicht im Speckgürtel einer Metropole wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz liegen, keine oder nur geringe Entwicklungschancen haben. Sie hat eine Studie in Auftrag gegeben, um deutlich zu machen, dass die Region um die Stadt Zittau nicht an der Grenze endet. Auf der Grundlage einer Regionalanalyse, zu der unter anderem 40 Experteninterviews beitrugen und zwei Expertenworkshops in Zittau und Liberec, liegt nun der Entwurf der Entwicklungskonzeption vor und ist bis zum 22. August online und im Rathaus einsehbar. Darüber informiert Zittaus Stadtplaner Matthias Matthey. Ein Teil der Studie widmet sich der Wirtschaft.

Wirtschaftlich gesehen, haben sich die Regionen um Liberec und Zittau in den letzten Jahren ganz unterschiedlich entwickelt. Die Studie zeigt, dass die Anzahl der Unternehmen im Gebiet Liberec-Zittau von 2012 bis 2016 durch mehr Firmen in und um  Liberec kontinuierlich gewachsen ist. In und um Zittau sank die Anzahl der Firmen leicht. 

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Die meisten Firmen haben ihren Sitz in den Wirtschafts-Zentren Liberec und Jablonec sowie in Zittau. Im deutschen Teil des Untersuchungsgebiets prägen die Wirtschaft klein- und mittelständische Firmen, Großunternehmen fehlen. Auf der tschechischen Seite gibt es hingegen bedeutende regionale Arbeitgeber. Auffallend ist, dass insbesondere in den Gemeinden rund um die Zentren Liberec und Jablonec die Wirtschaft wächst. 

Bei der Verarbeitung von Produkten und der industriellen Produktion ist der Anteil der Unternehmen im Gebiet Liberec größer. Dort stieg er zwischen 2012 und 2018 auf fast 13 Prozent. Im Raum Zittau bleibt er dagegen stetig unter elf Prozent. Die größte Produktionsdichte im Vergleich zu den Unternehmen des jeweiligen Ortes hat dabei die Gemeinde Dalesice mit 27,8 Prozent. Den geringsten Anteil gibt es in Oybin mit 3,8 Prozent.

Firmen haben Probleme, sich Fachkräfte zu sichern

Dominierend im Gebiet Liberec-Zittau sind Dienstleistung und Handel. Der Anteil der Unternehmen im deutschen Teil beträgt hier zwischen 2012 und 2018 stabil knapp 80 Prozent. Im tschechischen Teil stieg er von 73,5 Prozent im Jahr 2012 auf 83,4 Prozent in 2018. In diese Statistiken eingeflossen sind aber auch Firmen aus den Bereichen Verkehr, Gesundheits- und Schulwesen, Kultur sowie Leistungen der Daseinsvorsorge. Sie nehmen aber nur einen geringen Prozentsatz ein.

Die Entwicklung der Wirtschaft wird in der Studie als sehr stabil eingeschätzt. Die meisten Leute arbeiten im Bereich Dienstleistungen und im Handel. Beide Bereiche sind in großem Umfang an der Reduzierung der Arbeitslosenzahlen des letzten Jahrzehnts beteiligt, heißt es. 

In Deutschland und in Tschechien hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren total gewandelt. Von einem großen Angebot an Arbeitskräften und viel zu wenigen offenen Stellen ist er zu einem Nachfragemarkt geworden. Die Fachkräftesicherung ist heute ein existenzielles Problem für die Firmen.

Niedriges Lohnniveau in Zittau, wie auch in Liberec

Steigend ist auch die Zahl der tschechischen Bürger, die weiterhin in Tschechien wohnen, aber zur Arbeit in das Gebiet Zittau pendeln. Ihre Zahl stieg von 48 im Jahre 2010 auf 322 im Jahr 2018. 73 Prozent von ihnen arbeiten in Zittau, weitere sieben  in Oderwitz, sechs in Oybin und vier Prozent in Herrnhut.

Das Lohnniveau in der Region Liberec liegt mit 1.200 Euro (2017) deutlich unter dem Durchschnitt Tschechiens. In Deutschland ist es zwar bedeutend höher, wobei aber der Landkreis Görlitz mit durchschnittlich 2.186 Euro das Schlusslicht in Deutschland bildet.

Neben dem Fachkräftemangel zeigt die Studie für Liberec-Zittau einige Schwächen für die Wirtschaft auf. So fehlen auf deutscher Seite große Unternehmen. Es besteht eine schlechte überregionale Verkehrsanbindungen nach Dresden und Prag und es gibt kein flächendeckendes leistungsfähiges Breitbandnetz.

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Die Studie beschreibt die „tschechische Dynamik“ und die „deutschen Qualitätsstandards“ als gute Ausgangslage für grenzüberschreitende Wirtschaftskooperationen. Für die Wettbewerbsfähigkeit und zum Stärken der Region könnten die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Liberec und Zittau noch mehr eingebunden werden. Für weitere Unternehmensansiedlungen gibt es beiderseits der Grenze noch genügend freie Flächen in Industrie- und Gewerbegebieten. 

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