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Sachsen-CDU im Wahlkampf ohne Kanzlerkandidat

Marco Wanderwitz, Ost-Beauftragter der Bundesregierung, führt die Landesliste zur Bundestagswahl an. Seine Partei debattiert eine ganz andere Personalie.

Michael Kretschmer (links), Ministerpräsident von Sachsen, Barbara Klepsch, Ministerin für Kultur und Tourismus in Sachsen, und Alexander Dierks CDU-Generalsekretär in Sachsen beim Landesparteitag in Dresden.
Michael Kretschmer (links), Ministerpräsident von Sachsen, Barbara Klepsch, Ministerin für Kultur und Tourismus in Sachsen, und Alexander Dierks CDU-Generalsekretär in Sachsen beim Landesparteitag in Dresden. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Im Dresdner Congress-Center, in dem die sächsische CDU am Wochenende unter strengen Hygiene-Auflagen ihre Landesliste für die Bundestagswahl aufstellt, fehlt etwas: Der Rückenwind durch einen öffentlich anerkannten Kanzlerkandidaten, welcher der eigenen Partei im Herbst zu möglichst vielen Stimmen verhilft.

Dabei ist im sächsischen Landesverband der Wettstreit zwischen CDU-Bundeschef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder längst entschieden – pro Söder. Wen man unter den 100 Delegierten der Landesvertreterversammlung auch fragt, es fällt fast immer der Name des Mannes aus Bayern.

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Die meisten argumentieren dabei wie der Görlitzer Landtagsabgeordnete Stephan Meyer. Der verweist auf Söders Führungskraft und darauf, dass auch dessen guten Umfragewerte "nicht ganz unwichtig sind". Ohne diese Unterstützung, so befürchten wohl die meisten Christdemokraten, dürfte es schwer werden, das eigene Wahlziel zu erreichen: Alle 16 Bundestagswahlkreise in Sachsen zu gewinnen und damit das Trauma von 2017 zu beenden. Damals reichte es nur für zwölf Wahlkreise bzw. Mandate. Bei den Zweitstimmen lag man am Ende sogar – wenn auch knapp – hinter der AfD.

"Die Zukunft Europas"

Bekenntnisse wie die von Thomas Schmidt, Staatsminister für Regionalentwicklung sowie Landtagsabgeordneter aus Mittelsachsen, sind da eine Ausnahme: Er wünsche sich Laschet, sagt Schmidt, vor allem wegen dessen "Teamfähigkeit". Das ist dann aber schon die größte Unterstützung, die der CDU-Bundesvorsitzende im Kandidatenstreit an diesem Tag erhält.

Selbst Sachsens CDU- und Regierungschef Michael Kretschmer hält sich diesmal am Rednerpult zurück, als es um die Chancen von Armin Laschet, seinem Ministerpräsidentenkollegen aus Nordrhein-Westfalen, geht.

Kretschmer spricht die ungeklärte Kandidatenfrage zwar schon in den ersten Sekunden seiner Rede an, da das Kanzleramt vermutlich "die wichtigste Personalie in der Europäischen Union" sei, weil dort maßgeblich über die Zukunft Europas mitentschieden wird.

Kein Stimmungswechsel in Sicht

Die Entscheidung zwischen Laschet und Söder müsse deshalb zügig fallen. "Am besten in Stunden." Ansonsten bleibt Kretschmer bewusst vage. Beide seien Personen, die den Sachsen sehr vertraut sind, mit denen sie sehr viel verbindet und man hierzulande der Meinung ist, sie könnten es beide. Später wird er auf Nachfrage einer MDR-Reporterin zumindest einräumen, er wisse schon, dass sich in der Sachsen-CDU bisher viele für Markus Söder ausgesprochen haben.

Für einen Stimmungswechsel reicht das am Wochenende dann auch nicht, als es schließlich um die CDU-Landesliste zur Bundestagswahl geht. Und das hat mit dem dort auf Platz 1 gesetzten sächsischen Spitzenkandidaten zu tun. Marco Wanderwitz (45), Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder und seit 2002 stets direkt für die Region Chemnitz in den Bundestag gewählt, hatte längst vorgelegt.

"Ecken und Kanten"

Vor Tagen warb er offen für Söder und zeigte sich von dessen Zustimmung bei den Menschen beeindruckt. "Ich würde den Menschen gern den Kanzlerkandidaten anbieten, den sie offensichtlich präferieren."

Dass er bei der Listenwahl ohne Gegenkandidaten neben 79 Ja- auch 20 Nein-Stimmen erhält, erschüttert ihn nicht. Er sei halt ein Gerade-hinaus-Typ, biete "Ecken und Kanten" an, da würden die 100 Prozent schon mal ausbleiben.

Tatsächlich überraschend ist eher die Kampfkandidatur der Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann. Selbst auf Listenplatz 10 gesetzt, will sie der zweitplatzierten CDU-Landtagsabgeordneten Christiane Schenderlein die Reihenfolge streitig machen. Der 60-Jährigen geht es offenbar um die Ehre und den Fakt, dass sie inzwischen die einzig Verbliebene aus den Reihen der sächsischen CDU-Wendepolitiker ist.

Die gute alte Zeit?

Über die Landesliste, das weiß Bellmann, zieht in der Regel kein CDU-Kandidat aus Sachsen in den Bundestag ein, sondern fast ausschließlich immer über einen direkt gewonnen Wahlkreis, wo beide Politikerinnen ohnehin antreten. Bellmann unterliegt Schenderlein trotzdem mit 32 zu 68 Stimmen. Die folgenden 17 Listenplätze werden problemlos durchgewunken, ein Einzelbewerber scheitert einsam auf Platz 20. Dann ist Schluss.

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In der ersten Reihe verfolgt das alles mit Thomas de Maizière Sachsens CDU-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017, der nun nicht mehr antritt. Sein Name fällt am Wochenende bei den Reden trotzdem immer wieder. Und stets voller Lob.

Auch Michael Kretschmer verweist auf die Verdienste de Maizières nicht zuletzt als langjähriger Minister in der Bundesregierung: "Danke, dass es Dich gibt!" Ein bisschen klingt das, als trauere man den guten alten Zeiten nach.

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