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Politik

Mission Lifeline kreuzt vor Westafrika

Mit einem neuen Schiff sucht Mission Lifeline Schiffbrüchige im Atlantik nahe den Kanaren.

Vor Westafrika sucht Mission Lifeline nach Schiffbrüchigen und alarmiert dann die Behörden.
Vor Westafrika sucht Mission Lifeline nach Schiffbrüchigen und alarmiert dann die Behörden. © Janis Brod

Über 18.000 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bis November auf den kanarischen Inseln angekommen. Der Dresdner Seenotrettungsverein Mission Lifeline ist mit einer neuen Mission in dem Gebiet präsent und hat gerade eine 14-tägige Suchexkursion beendet, sagt Sprecher Axel Steier.

Eine sechsköpfige Besatzung kreuzte mit einem Katamaran in mehreren drei Tage dauernden Recherchefahrten im 30-Seemeilenbereich vor den Inseln Teneriffa und Gran Canaria. Dabei seien keine Schiffbrüchigen entdeckt worden. Dort seien vor allem Boote mit Migranten unterwegs, die an den Stränden Mauretaniens, des Senegals und des von Marokko besetzten Landes Westsahara starten.

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Auf den Kanaren landen ebenfalls Boote aus Marokko und Guinea. René Stein hat die jüngste Lifeline-Mission geleitet, ein erfahrener Kapitän, der bereits für andere Seenotrettungsorganisationen unterwegs gewesen ist.

Boote billig zusammengezimmert

Aus eigenen Kräften erreichten elf Menschen am Sonntag mit einem Boot die Küste Lanzarotes und wurden von den spanischen Behörden versorgt. Inzwischen sei die Lifeline-Besatzung zurück in Deutschland.

Mission Lifeline plane bereits die nächste Mission in dem Gebiet, so Steier weiter. Die Route zwischen der westafrikanischen Küste gilt als sehr gefährlich und schwer zu navigieren. Die Fischerboote seien einfach und billig aus Holz zusammengezimmert, meist zwischen sieben und 15 Meter lang, nicht jedes starte mit einem Außenbordmotor, manche nutzen auch nur die Strömung, sagt Axel Steier. Manche Flüchtlingsboote verfehlten die zu Spanien gehörenden Inseln und treiben aufs offene Meer hinaus.

Kapitä René Stein (l.) ist ein erfahrener Seenotretter und leitete die erste Atlantik-Mission vor Westafrika.
Kapitä René Stein (l.) ist ein erfahrener Seenotretter und leitete die erste Atlantik-Mission vor Westafrika. © Janis Brod

Der Dresdner Verein wolle die Seenotrettung vor Ort unterstützen, etwa die staatlich organisierte Gesellschaft für Seerettung und -sicherheit und das Spanische Rote Kreuz so Steier. Man suche das riesige Gebiet ab und alarmiere dann die örtliche Küstenwache, die Schiffbrüchige an Bord nehmen kann. „Im Gegensatz zu der Situation vor Libyen funktioniert hier die staatliche Seenotrettung noch“, sagt. Es gebe aber zu wenig Schiffe, die Ausschau nach Flüchtlingsbooten halten.

Erstmals sucht die Organisation auch von Land aus nach Schiffbrüchigen und Booten. Ein Team mit zwei Intensivkrankenschwestern und Helfern soll ab dieser Woche mit einem Geländewagen an der Küste Lanzarotes patrouillieren. An der felsigen Küste der Insel kommt es immer wieder zu Bootsunglücken.

Erst in der vergangenen Woche ging ein Holzboot mit Migranten aus Nordafrika an der Nordspitze Lanzarotes unter, nachdem es bei schwerem Wellengang nachts auf die felsige Küste aufgelaufen und gekentert war. Medienberichten zufolge starben mindestens acht Menschen, 28 konnten bisher gerettet werden.

Mission Lifeline will Mitte Dezember die nächste Suchmission starten. Knapp 120.000 Euro Spendengelder stehen in diesem Jahr für das Einsatzgebiet zur Verfügung, so Axel Steier. Die abgeschlossene Mission hat rund 8.000 Euro gekostet

In Italien droht hohe Geldstrafe

Auch im Mittelmeer will die Organisation wieder aktiv werden. Im neuen Jahr soll ein ehemaliges Torpedofangboot der Bundeswehr unter dem Namen „Rise Above“ in See stechen und vor der Küste Libyens patrouillieren. Im Mittelmeer gibt Mission Lifeline zwischen 25.000 und 50.000 Euro für eine Mission aus.

Allerdings ist die Organisation noch mit einem Gerichtsverfahren in Italien konfrontiert, in dem es um eine Geldstrafe von 300.000 Euro geht. Die Summe war verhängt worden, nachdem der frühere Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch mit 100 Geretteten an Bord in einer Notsituation, aber gegen den Willen des früheren rechtspopulistischen Innenministers Matteo Salvini in einen italienischen Hafen eingelaufen war.

Im Sommer 2018 war die Dresdner Organisation weltweit bekannt geworden, als mehrere europäische Mittelmeer-Anrainer wie Malta und Italien dem Schiff „Lifeline“ die Hafeneinfahrt verweigerten, nach dem die Besatzung vor Libyen 234 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hatte.

Mit der «Lifeline» wurde die Dresdner organisation weltweit bekannt, als mehrere europäische Mittelmeer-Anrainer wie Malta und Italien dem Schiff die Hafeneinfahrt verweigerten, nach dem die Besatzung vor Libyen 234 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat
Mit der «Lifeline» wurde die Dresdner organisation weltweit bekannt, als mehrere europäische Mittelmeer-Anrainer wie Malta und Italien dem Schiff die Hafeneinfahrt verweigerten, nach dem die Besatzung vor Libyen 234 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat © Annette Schneider-Solis/dpa

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