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Kreis Bautzen: Das sind die Hochburgen und Kellerbezirke

Die AfD erreicht in Puschwitz ihren Spitzenwert, die CDU in Räckelwitz. Briefwähler, taktisches Wählen und Kleinstparteien - Fakten zum Wahlergebnis.

Die FDP holte ihr stärkstes Zweitstimmen-Ergebnis in der Gemeinde Steina, die SPD in Hoyerswerda.
Die FDP holte ihr stärkstes Zweitstimmen-Ergebnis in der Gemeinde Steina, die SPD in Hoyerswerda. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das war ein Tiefschlag-Ergebnis für die CDU im Wahlkreis Bautzen I: Wie schon 2017 verlor die Partei das Direktmandat an die AfD. Auch bei den Zweitstimmen bleibt der Kreis AfD-Hochburg. Vielerorts fiel die CDU sogar hinter die SPD zurück. Ein Überblick.

Die Hochburgen und Kellerbezirke der Parteien

AfD: Einen regionalen Schwerpunkt gab es für die AfD im Kreis Bautzen nicht. Ihre stärksten Ergebnisse fuhr die Partei direkt neben jenen Orten ein, in denen sie ihre schwächsten Ergebnisse erzielte. Mit 42,5 Prozent der Zweitstimmen bekam die AfD in der Gemeinde Puschwitz ihr stärkstes Ergebnis, in Lichtenberg mit 41,8 ihr zweitstärkstes.

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Verhältnismäßig schwach blieb die Partei in den sorbischen Gemeinden. Ihr schwächstes Ergebnis fuhr sie in Crostwitz ein – also direkt neben Puschwitz, wo sie ihr stärkstes Resultat erreichte.

CDU: Die CDU holte – wie auch bei der Landtagswahl 2019 - die meisten Stimmen in den sorbischen Gemeinden. Ihr bestes Zweitstimmen-Ergebnis fuhr sie in Crostwitz mit 40,1 Prozent ein. In Ralbitz-Rosenthal holte die Partei 34,9 Prozent. Ihr schwächstes Ergebnis erzielte sie mit 14,9 Prozent in Neukirch bei Königsbrück.

SPD: Das Ergebnis der SPD im Kreis ist überall zweistellig. In einigen Orten liegt sie sogar vor der CDU. Besonders stark ist ihr Ergebnis in Hoyerswerda. Hier landete sie bei den Zweitstimmen nur ganz knapp hinter der AfD; fuhr 24,7 Prozent ein. Die CDU erreichte hier nur 17,3 Prozent. Am schwächsten war die SPD mit 10,4 Prozent der Zweitstimmen in Weißenberg.

Linke, Grüne und FDP: Ihr stärkstes Zweitstimmenergebnis verzeichneten die Linken im Kreis Bautzen in Hoyerswerda mit 10,9 Prozent. In Bautzen landeten sie bei neun Prozent. Die Grünen holten in Panschwitz-Kuckau die meisten Zweitstimmen, landeten dort bei sechs Prozent. Auffällig: Die Grünen konnten in den Städten etwas mehr punkten als auf dem Land, fuhren in Bautzen 5,8 Prozent ein und lagen auch in Kamenz und Bischofswerda über vier Prozent. Die FDP holte in Steina mit 15,9 Prozent ihr stärkstes Zweitstimmenergebnis.

Wie die Kleinstparteien abschnitten

9,8 Prozent – so viele Zweitstimmen erhielten im Wahlkreis Bautzen I die „sonstigen Parteien“. Das höchste Ergebnis fuhren dabei die Freien Wähler mit 2,6 Prozent ein. In Laußnitz holten sie sogar 4,7 Prozent – mehr als die Grünen. Bei den Erststimmen konnten die Freien Wähler vor allem in Hoyerswerda punkten; der Stadt, aus der ihr Direktkandidat Dirk Nasdala kommt.

Auch die Tierschutzpartei bekam im Wahlkreis Bautzen I einige Stimmen, landete bei 1,9 Prozent. Die corona-kritische Partei „die Basis“ erzielte 1,5 Prozent – mit einem Ausnahmeergebnis bei den Erststimmen in Nebelschütz: Hier bekam die Direktkandidatin 3,6 Prozent. Die Satirepartei „Die Partei“ holte 1,3 Prozent der Stimmen - und punktete vor allem in den Gemeinden Frankenthal und Großnaundorf.

Wie taktisch die Bautzener wählten

Soviel ist sicher: Der Kreis Bautzen hat taktisch gewählt. Viele Wähler gaben ihre Erststimme dem Direktkandidaten der CDU, um den AfD-Kandidaten zu verhindern – obwohl sie eigentlich eine andere Partei unterstützen. Das zeigen die Zahlen ganz deutlich. Während die CDU nur 18,6 Prozent der Zweitstimmen holte, erreichte sie 26 Prozent der Direktstimmen. In ausnahmslos jeder Gemeinde im Wahlkreis lag das Erststimmen-Ergebnis für Roland Ermer höher als der Zweitstimmen-Anteil für die CDU, und zwar deutlich. In zwei Gemeinden landete Roland Ermer sogar auf Platz eins, obwohl bei den Zweitstimmen die AfD vorne lag: in Elsterheide und Bernsdorf.

Von welchen Parteien kamen die taktischen Wähler? Am Beispiel von Elsterheide lässt sich das ganz gut zeigen. So sammelte die SPD dort rund fünfeinhalb Prozentpunkte mehr Zweit- als Erststimmen, ähnlich die FDP. Aber auch die Grünen, die Linken und Kleinstparteien büßten dort im Vergleich zu den Zweit- einige Erststimmen ein.

So haben die Briefwähler gewählt

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Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde am 29. September um 17.25 Uhr geändert. Die Gemeinde mit den meisten Zweitstimmen für die CDU ist nicht Räckelwitz, sondern Crostwitz.

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