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"Sebnitz wird das Mountainbike-Zentrum"

Ein Bike-Park soll jüngere Touristen in die Sächsische Schweiz ziehen. Im Interview verrät der Sebnitzer OB Mike Ruckh erstmals die Ausmaße des Projekts.

Mike Ruckh (CDU), Oberbürgermeister von Sebnitz, im Interview zum Jahresauftakt.
Mike Ruckh (CDU), Oberbürgermeister von Sebnitz, im Interview zum Jahresauftakt. © Steffen Unger

Herr Ruckh, was plant Sebnitz für das neue Jahr?

Ziele haben wir einige. Eins davon ist die Bewerbung um den Tag der Sachsen. Intern haben sich die Stadträte bereits auf 2023 als Termin verständigt. Das wollen wir im Januar noch beschließen damit den Bürgerentscheid vom vergangenen Jahr umsetzen. Das heißt, dass wir beim Tag der Sachsen 2021 in Freital unsere Bewerbung offiziell einreichen.

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Mit welchen Kosten rechnen Sie für das Fest?

Das kann man jetzt noch nicht sagen. Es hängt davon ab, was wir alles im Programm haben wollen und was nicht. 2003 hatten wir zum Beispiel Hochseilartistik auf dem Markt und einen Rummelplatz am Bahnhof. Das Finanzkonzept werden wir dann  erarbeiten. Auf jeden Fall müssen wir die Infrastruktur herrichten und genügend Parkplätze anbieten. Viel hängt davon ab, wie viel Sponsoren wir finden und wie viel Geld der Freistaat künftig für seinen Tag der Sachsen bereitstellt. 2003 waren es noch 500.000 Euro, danach 700.000 Euro. Das gilt nun wiederum schon seit 2004.

Sie rechnen also damit, dass die Förderung demnächst aufgestockt wird?

Davon gehe ich aus. Die Kosten haben sich schließlich auch vervielfacht.

Sie sagten einmal, dass es vor allem die Fördermittel für die Infrastruktur vor dem  eigentlichen Fest das Interessante sind. Welche wären das konkret in Sebnitz?

Wir haben einige Projekte, die noch in der Schwebe sind. Die Sanierung des Museums ist finanziell keineswegs in trockenen Tüchern. Wir haben noch viel im Stadtumbau zu tun, zum Beispiel rings um das gewünschte Pflegeheim an der Weberstraße. Es stehen jede Menge Gebäudeabrisse an. Im Kirnitzschtal wollen wir den Beuthenfall und die Haidemühle angehen. Für den Tourismus wird der Bike-Park ein Thema.

Ob dieser Bike-Park im Wald zwischen Sebnitz, Neustadt und Dolní Poustevna gebaut werden darf, ist noch nicht sicher. Wie ist der Stand? 

Wir haben im Dezember einen großen Workshop mit allen Beteiligten gehabt: die drei Städte, Landratsamt, Umweltbehörde, Sachsenforst, tschechischer Forst. Da haben wir die geplante Ausdehnung vorgestellt. Wir reden nicht von einem Projekt, das sich nur auf den Gerstenberg beschränkt. Es sind Verbindungen bis in den Sebnitzer Wald, in den Nationalpark und bis zum Valtenberg in Richtung Neukirch angedacht, dazu Wege auf tschechischer Seite in Richtung Tanzplan.

Damit wäre der Bike-Park deutlich größer als die bisher kommunizierten drei Strecken rings um den Gerstenberg.

Wir reden über ein Wegenetz, das im Optimalfall 150 Kilometer umfassen könnte. Zum Vergleich: Die Anlage in Nové Mĕsto pod Smrkem hat aktuell 80 Kilometer. Das ist das, was man heutzutage bieten muss, um die Leute herzulocken. Das E-Mountainbike erschließt hier ganz neue Möglichkeiten. Die Leute können viel weitere Strecken zurücklegen. Nicht mehr die eigene Muskelkraft setzt die Grenze, sondern der Akku. Diesem Trend muss man Rechnung tragen – wenn man es richtig machen will.

