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Diplomat fuhr Pillen durch halb Europa

Zwei Mongolen sollen Tausende Beruhigungstabletten nach Deutschland geschafft haben. Wussten sie gar nichts von der Fracht? 

Orgil Erdenebaatar (2.v.r.) war der Fahrer eines mongolischen Diplomaten. Beide stehen jetzt wegen Drogenhandels vor Gericht.
Orgil Erdenebaatar (2.v.r.) war der Fahrer eines mongolischen Diplomaten. Beide stehen jetzt wegen Drogenhandels vor Gericht. © Sven Ellger

Wer Lorazepam vom Arzt verschrieben bekommt, leidet unter Panikattacken, Schlafstörungen oder epileptischen Anfällen. Harmlos ist der Wirkstoff jedenfalls nicht. Umso erstaunter waren Polizisten, als sie im Dezember letzten Jahres 150 000 Pillen mit der Substanz entdeckten – versteckt in kleinen Paketen, die wiederum in einem Auto auf dem Weg nach Dresden gebunkert waren.

In dem Mercedes Benz saßen Munkhbat T. und sein Fahrer Orgil E. Den beiden Mongolen wirft die Staatsanwaltschaft nicht nur vor, unerlaubt Betäubungsmittel in großer Menge eingeführt zu haben. Darüber hinaus war der Schein des vermeintlichen Diplomaten-Fahrzeugs gefälscht, heißt es in der Anklage. Auch gültige Einreisepapiere sollen die Männer nicht dabei gehabt haben.

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Reden wollte am Dresdner Landgericht nur Munkhbat T., der tatsächlich einen Diplomaten-Ausweis besitzt. Von einem mongolischen Konsulat in Russland knüpfe er überall in Europa Handelsbeziehungen, sagt der 53-Jährige am Donnerstag. An jenem Dezembertag, kurz vor Weihnachten, sei er für sein Land auf dem Weg von Budapest nach Berlin gewesen. Dort habe er ein Unternehmen besuchen wollen, das Abfüllanlagen für Getränke herstellt.

An einer Budapester Tankstelle habe T. den Mercedes von einem guten Bekannten geliehen bekommen. „In der Mongolei ist das ganz üblich. Man fragt, der andere gibt“, erklärt der Handelsattaché die mongolischen Gepflogenheiten unter Freunden. Hinter den vorderen Sitzen seien ihm gleich drei Päckchen aufgefallen. „Ich fragte, für wen die bestimmt sind.“ Sein Bekannter habe daraufhin geantwortet, T. solle sich melden, wenn er in Berlin angekommen ist. Jemand werde vorbeikommen und die Päckchen abholen. Was sich in den Kartons befindet, habe er aber nicht wissen wollen. Und in Ungarn, der Slowakei und Tschechien habe es mit dem Extra-Gepäck auch keinerlei Probleme gegeben.

Erst die deutsche Bundespolizei wird auf den Wagen aufmerksam, als dieser die Grenze bei Geising passiert. Auf dem Rastplatz Heidenholz kontrollieren die Beamten das Fahrzeug, wollen zunächst nur die Papiere sehen. Dass der Fahrer kein gültiges Visum besitzt, sei ihnen zuerst aufgefallen, sagt T. „Mir wurde gesagt, ich könnte alleine weiterfahren. Aber ich wollte meinen Freund nicht da lassen.“ Mit der Zeit bemerken die Polizisten offenbar, dass sowohl mit dem Mercedes, als auch dessen Inhalt etwas nicht stimmt. „Ich sollte ihnen die Autoschlüssel geben, dann bin ich verhaftet worden.“ Die Beamten finden später vier weitere Päckchen mit Tabletten unter dem Ersatzrad des Autos.

Seinen guten Bekannten in Ungarn erreicht T. in der dieser Nacht nicht mehr, sein Handy ist ausgeschaltet. Dafür nimmt ein Freund ab. „Er sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen. In den Päckchen würden sich nur Tabletten befinden, die in Ungarn hergestellt wurden. Ich dachte die ganze Zeit nur: Hoffentlich sind das keine Betäubungsmittel.“ Sein Fehler, sagt Munkhbat T. den Richtern, sei es gewesen, leichtgläubig seinem Bekannten vertraut zu haben.

Die beiden Angeklagten sitzen derzeit in den Gefängnissen in Dresden und Görlitz. Ihr Prozess hat am Donnerstag begonnen. Zwei weiteren Mongolen steht er noch bevor. Denn nicht nur Munkhbat T. und Orgil E. sollen unerlaubt Betäubungsmittel über die Grenze nach Deutschland gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen auch Anklage gegen zwei Männer wegen Heroinschmuggels erhoben. Am 3. Mai dieses Jahres seien sie mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen aus Tschechien über die A 17 nach Deutschland gekommen, heißt es von den Ermittlern. Bei einer Routinekontrolle hielten Zollbeamte das Fahrzeug in Höhe Bad Gottleuba an. Im Kofferraum fanden sie 70 Kilogramm des Rauschgiftes, verstaut in zwei Koffern. Die beiden Beschuldigten seien am Generalkonsulat der Mongolischen Volksrepublik in Istanbul beschäftigt gewesen, wobei einer der Beschuldigten einen gültigen Diplomatenpass bei sich gehabt haben soll. „Auf diplomatische Immunität konnten sich die Beschuldigten nicht berufen, da sie nicht in Deutschland akkreditiert und auch nicht in diplomatischer Mission unterwegs waren“, so die Staatsanwaltschaft weiter.

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Ob die Klage zugelassen wird und wann die Hauptverhandlung beginnt, muss nun das Dresdner Landgericht entscheiden. Die zwei Männer befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Der Lorazepam-Prozess wird schon bald fortgesetzt. Der nächste Verhandlungstermin ist für diesen Freitag angesetzt.

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