merken
PLUS Sport

Sachsens bester Biathlet ist schneller als die Weltmeister

Der Altenberger Justus Strelow läuft gegen die deutsche Prominenz - und trotzdem nur in der zweiten Liga. Im nächsten Winter will er aufsteigen.

Justus Strelow konnte sich in diesem Winter in der zweiten Biathlon-Liga etablieren.
Justus Strelow konnte sich in diesem Winter in der zweiten Biathlon-Liga etablieren. © Eibner-Pressefoto

Simon Schempp hat er geschlagen in diesem zu Ende gehenden Winter. Erik Lesser ebenfalls.  Wer das als deutscher Biathlet schafft, müsste eigentlich einem Millionenpublikum bekannt sein. Bei Justus Strelow ist das anders. Er startet in der zweiten Liga der Biathleten, dem IBU-Cup. 

Dorthin wurden die beiden bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen reich dekorierten Schempp und Lesser wegen Formschwäche zeitweise versetzt. Jeweils einmal war  Strelow besser als sie. "Sonst lagen aber immer sie vorn", sagt der 23-Jährige und grinst.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Grund sich zu freuen, hat er reichlich. Die Saison, die für ihn am vergangenen Sonntag im weißrussischen Minsk zu Ende ging, war ein Erfolg. Der aus Hermsdorf im Osterzgebirge stammenden Sachse konnte sich in seinem dritten Jahr bei den Männern im IBU-Cup, der früher mal Europacup hieß, etablieren, verpasste lediglich fünf Rennen. Einmal war er erkältet, und ganz zu Beginn fehlte Strelow, weil er sich erst für das Team qualifizieren musste. Danach verteidigte er seinen Platz erfolgreich, landete im Gesamtklassement als drittbester deutscher Biathlet auf Platz 14.

Die erste EM-Medaille: "absolute Krönung"

"Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, wäre ich absolut zufrieden gewesen", erzählt er. "Jetzt im Rückblick sage ich: Ein Stück besser wäre es schon noch gegangen." Vor allem mit den Einzelrennen bei der EM in Minsk hadert er. Dort verschenkte er am Schießstand bessere Ergebnisse. Eigentlich ist das seine große Stärke. "Wenn man die ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt nicht ausspielen kann, ist es schon ärgerlich."

Dafür lief es in der Single-Mixed-Staffel an der Seite der aus Bayern stammenden Stefanie Scherer, die am Wochenende im finnischen Kontiolahti ihr Weltcup-Debüt feiert, umso besser. Im Zielsprint überholte Strelow den Ukrainer und sicherte dem Duo damit Silber. Es ist seine erste internationale Medaille bei den Männern und allein deshalb "die absolute Krönung".    

Sechs Mal schaffte er es unter die Top 10, aber nie aufs Podium. Das lag meist nicht am Schießen, aber fast immer am Laufen. "Da bin ich kein Talent, war es noch nie", gesteht er. "Aber ich konnte bei den Laufzeiten den Rückstand  zu den anderen wieder verkürzen. Solange ich mich da kontinuierlich steigere, ist alles okay. Sollte ich irgendwann mal stagnieren,  wäre es schön, wenn ich bereits im Weltcup unterwegs bin." Das ist das große Ziel. 

Dann würde er nicht nur regelmäßig gegen Schempp und Lesser antreten, sondern wäre auf der großen Bühne angekommen. Im nächsten Winter soll es soweit sein, zumindest sporadisch. Wie schnell es gehen kann, zeigt der Fall Lesser. Der 31-jährige Thüringer wurde nach seinen Einsätzen im IBU-Cup trotz fehlender Norm für die WM in Antholz nominiert und gewann dort zwei Medaillen. "Da habe ich gesehen, dass der Abstand gar nicht so groß ist." Oder aufholbar. 

Bei den deutschen Meisterschaften war Justus Strelow (l.) bei der Siegerehrung auch schon auf Augenhöhe mit Arnd Peiffer. 
Bei den deutschen Meisterschaften war Justus Strelow (l.) bei der Siegerehrung auch schon auf Augenhöhe mit Arnd Peiffer.  © Matthias Rietschel

Mit 23 zählt Strelow nicht zu den Jüngsten, aber noch zu den Jüngeren im Starterfeld. Das klingt komisch, schließlich waren Magdalena Neuner (24) und Laura Dahlmeier (25) kaum älter, als sie ihre so erfolgreichen Karrieren bereits beendeten. Doch die Männer brauchen im Schnitt einen etwas längeren Anlauf, bis sie ihren Leistungszenit erreichen.  

Schafft der für Stahl Schmiedeberg startende und seit 2016 in Oberhof trainierende Strelow tatsächlich den Sprung zu den Besten, wäre er der erste sächsische Weltcup-Starter seit Michael Rösch. Der bestritt seinen letzten Einsatz in der obersten Liga vor seinem Wechsel nach Belgien im Februar 2012. 

Weiterführende Artikel

Endlich ein Sachse im Biathlon-Weltcup

Endlich ein Sachse im Biathlon-Weltcup

Lange hat es gedauert. Mit Justus Strelow ist wieder ein Skijäger aus dem Erzgebirge in der höchsten Liga unterwegs. Der letzte war Michael Rösch vor neun Jahren.

Sachsens bester Biathlet verpasst Weltcup

Sachsens bester Biathlet verpasst Weltcup

Justus Strehlow hätte im Winter gegen die besten Skijäger laufen können. Doch nun muss der 22-Jährige erst mal in der 3. Liga starten.

„Ich bin mein größter Kritiker“

„Ich bin mein größter Kritiker“

Biathlet Justus Strelow verpasst in Altenberg das EM-Ticket. Weitere sächsische Talente glänzen beim Deutschlandpokal.

Vielleicht geht alles auch viel schneller. Beim Weltcup-Saisonfinale nächste Woche in Oslo, dessen Austragung wegen des Coronavirus allerdings gefährdet ist, hat das deutsche Männerteam einen zusätzlichen Startplatz. Den bekommt im Normalfall der Beste im IBU-Cup - und nicht der Drittbeste. Doch bei Krankheitsfällen könnte es Nachrücker geben. "Bundestrainer Mark Kirchner hat mir per Whatsapp zu meiner erfolgreichen Saison gratuliert", erzählt Strelow. "Deshalb gehe ich mal davon aus, dass ich nicht für Oslo vorgesehen bin." Falls doch: Er stünde bereit, in den Urlaub verreist er erst später.    

Mehr zum Thema Sport