Und Sie wollen es richtig machen.

Entweder können wir uns mit der Umweltbehörde und der Forstverwaltung darauf verständigen, dass wir eine große Anlage bauen oder wir bauen keine. Eine halbherzige Sache macht keinen Sinn, weil der Bike-Park dann nicht erfolgreich betrieben werden kann.

Was sind die nächsten Schritte?

Wir stehen noch am Anfang. Es wird weitere Workshops geben. Im Februar werden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie im Stadtrat vorgestellt. Inklusive Baukosten und erwarteter Wertschöpfung.

Mountainbiker als neue Tourismus-Zielgruppe in Sebnitz?

Generell in der Region. Es gibt den Elberadweg, der prima funktioniert. Aber für Mountainbiker haben wir bisher in der gesamten Sächsischen Schweiz kein Angebot.

Was wesentlich mit dem Nationalpark zusammenhängt. Dort ist das Radfahren aus Naturschutzgründen streng reglementiert.

Das ist auch richtig so. Gerade deshalb haben wir uns Flächen abseits des Nationalparks ausgesucht. Auf denen wollen wir Mountainbike-Trails neu anlegen. Das bringt auch eine Entlastung für den Nationalpark. Wenn man diese Entlastung will, muss man anderswo Flächen freigeben. Wir wollen eine aktive Klientel ansprechen, die es bisher in der gesamten Sächsischen Schweiz noch nicht gibt und die auch in der Nebensaison herkommt. Damit erschließen wir neue und zahlungskräftige Zielgruppen. Wer mit einem Rad unterwegs ist, das 3.000, 4.000 oder 5.000 Euro kostet, der ist auch sonst ein interessanter Kunde.

Stichwort Tourismus: Sebnitz hat seit drei Monaten keinen Tourismuschef mehr. Wann wird die Stelle neu besetzt?

Die Stelle ist ausgeschrieben, wir haben Bewerber. Kommende Woche laufen die Bewerbungsgespräche. Ich denke, dass wir Ende Januar einen neuen Tourismuschef präsentieren können.

Sie haben das Kirnitzschtal angesprochen. Vor der Kommunalwahl im Mai hat die Stadt Sebnitz angekündigt, die Brachen Beuthenfall und Haidemühle zu kaufen. Wann passiert das?

Wir haben seitens des Maklers den Zuschlag für beide Areale. Wir warten nur noch auf den Notartermin. Wenn das über die Bühne ist, halten wir alle Trumpfkarten für die Entwicklung des Kirnitzschtals in der Hand.

Wie soll diese Entwicklung aussehen?

Bisher wollten wir an der Haidemühle renaturieren. Doch schon während der Verkaufsphase haben andere Interessenten mit uns Kontakt aufgenommen und ihre Ideen geäußert. Das reicht von der Mineralienausstellung bis hin zum naturnahen Campingplatz. Jetzt werden wir uns zusammen mit der Nationalparkverwaltung diese Ideen noch mal anhören und bewerten, ob sie mit dem Nationalparkgedanken und den touristischen Zielen vereinbar sind. Vielleicht findet sich auf diesem Weg ja eine Ausweichmöglichkeit fürs Boofen.

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrzehnts. Was ist ihre Vision für Sebnitz 2030?

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Die Stadt wird im Jahr 2030 prosperieren. Im Tourismus werden wir über 250.000 Übernachtungen pro Jahr haben. Sebnitz wird das Mountainbike-Zentrum in Ostsachsen sein. Neben den bisherigen Touristen ist die Stadt dann für neue, jüngere Gruppen interessant. Davon profitiert der Einzelhandel, in der Innenstadt werden keine Geschäfte mehr leer stehen. Das neue Pflegeheim wird in Betrieb sein und für die Jüngeren Arbeitsplätze bieten. Und wir werden es mit Neustadt zusammen geschafft haben, die Kriechspur über den Unger doch noch zu bekommen.

Das Gespräch führte Dirk Schulze.

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