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Kauft Adelsfamilie das Seußlitzer Schloss?

Nach der Insolvenz von Stephan Braunfels sind die ehemaligen Schlossherrn Derer von Bünau als mögliche Käufer im Gespräch. Haben sie überhaupt Interesse?

Schloss Seußlitz ist für das Elbweindorf Wahrzeichen und touristischer Anziehungsort zugleich.
Schloss Seußlitz ist für das Elbweindorf Wahrzeichen und touristischer Anziehungsort zugleich. © Jörg Richter

Diesbar-Seußlitz. Dass Diesbar-Seußlitz überhaupt ein Schloss besitzt und nicht nur ein einfaches Rittergut, ist dem ehemaligen sächsischen Kanzler Heinrich Graf von Bünau (1665-1745) zu verdanken. Er kaufte das ehemalige Kloster 1722 und ließ es vom Erbauer der Dresdner Frauenkirche, George Bähr, in ein Barockschloss verwandeln. Bis 1799 blieb das Anwesen Familienbesitz. 221 Jahre später wird es wieder mit dem ehemaligen sächsisch-böhmischen Adelsgeschlecht Derer von Bünau in Verbindung gebracht. 

Der Grund: Gegen den aktuellen Schlossbesitzer Stephan Braunfels hat das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das Seußlitzer Barockschloss gehört zur Insolvenzmasse und soll veräußert werden. Die Gemeinde Nünchritz und viele Diesbar-Seußlitzer hoffen, dass die Familie von Bünau, die sich schon einmal um das Schloss bemühte, es kauft oder sich an einer möglichen Versteigerung beteiligt.

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Doch vom Senior der Familie, der namentlich nicht genannt werden möchte, erfährt die SZ, dass es derzeit keinerlei Interesse für einen Kauf des Seußlitzer Schlosses gibt. "Da fehlt uns das nötige Kleingeld", sagt er. "Wir sind alle ganz normale Angestellte. Woher sollen wir das Geld nehmen?" 

"Leerstehende Hotels gibt es schon genug"

Der Senior will allerdings nicht ausschließen, dass es innerhalb der Familie durchaus Leute gibt, die einem Kauf nicht abgeneigt wären. Genaueres sei ihm nicht bekannt. Von derartigen Plänen halte er aber persönlich nichts. Da sei er viel zu sehr Realist. Vor allem, wenn es kein umsetzbares Konzept für das Schloss gibt. "Denn leerstehende Hotels gibt es schon genug", sagt das Familienoberhaupt der von Bünaus.

Auch Stephan Braunfels, den der Senior als Architekten und Kunstliebhaber sehr schätzt, wollte aus Schloss Seußlitz ein Hotel machen. Trotz seiner vielen Kontakte gelang es ihm aber nicht, Interessenten zu finden. Das Anwesen, das er im Juli 2000 bei einer Auktion in Leipzig ersteigerte, schläft seitdem einen Dornröschenschlaf. Immerhin muss man Braunfels zugute halten, dass er den Schlosspark für die Allgemeinheit offen ließ. Andererseits kassierte er auch jedes Jahr einen Zuschuss der Gemeinde Nünchritz, damit er den Schlosspark nicht schließt. 

Geht es nach Heinrich von Bünau, dann wird Dornröschen in Seußlitz bald wach geküsst. Dem Meißner Architekten schwebt eine gemeinsame Familienresidenz vor. Er habe innerhalb der Familie schon mehrere Mitstreiter gefunden, die von der Idee eines Wohn- und Alterssitzes nicht abgeneigt waren.  

Auch Rudolf von Bünau aus Dessau-Roßlau gehört zu den Familienmitgliedern, die Schloss Seußlitz noch nicht abgeschrieben haben. Er war es, der im Sommer 2000 mehrere Verwandte um sich scharen konnte, um der damals eigenständigen und hoch verschuldeten Gemeinde Diesbar-Seußlitz ein Kaufangebot von 400.000 DM (rund 205.000 Euro) zu unterbreiten. Doch da war die Versteigerung, die Braunfels gewann, schon beschlossene Sache.   

Steigt der Freistaat Sachsen ein?

Rudolf von Bünau hat ein Konzept in der Tasche, bei dem der Freistaat Sachsen involviert sei. Genaueres wolle er aber noch nicht preisgeben, um das Projekt nicht zu gefährden. Zudem sieht er sich an die Vorgaben der Familie gebunden und bittet um Diskretion.  

Für den Senior der Familie von Bünau, der in Nordrhein-Westfalen wohnt, sei ein Engagement des Freistaates Sachsen die Vorzugsvariante, um das Schloss für die Allgemeinheit zu erhalten. "Wir sind zum Beispiel dankbar, dass das Schloss Weesenstein dem sächsischen Finanzministerium gehört und nicht uns", sagt er. Weesenstein hat für das ehemalige Adelsgeschlecht eine  größere Bedeutung, residierte es doch von 1406 bis 1772 dort. Also sehr viel länger als in Seußlitz.  

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"Ich würde mich sehr freuen, wenn der sächsische Finanzminister auch das Seußlitzer Schloss und den Park als so erhaltenswert betrachtet, um es in die Schlösser-Verwaltung aufzunehmen", sagt das Familienoberhaupt. 

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