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Böhmermann macht Sendung über Internet-Star der AfD aus Sachsen

Maximilian Krah ist Spitzenkandidat der AfD zur Europawahl. Auf Social Media ist er präsent wie kaum ein anderer Mitbewerber: frauenfeindlich, extremistisch, rassistisch.

Von Erik Geipel & Oliver Reinhard
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38.000 Follower auf TikTok und viel rechte Propaganda: In der aktuellen Ausgabe des ZDF Magazine Royale drehte sich alles um Maximilian Krah und seinen Auftritt auf Social Media.
38.000 Follower auf TikTok und viel rechte Propaganda: In der aktuellen Ausgabe des ZDF Magazine Royale drehte sich alles um Maximilian Krah und seinen Auftritt auf Social Media. © Screenshot/ZDF

Dresden/Berlin. Schampus, Zigarren, Macker-Sprüche, teure Klamotten und rechtsextreme Propaganda: Die Botschaften des Sächsischen Spitzenkandidaten der AfD zur Europawahl, Maximilian Krah, die auf TikTok, Instagram und X (ehemals Twitter) verbreitet werden, sind eindeutig, einfach und radikal. Damit ist der 47-jährige Jurist und EU-Abgeordnete so erfolgreich, wie kein anderer Spitzenkandidat. "Die AfD erreicht bei TikTok dreimal so viele junge Menschen wie alle anderen Parteien zusammen", erklärt Moderator Jan Böhmermann in der aktuellen Ausgabe des ZDF Magazin Royale. Die Inhalte sind meist einfach, stumpf und passen ins rechte Weltbild der Partei. Jedoch steckt hinter der Offensive auf TikTok und Instagram klares Wahlkampfkalkül.

Die Europawahl 2024 ist die erste, bei der das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt ist. Hauptnutzer auf TikTok sind junge Menschen unter 19 Jahren, politisch häufig noch nicht gefestigt und tendenziell leicht beeinflussbar. Ein Feld, das die demokratischen Parteien den Rechtsextremisten weitgehend überlassen. So hat die AfD Sachsen auf TikTok über 190.000 Abonnenten, die CDU Sachsen gerade mal gut 400.

Auf diese digitale Übermacht setzt auch der Kopf hinter Krahs TikTok-Offensive, Erik Ahrens. Der völkische Rassist aus dem Umfeld der rechtsextremistischen Identitären Bewegung sieht Potenzial in den Social-Media-Plattformen. Während eines Vortrags für das Institut für Staatspolitik, eine seit 2000 bestehende private Einrichtung, die als Denkfabrik der neuen Rechten gilt, zeigt Ahrens seine Begeisterung für TikTok. Der "Schuldkult" sei auf der Plattform viel weniger verbreitet als in anderen sozialen Medien, lobt er, laut Zeit-Online. Man habe 90 Minuten am Tag bei Jugendlichen auf TikTok "Fenster in deren Gehirn, wo man da reinsenden kann", so Ahrens.

Auch Ahrens macht aus seiner Gesinnung keinen Hehl. So schreibt Maximilian Krahs Social-Media-Stratege auf Twitter: „Eine Leitkultur muss dominant sein, imperial und herrschaftlich.“ Das konkretisiert er so: „Das Deutsche Reich hatte eine Leitkultur, als halb Europa Deutsch sprach und sich nach deutscher Weise kleidete“. Die offenkundige Botschaft: „Deutschland über alles“.

Sämtliche Krah-Zitat, die Jan Böhmermanns Redaktion zeigt, sind bekannt. Doch in der Masse, mit der das Magazin Royale diese überwiegenden Recherche-Ergebnisse Dritter präsentiert, wirkt das blaubraune Treiben des Anwalts besonders dicht und in sich geschlossen. "Der heutige Feminismus ist das Geschäft von 30 Prozent grässlichen, hässlichen und letztlich frauenfeindlichen Weibern", sagt Krah etwa. Oder: "Echte Männer sind rechts ... dann klappt's auch mit der Freundin." Schon vorher bekannt geworden war Maximilian Krahs Leugnung der deutschen Verantwortung für Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Holocaust, nachdem er in einem Video pauschal alle Deutschen von jeglicher Schuld freigesprochen hatte: "Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher." Sein Ausspruch "Sie starben, damit Deutschland lebt" ist ein wörtliche Übernahme eines Slogans von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels.

Verstehen sich bestens: Maximilian Krah und die Freiberger Schlossbesitzerin Mathilda Huss. Ihr gehört auch die Potsdamer Adlon-Villa, in der das "Remigrations"-Treffen stattgefunden hat, die Auslöser waren für die bundesweiten Proteste gegen Rechtsextrem
Verstehen sich bestens: Maximilian Krah und die Freiberger Schlossbesitzerin Mathilda Huss. Ihr gehört auch die Potsdamer Adlon-Villa, in der das "Remigrations"-Treffen stattgefunden hat, die Auslöser waren für die bundesweiten Proteste gegen Rechtsextrem © © Kontraste/ NYYRC Gala/Michael Cravotta

Als Aminata Touré in Schleswig Holstein als erste Schwarze in ein Ministeramt kam, schrieb der AfD-Politiker: "Wer ethnische Afrikaner und Afghanen in die Regierung nimmt, macht die Regierung kulturell auch afrikanischer und afghanischer." Und weiter: "Natürlich ist Korruption korreliert mit Kultur und Kultur mit Ethnie" - eine eindeutig rassistische Aussage.

Auch Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund sind keine neuen Töne Krahs. So hatte er 2018 nach einem Tötungsdelikt in Chemnitz getwittert, in jenem Jahr hätte es in der Stadt bereits 60 Vergewaltigungen gegeben, die ausschließlich von Zuwanderern verübt worden seien. Die Polizei hatte das kurz darauf richtiggestellt: "Diese Zahlen stimmen so nicht!" Tatsächlich habe es 2018 in Chemnitz 14 solcher Delikte gegeben, darunter 3 Verdächtige (!) nichtdeutscher Herkunft.

Auch Magazin Royale thematisiert nun die enge Beziehung Maximilian Krahs zu Mathilda Martina Huss, Besitzerin des Schlosses Reinsberg im Kreis Freiberg, die Geschäftsführerin vom Landhaus Adlon in Potsdam ist - Sächsische.de berichtete. Dort hatte der Neonazi Martin Sellner, Vordenker der Identitären Bewegung, vor wenigen Wochen laut dem Recherchekollektiv Correctiv in Anwesenheit von Mitgliedern der AfD, der CDU und der WerteUnion "Remigrationspläne" beziehungsweise Vertreibungspläne auch für deutsche Staatsbürger propagiert als Plan für den Fall eine Machtbeteiligung der AfD. Dazu führt Maximilian Krah in seinem Buch "Politik von rechts" aus, dass man perspektivisch an eine "Remigration" von bis zu 25 Millionen Menschen denke, darunter "15 Millionen Staatsbürger".

Die Veröffentlichung war der Auslöser für die bundesweiten Proteste Hunderttausender Bürgerinnen und Bürger für Demokratie und gegen den Rechtsextremismus der AfD. Die Verbindung von Krah nach China und Russland samt dubioser Geldflüsse greift die ZDF-Sendung auf. Den Berichten zufolge soll Maximilian Krah infolge einer China-Reise der AfD-Bundestagsfraktion nahegelegt haben, weitere Anträge gegen die Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Huawei beim 5G-Netzausbau zu verhindern.