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Wie ein Ex-Dresdner mit der alten Liebe flirtet

Der Leichtathlet Georg Fleischhauer sieht seine Zukunft bei den Bobfahrern. Trotzdem sprintet er wieder über die Hürden – und ist so schnell wie nie. Seine Erklärung.

Gelernt ist gelernt: Georg Fleischhauer (r.) holte bei der deutschen Meisterschaft Bronze – in persönlicher Bestzeit.
Gelernt ist gelernt: Georg Fleischhauer (r.) holte bei der deutschen Meisterschaft Bronze – in persönlicher Bestzeit. © Wolfgang Birkenstock

Dresden. Das ist ein Ding. Georg Fleischhauer lässt aufhorchen. Schon sein dritter Platz über die 110 Meter Hürden bei der Meisterschaft der deutschen Leichtathleten ist aller Ehren wert, noch viel beeindruckender aber seine Zeit: Mit 13,86 Sekunden war der 31-Jährige so schnell wie noch nie, was deshalb bemerkenswert ist, weil er die Disziplin eigentlich nicht mehr betreibt. Denn Fleischhauer ist umgestiegen, gilt bereits als Ergänzungskader im Bobsport – ein Wintersportler also, ganz dicht dran an der Spitze.

„Beide Sportarten vereinen im Training schon ähnliche Inhalte“, meint der Athlet, der den Dresdner SC 2015 in Richtung Frankfurt/Main verlassen hatte. Lediglich sechs Wochen hat er vor den Titelkämpfen wieder speziell für die Hürdenstrecke trainiert. „Und wir haben sehr an der Schnelligkeit gearbeitet, um die wieder auf Vordermann zu bringen.“ Damit meint er sich und seinen Trainer Falk Balzer. Beim Enfant terrible des deutschen Hürdensprints in Chemnitz trainiert der frühere Meister über 400 Meter Hürden bereits seit 2018.

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„Die Technik wird jetzt wieder besser, und wir haben gemerkt: Ich bin gar nicht so langsam. Die kurze Hürdenstrecke war ja meine eigentliche Liebe“, erklärt Fleischhauer, auch wenn er auf der Stadionrunde über die Hürden erfolgreicher war. Der WM-Halbfinalist von 2011 und EM-Sechste von 2012 konnte jedoch nach seinem Wechsel von Dresden nach Frankfurt nie an sein Leistungsniveau anknüpfen.

Warum es in Frankfurt am Main nicht passte

Warum das so war, sei schwierig zu sagen. „Es hat nicht gepasst von den Inhalten. Ich bin ein spezieller Typ im Langsprint“, meint Fleischhauer. Erika Falz, seine Trainerin beim DSC, kannte er von klein auf – und sie ihn. „Sie konnte gut einschätzen, was sie mit mir trainieren muss, um auf der Stadionrunde erfolgreich zu sein – oder was mich eben schnell müde macht. In Frankfurt hat es nicht ganz gepasst, weil wir meiner Meinung nach zu viel im 400-Meter-Bereich gearbeitet haben. Mir ging die Spritzigkeit, die Schnelligkeit verloren.“ Das Trainingssystem habe in der Phase nicht richtig auf ihn gepasst.

Hinzu kamen weitere Veränderungen. „Ich musste mir ja auch einen Job suchen, habe alles umgestellt. An sich habe ich mich in Frankfurt wohlgefühlt“, betont er, „aber sportlich waren die letzten vier Jahre teilweise ernüchternd.“ Auch dieses Kapitel ist abgeschlossen, wenngleich Fleischhauer als Leichtathlet weiter für die LG Eintracht Frankfurt startet.

Inzwischen arbeitet der 1,95 Meter große Athlet als Berater bei Pricewaterhousecoopers (PwC), einem globalen Netzwerk von Unternehmen für Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung. Fleischhauer besetzt eine Teilzeitstelle in Berlin, bei der er viel aus dem Homeoffice erledigen kann. „Ich kann meine 20 Stunden flexibel gestalten. Sonst würde das mit dem Sport auch nicht funktionieren.“

Sein wichtigster Auftritt

Denn Fleischhauer pendelt nun zwischen Berlin, Chemnitz, Dresden und Riesa. In der ehemaligen Sportstadt ist gewissermaßen das neue Zentrum seiner sportlichen Aktivitäten. Auf der Bobanschub-Strecke in Riesa will sich der eigentlich schon ehemalige Leichtathlet unter Anleitung von Bobfuchs Gerd Leopold den letzten Schliff für seinen wichtigsten Auftritt in diesem Jahr holen.

Beim zentralen Leistungstest der deutschen Bob-Anschieber am 19. September in Oberhof muss der Schlitten-Novize liefern – dann für den sächsischen Bobklub BSC Oberbärenburg. „Da gilt es, sich zu positionieren. Nur wer dort etwas zeigt, wird im Winter die Weltcupsaison fahren. Dieser Tag entscheidet über die ganze Saison. Das ist schon unglaublich hart“, sagt Fleischhauer. Er will sich deshalb unter den besten fünf deutschen Anschiebern positionieren – ein schweres Unterfangen. Die deutschen Kraftpakete zählen – auch quantitativ – zu den besten der Welt. Eigentlich hatte Fleischhauer vor, sich für das Team des Dresdners Nico Walther zu empfehlen und sich für Olympia 2022 in Stellung zu bringen. Der 30-jährige Pilot, Olympia-Silbermedaillengewinner von 2018, verkündete aber im März sein Karriereende.

Trotz dieser Unwägbarkeiten und der überraschenden Bestzeit im Hürdensprint möchte Fleischhauer bei seinem eingeschlagenen Weg bleiben. „Falsch war der Wechsel zum Bob auf keinen Fall. Aber er hat mir ermöglicht, im Sprintbereich noch mal zu arbeiten und zu merken, dass man selbst im Alter noch schneller werden kann“, sagt er. „Ich will im Bob definitiv weitermachen. Das andere ist eine sehr gute Ergänzung.“

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Allerdings eine, die ihm nach wie vor enormen Spaß bereitet. „Aber auch, um zu zeigen, was möglich ist – wenn der Trainer weiß, wie man mich schnell macht“, meint er doch mit einem Seitenhieb auf die Zeit in Frankfurt. Nun will der in Halberstadt geborene Athlet den Bob schnell machen.

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