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Neustädter Gastronomen geben auf

Zwei Kult-Lokale sind geschlossen, für ein Bistro wird ein Nachfolger gesucht. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Von Sarah Herrmann
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Das Restaurant Max auf der Louisenstraße hat seit Kurzem geschlossen. Der Inhaber ist im Viertel aber nicht der einzige, der aufgibt.
Das Restaurant Max auf der Louisenstraße hat seit Kurzem geschlossen. Der Inhaber ist im Viertel aber nicht der einzige, der aufgibt. © Sven Ellger

18 Jahre lang gehörte das Max auf der Louisenstraße zur Neustädter Gastro-Szene. Doch nun ist plötzlich Schluss. "Bis auf weiteres bleibt das 'Max' geschlossen. Wie es weitergeht, wissen wir noch nicht", steht auf dem Aushang an der Eingangstür. Das stimmt allerdings nicht so ganz.

Es ist bereits ein Nachfolger gefunden, verrät Max-Inhaber Dirk Rathgeber. Es werden noch die letzten Details verhandelt. Deshalb will Rathgeber nicht konkreter werden. "Es wird aber sicher ein Restaurant. Das ist auch der Wunsch der Eigentümer der Immobilie", so der Gastronom. Er hat den Schlussstrich in der Neustadt nach eigenen Aussagen freiwillig gezogen, weil der Mietvertrag bald ausläuft. "Ich möchte mich auf mein Restaurant in der Altstadt konzentrieren", sagt der Unternehmer. Deshalb plane er zurzeit auch keinen neuen Standort, obwohl es attraktive Angebote gebe. Die Filiale auf der Wilsdruffer Straße bleibt aber weiterhin geöffnet. Dort seien auch alle Mitarbeiter aus der Neustadt untergekommen, sofern sie es so wollten. 

Wer schmiert jetzt die Stullen?

Das ständige Wechsel-Dich gehört quasi zur DNA der Neustädter Gastro-Szene. So ist es nicht verwunderlich, das sich nicht nur auf der Louisenstraße 65  die Türen geschlossen haben. Auf der Alaunstraße 80 verkündet lediglich ein Zettel am Eingang das Aus von Frank`s Bar. Weder auf der Homepage noch bei Facebook gibt es einen Hinweis. Die Bar ist seit 23 Jahren eine Institution in der Neustadt. Auf dem Aushang am Eingang ist nun von einer "Pause" die Rede. Gegenüber Tag24 räumte Besitzer Frank Ulbricht allerdings ein, dass für ihn endgültig Schluss sei, weil er sich komplett aus dem Nachtleben zurückziehen möchte. Es gebe aber vielversprechende Gespräche, dass die Bar unter dem gleichen Namen bald wiedereröffne. 

Das erhofft sich auch Luisa Klemm. Sie serviert zwar erst seit 2015 raffiniert belegte Brote in ihrem Stullenbüro. Doch mit dem kleinen Bistro auf der Görlitzer Straße hat sie sich im Viertel schnell einen Namen gemacht. Sie räumte mit ihrem Konzept sogar den Gründerinnen-Preis ab und landete später als eine von zehn deutschen "Vegan-Queens" im gleichnamigen Kochbuch der Berlinerin Sophia Hoffmann. Da verziehen ihr die Dresdner auch, dass Klemm kein Bemmen-, sondern ein Stullenbüro eröffnete - als Hommage an die Heimat Berlin.

Doch nun soll Schluss sein. Klemm bietet ihr Lokal samt Einrichtung sowie den Catering-Betrieb bei ebay Kleinanzeigen an. Interessenten müssten dafür rund 4.000 Euro Ablöse bezahlen. Klemm muss aus persönlichen Gründen die Reißleine ziehen. "Ich habe lange gerungen mit der Entscheidung, hab aber jetzt nach meinem Jahr Elternzeit gemerkt, dass ich das alles nicht mehr mit der Energie stemmen kann, wie ich es gern machen würde und wie es der Laden auch verdient hätte", sagt sie gegenüber der SZ. "Außerdem hatte ich das Gefühl des Ungleichgewichts. Ich hab viel gegeben aber nicht entsprechenden genug bekommen. Und das frustrierte auf Dauer." Deswegen habe sie sich entschlossen, das Projekt in andere Hände zu geben.

Hinter der Idee steht sie aber nach wie vor. Deswegen wünscht sie sich einen Nachfolger, der das bewährte Konzept übernimmt. "Es gibt tatsächlich einige Interessenten. Im Gespräch bin ich im Moment mit zwei Personen", verrät Klemm. Drängen lässt sie sich dabei aber nicht. "Ich mache solange weiter, bis sich jemand findet, der passt."

Dass Nachfolger über das Internet gesucht werden, die ein altbekanntes Konzept weiterleben lassen, ist nicht neu. Auch in der Dresdner Neustadt ist das bereits an anderer Stelle gelungen.

Name bleibt, Stammkunden auch

Vor wenigen Monaten musste auch Katja Brückner ihren Kafétraum aufgeben. Das gleichnamige Café auf der Königsbrücker Straße lief gut, aber Brückner zog es aus persönlichen Gründen in eine andere Stadt. Das Ende des Bistros hinnehmen, konnte aber auch die Dresdnerin nicht und suchte über Facebook nach einem Nachfolger, der das Café möglichst mit dem gleichen Konzept und genauso viel Herzblut weiterführt. In Josefine Binye hat sie einen solchen gefunden.

Die junge Frau hat das Café ab Dezember übernommen. "Bei uns lief es über Stammgäste und viel Zufall", beschreibt sie den Wechsel. Binye ist Quereinsteigerin. Dementsprechend sei es am Anfang viel Arbeit gewesen, alles zu organisieren und sich in die Abläufe einzufinden. Weil sie dem Konzept ihrer Vorgängerin aber treu geblieben ist, konnte sie die Stammgäste behalten. Dies habe ihr den Rücken gestärkt und dafür gesorgt, dass nun - rund zwei Monate später - alles eingespielt sei und gut laufe.

Auch das vegane Bistro v-cake auf der Rothenburger Straße hat so neue Besitzer gefunden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Name und Konzept bleiben, viele Stammkunden damit auch.

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