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Lern was - aber bitte nicht auf Lernsax

Die Bildungsmisere hat das sächsische Internet erreicht. Nun droht die Kreidezeit. "Sächsisch betrachtet" - die Kolumne von SZ-Redakteur Gunnar Saft.

Steckt gar Bill Gates hinter dem Absturz von Lernsax? SZ-Redakteur Gunnar Saft hat da so einen Verdacht.
Steckt gar Bill Gates hinter dem Absturz von Lernsax? SZ-Redakteur Gunnar Saft hat da so einen Verdacht. © Thomas Möckel

DIESES sogenannte Internet, das weiß jeder Experte, ist ja in der Tat etwas mit Computern. Drückt man dort kräftig drauf, kommt irgendwo irgendwas heraus. Es sei denn, man nutzt das sächsische Internet. Dann drückt man und drückt oder geht gleich schlafen. Heraus kommt höchstenfalls ein geschwollener Daumen oder eine zerbrochene Tastatur. (Was das nun wieder ist, klären wir beim nächsten Mal.)

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SIE ahnen es, ich mache mir Sorgen wegen des Internetportals LernSax. Das sollte unsere sächsischen Dauer-Pisa-Sieger-Schüler eigentlich erfolgreich durch die Pandemie bringen, indem man zu Hause via Internet Aufgaben vom Lehrer erhält und die Lösungen schwuppdiwupp auf demselben Weg zurücksendet. Mehr darf ich davon nicht erzählen, denn das Fach Märchenkunde steht nicht auf dem freistaatlichen Lehrplan. Wollen Sie es genau wissen, rufen Sie ihre Neffen in anderen Bundesländern an. Die erklären gern, wie so was funktioniert.

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UNSER LernSax dagegen funktioniert zurzeit wie der zweite Lockdown: Nichts geht mehr. Blöderweise kann nun kein Lehrer seine Schüler fragen, woran das liegt. Denn dafür bräuchte man ein funktionierendes Internet und kein sächsisches. Und weil niemand was Genaues weiß, wird eifrig spekuliert. In Pandemiezeiten ohnehin ein beliebtes Hobby. So soll ja hinter dem LernSax-Absturz dieser Bill Gates stecken. Also der mit den geheimen Impfchips und der angestrebten Weltherrschaft. Der Onkel vom Klassenbesten aus der Schule meiner Tochter hat einen Freund. Und der behauptet, dass dieser Gates sogar irgendwas mit Computern zu tun hat. Er muss einfach der Superschurke sein, der Sachsens Jugend nichts lernen lässt. Ein schlecht programmiertes LernSax allein schafft das niemals.

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WAS also tun? Soll unser Kultusminister Hacker Gates sofort via Internet eine böse Mail senden? Die wäre sicher schon in einigen Wochen da. Oder vertrauen wir auf sächsische Handwerkskunst und damit auf Kreide, Schiefertafel und Watte. Watte für die Ohren ist ganz wichtig, da sonst die fiesen Kratzgeräusche Lehrern und Schülern gleichermaßen die Fingernägel hochrollen.

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