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Riesaer Video-Anruf in der Ukraine

Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums sammeln Spenden für die Ukraine und singen für Frieden. Auch eine Schalte in die Nähe von Kiew gab es.

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Friedenslied auf dem Schulhof: Am Werner-Heisenberg-Gymnasium sangen Schüler "Dona nobis Pacem".
Friedenslied auf dem Schulhof: Am Werner-Heisenberg-Gymnasium sangen Schüler "Dona nobis Pacem". © WHG Riesa/ Screenshot: SZ

Riesa. Mit einem Video haben Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Riesa ein Zeichen für den Frieden gesetzt. In einem auf Youtube abrufbaren Beitrag singt die Schülerschaft den Kanon "Dona nobis pacem" - schenke uns Frieden.

Die Idee zu der Aktion sei kurz nach Beginn des Ukrainekriegs entstanden, erklärt Geschichts- und Geografielehrer Michael Wendt. Er war 2011 und 2015 im Rahmen eines Austauschprogramms in Radebeuls Partnerstadt Obuchiw, 40 Kilometer südlich von Kiew. Einige Freundschaften aus dieser Zeit haben bis heute gehalten. "Nach dem russischen Angriff haben wir sofort Kontakt zu unseren Freunden aufgenommen und eine private Videokonferenz gemacht", sagt Wendt.

Der Lehrer ermöglichte einer 10. Klasse auch einen Videoanruf mit Julia Lyashko. Sie ist Mitte 20 und arbeitet normalerweise in einer Anwaltskanzlei in Kiew. Michael Wendt berichtet von einem sehr intensiven Gespräch über die Situation in der Region. "Die Schüler waren ergriffen und teilweise sprachlos."

In Obuchiw selbst war es zum Zeitpunkt des Telefonats am Donnerstag, 3. März, noch ruhig - allerdings sei die Stadt wegen der Nähe zu Kiew immer wieder vom Bombenalarm betroffen. Seit 26. Februar müssten die Menschen jede Nacht teils mehrmals in den Kellern Schutz suchen. Es werde kaum geschlafen, ständig warte man auf den Alarm. Das geschehe interessanterweise oft mittels Handy-App, weil die Sirenen schwer zu hören seien, berichtet der Lehrer.

Keinen Kontakt mehr zu Verwandten in Moskau

Neben einer großen Motivation, das Land zu verteidigen, habe die Ukrainerin auch von Brüchen berichtet, die durch Familien gehen. Verwandte in Moskau etwa hätten den Kontakt abgebrochen. Während sie am Donnerstag die Flucht nach Westen wegen russischer Angriffe und des Mangels an Benzin als zu gefährlich einschätzte, habe sie sich nur einen Tag später doch dazu entschieden. Grund war laut Michael Wendt die Einnahme des Atomkraftwerks Saporischja und die Angst vor einer nuklearen Katastrophe.

Im Gespräch habe sie sich dankbar für die emotionale Unterstützung und Solidarität des Westens gezeigt - aber gleichzeitig appelliert, den Luftraum über dem Land zu schließen. Das sei aktuell die größte Gefahr.

Neben dem in kurzer Zeit einstudierten Kanon für den Frieden hat das Gymnasium auch beschlossen, die Ukraine mit Spenden zu unterstützen. Man unterstütze die Aktion "Hope for Ukraine", indem das Gymnasium als Sammelstelle für Sachspenden fungiere. "Haltbare Nahrungsmittel und warme Kleidung wurden bereits in großen Mengen bei uns abgegeben und werden zeitnah an den gemeinnützigen Verein übergeben", teilt Pressesprecher Peter Pfennig mit. (SZ/stl)