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Weihnachtsgottesdienst läuft im Fernsehen

Der Platz in den Riesaer Kirchen ist begrenzt. Gemeinsam mit Riesa-TV hat die Gemeinde eine Alternative erarbeitet - und erreicht damit ein größeres Publikum.

Film ab: Kurator Johannes Stolle (r.) zündet in der Gröbaer Kirche eine Kerze an, Marco Branig von Riesa-TV filmt. Die Aufnahmen entstehen für einen Video-Gottesdienst, der auch im Lokalfernsehen laufen soll.
Film ab: Kurator Johannes Stolle (r.) zündet in der Gröbaer Kirche eine Kerze an, Marco Branig von Riesa-TV filmt. Die Aufnahmen entstehen für einen Video-Gottesdienst, der auch im Lokalfernsehen laufen soll. © Sebastian Schultz

Riesa. Als Johannes Stolle die Kerzen am Altar anzündet, läuft schon die Kamera. "So, jetzt noch mal die andere Seite", sagt Marco Branig zum 82-jährigen Kurator der Kirche in Gröba. In den vergangenen Tagen war der Chef von Riesa-TV mehrfach in der Kirche vor Ort, um für den Gottesdienst zu drehen. Der soll während des Weihnachtsfestes nicht nur im Kabelfernsehen laufen, sondern auch im Internet abrufbar sein.

"Es ist den meisten Menschen ja schon seit einiger Zeit klar, dass Weihnachten in diesem Jahr anders wird", sagt Pfarrer Martin Scheiter. Die Corona-Regeln betreffen auch das Fest in den Kirchen. "In Großenhain wurde alles abgesagt, auf den Dörfern gibt es teilweise offene Kirchen oder man arbeitet mit Platzkarten."

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Letzteres ist auch in Riesa der Fall. Es finden mehrere Christvespern statt, in deutlich kleinerem Rahmen als sonst. Es gibt kein Krippenspiel, dafür Abstands- und Maskenpflicht. Gesungen werden darf auch nicht - die Kirche wird deshalb extra keine Texte auslegen. "Ganz auf den Gottesdienst zu verzichten, halten wir nicht für verhältnismäßig", sagt Martin Scheiter. "Weihnachten kann auch auf dem Sofa passieren." Aber es solle eben jeder die Möglichkeit haben, es so zu verbringen, wie er das möchte und für richtig hält. Er verweist auf das Bibel-Zitat "Fürchtet euch nicht!". "Wir wollen niemanden zu Waghalsigkeit animieren." Aber einen Gegenton zur wegen der Pandemie womöglich überbetonten Angst und Warnungen wolle man schon schaffen.

Pfarrer Martin Scheiter, hier zur Osterzeit in der Kirche Glaubitz. Seit Beginn der Pandemie hat er den Eindruck, die Gottesdienste seien besser besucht, sagt er.
Pfarrer Martin Scheiter, hier zur Osterzeit in der Kirche Glaubitz. Seit Beginn der Pandemie hat er den Eindruck, die Gottesdienste seien besser besucht, sagt er. © Sebastian Schultz

Am Montag, 21. Dezember, werden die Platzkarten für die Gottesdienste in der Trinitatiskirche und der Kirche in Gröba ausgegeben. Wer keine ausgefüllte Platzkarte hat, wird auch nicht am Termin teilnehmen können. Umgekehrt sei die Karte aber keine Garantie für eine Teilnahme, sagt der Pfarrer - etwa, wenn die Veranstaltung doch kurzfristig abgesagt werden muss.

Ohne Karte kein Zutritt zum Gottesdienst

Für alle, die keine Karte bekommen, ist der Fernseh-Gottesdienst gedacht, der in der Gröbaer Kirche gedreht wurde. Die biete das günstigste Ambiente für den Dreh, erklärt Scheiter. Das Licht sei angenehm, vor allem aber der Klang besser als in der Trinitatiskirche.

Schon zum Osterfest hatte die evangelische Kirche auf Videoaufnahmen gesetzt. "Die Lernkurve verlief damals steil", sagt Martin Scheiter. Jetzt könne man auf bewährte Rezepte zurückgreifen. "Das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen ist eigentlich ziemlich gut. Aber es ist immer noch etwas anderes, wenn die eigene Kirche so ein Angebot macht." Das zahlt sich auch aus, wie die Zugriffszahlen nahelegen. Laut Scheiter habe man über Ostern mehr Menschen mit den neuen Angeboten erreichen können, als sonst in die Kirche gehen. Skepsis habe es damals im Vorfeld auch gegeben, sagt Scheiter. "Die Frage war: Braucht's das wirklich? Mich hat dann überzeugt, dass der Gottesdienst nicht nur im Internet steht, sondern auch im Fernsehen läuft." So hätten auch ältere Menschen die Möglichkeit, ihn sich anzusehen.

Abseits des Weihnachtsfestes hat Martin Scheiter den Eindruck, dass der christliche Glaube durch Corona "gefragter" ist. Dabei sei für die Pfarrer gleichzeitig der Kontakt zu den Menschen schwieriger, und es falle auch ein guter Teil der Kollekten weg - laut Martin Scheiter ein wichtiges finanzielles Standbein der Kirchen vor Ort. "Aber man merkt: Zuversicht und Hoffnung, die der Glaube mit sich bringt, ist umso nachgefragter. Ich habe den Eindruck, die Gottesdienste waren voller als manch anderes Jahr."

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  • Termine für die Christvespern (Heiligabend): Trinitatiskirche um 15, 16, 17 und 18 Uhr; Kirche Gröba um 14.30, 15.30, 16.30 und 22 Uhr. Die Kartenausgabe findet in der jeweiligen Kirche am Montag, 21. Dezember, von 16 bis 19 Uhr statt.
  • Die Kirche Weida wird Heiligabend von 15 bis 18 Uhr für Gebet und persönliche Andacht geöffnet sein.
  • Weitere Weihnachtsgottesdienste sind am 25.Dezember um 9.30 Uhr in der Trinitatiskirche, am 26. Dezember um 9 Uhr in der Kirche Gröba und 10.30 Uhr in der Kirche Weida sowie am 27. Dezember um 9.30 Uhr und am 31. Dezember um 17 Uhr in der Trinitatiskirche.
  • Der Gottesdienst ist über Weihnachten für Kabel-Zuschauer auf Riesa-TV ab 14.30 Uhr stündlich zu sehen, sowie im Internet auf den Seiten des Senders sowie der Internetseite der Kirchgemeinde abrufbar.

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