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Ein Junge erzählt vom Bergmannsleben

Die SZ testet mit Kindern die neue Führung zur Dippser Bergbaugeschichte. Dabei kann einiges schiefgehen.

Simon und Emilia haben sich an der Kasse des Miberz-Museums in Dippoldiswalde Tablets ausgeliehen. Damit ist Frieder zu erleben. Mit ihm haben sie einen gleichaltrigen Begleiter durch die Ausstellung. Sich mit ihm anzufreunden, ist aber nicht immer einfac
Simon und Emilia haben sich an der Kasse des Miberz-Museums in Dippoldiswalde Tablets ausgeliehen. Damit ist Frieder zu erleben. Mit ihm haben sie einen gleichaltrigen Begleiter durch die Ausstellung. Sich mit ihm anzufreunden, ist aber nicht immer einfac © Egbert Kamprath

Dippoldiswalde hat mit seinen Silberbergwerken die ältesten Bestandteile des Unesco-Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Diese hat das Museum für mittelalterlichen Bergbau (Miberz) im Dippser Schloss zum Welterbetag an Sonntag auch präsentiert – mit einer Premiere für die Jüngsten, der neuen Kinderführung. Es ist keine klassische Museumsführung, sondern eine App für das Handy mit Erklärungen, Videos und Bildern. Wie diese funktioniert, hat Sächsische.de zusammen mit der achtjährigen Emilia und dem neunjährigen Simon getestet.

Der Inhalt: Kindgerecht und interessant aufbereitet

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Die Kinderführung wird von einem Jungen namens Frieder gesprochen, der im Mittelalter vor über 800 Jahren mit seinem Vater aus dem Harz nach Dippoldiswalde gekommen ist. Im Erzgebirge sind neue Silberfunde bekannt geworden. Erfahrene Bergleute werden gesucht und haben gute Arbeitsmöglichkeiten. Das heißt aber dennoch harte und gefährliche Arbeit unter Tage. Auch Frieder muss schon als Kind mitarbeiten, Erz klein pochen und helfen, das reine Silber zu gewinnen. Frieder erzählt vom Leben in der Bergsiedlung Dippoldiswalde um das Jahr 1200, auch davon, wie er spielt und wie das Leben hier läuft.

Hier zeigt Frieder, der Begleiter für Kinder durch das Dippser Miberz-Museum eine Münze, die aus dem Silber geprägt wurde.
Hier zeigt Frieder, der Begleiter für Kinder durch das Dippser Miberz-Museum eine Münze, die aus dem Silber geprägt wurde. © Miberz/Screenshot: Franz Herz

Das finden die beiden Tester interessant. Sie wischen sich von Thema zu Thema und hören sich mit Spannung an, was ihnen Frieder aus der Zeit vor 800 Jahren erzählt. Manchmal sind sie auf ihrem Tablet schneller als geplant und müssen erst im Museum die zugehörige Vitrine suchen, zu der die Erklärung passt. Dass es oft ein weiter Schritt ist von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Archäologen, auf denen die ganze Ausstellung im Miberz beruht, bis zu einer kindgerechten Erzählung, bemerken sie kaum.

Die Technik: Anspruchsvoll und für Kinder zu hakelig

Um diesen Schritt zu erleichtern, ist die Kinderführung technisch anspruchsvoll gestaltet. Neben der Erzählung von Frieder werden auch Fotos eingeblendet, Videos und Animationen gezeigt. Aber hier stößt die Kinderführung auch an ihre Grenzen. Emilia und Simon haben Erfahrung mit Computer und Smartphones, aber die Kinderführung strapaziert ihre Geduld an einigen Stellen zu sehr. Wenn es zu lange dauert, bis ein Video beginnt, drücken und drücken sie wieder. Damit kommt dann das System nicht klar und mag gar nicht mehr. Offenbar liefert auch das Wlan im Museum die Daten manchmal zu langsam. Ohne die Hilfe von Erwachsenen kommen sie dann nicht mehr weiter. Als ein Video aus unklaren Gründen partout nicht starten will, verliert Emilia jeden Spaß an der Führung. Solchen Frust wollen Kinder nicht.

Meistens funktioniert es aber. Dann lassen Trickfilme beispielsweise das Leben im Mittelalter in Dippoldiswalde lebendig werden. Da lodern die Feuer vor den Grubenhäusern, kurbeln die Haspelknechte Eimer mit Erz ans Tageslicht oder klopfen die Hauer sich auf der Suche nach Silber immer weiter in den Fels.

Moderne Medientechnik macht das möglich. Sie ist aber noch nicht bis ins Letzte ausgereift. Es kann beispielsweise passieren, dass die Kinder zu weit wischen und versehentlich in die Führung für Erwachsene rutschen. Das muss besser abgesichert werden.

Fazit: Kinderkrankheiten erfordern noch Feinarbeit

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Gerade eine Technik für Kinder ist besonders anspruchsvoll. Sie muss eher darauf ausgelegt sein, Bedienungsfehler zu tolerieren als bei Erwachsenen. Insgesamt ist die neue Kinderführung eine gute Idee, um aus dem Computerzeitalter einen Blick in die ferne Welt des Mittelalters zu werfen. In dieser aufwendigen Form geht das Miberz hier neue Wege und lässt sich auf ein Wagnis ein. Nun müssen die Mediengestalter Erfahrungen sammeln und Feinarbeit leisten. Die Geschichte ist stimmig erzählt, aber die Bedienung funktioniert selbst mit der Hilfe Erwachsener nicht immer.

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