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Sebnitz fordert Öffnung des Großen Zschands

Einer länger andauernden Sperrung des Wanderwegs in der Sächsischen Schweiz will die Stadt nicht zustimmen. Der OB sieht den Freistaat in der Pflicht.

Absperrung am Eingang in den Großen Zschand: Der Weg ist wegen Baumsturzgefahr gesperrt.
Absperrung am Eingang in den Großen Zschand: Der Weg ist wegen Baumsturzgefahr gesperrt. © Steffen Unger

Die Diskussion um den gesperrten Wanderweg durch den Großen Zschand in der Sächsischen Schweiz wird schärfer. Nachdem der Nationalpark zuletzt wenig Hoffnung verbreitet hatte, dass die akute Baumsturzgefahr bald beseitigt ist, meldet sich nun sich nun der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) zu Wort. "Die Straße ist freizumachen", sagte Ruckh gegenüber Sächsische.de. "Da muss sich der Freistaat was einfallen lassen."

Diese Ansage ist nicht nur eine Meinungsäußerung. Die Stadt Sebnitz hat in der Sache auch rechtlich mehr als ein Wort mitzureden. Der Große Zschand gilt als eine öffentlich gewidmete Straße, wenngleich er als Forst- und Wanderweg für private Autos gesperrt ist und nur vom Sachsenforst oder Rettungskräften befahren werden darf.

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Für diese öffentlich gewidmete Straße ist verwaltungsrechtlich die Große Kreisstadt Sebnitz zuständig mit ihrer Straßenverkehrsbehörde zuständig. Sie muss eine Sperrung anordnen. Das hat die Stadt auf Antrag der Nationalparkverwaltung im Januar getan - allerdings nur befristet bis zum 31. März. "Bis dahin erwarten wir eine Lösung", sagte OB Ruckh.

Rückendeckung bekommt der OB vom Pirnaer Landrat Michael Geisler (CDU), der bereits mit Blick auf den Touristenansturm im Frühling sagt: "Die Rechnung ist ganz einfach: Die Tagestouristen müssen verteilt werden. Da brauchen wir jeden Quadratmeter Wanderweg."

Großer Zschand ist sensibles Naturschutzgebiet

Nationalparkchef Ulf Zimmermann hatte bei einer Online-Diskussionsrunde des Tourismusverbands Sächsische Schweiz am Montagabend noch einmal ausführlich die Situation im Großen Zschand geschildert. Die vom Borkenkäfer abgetöteten Fichten stehen dort auf schmalen Felsriffs in bis zu 30 Metern Höhe über der Schlucht und können jederzeit auf den Weg herunterstürzen. Für eine Fällung per Kran sei nicht genügend Platz, für Waldarbeiter sei die Lage aktuell zu gefährlich. In jedem Fall würden die Arbeiten enorme Kosten verursachen.

Insbesondere sei der Große Zschand aber ein sensibles Gebiet, das schon seit 60 Jahren unter Naturschutz steht. Ein menschlicher Eingriff würde dort die Lebensräume von geschützten Arten zerstören, erklärte der Nationalparkleiter. Am besten wäre es demnach, zu warten, bis die gefährlichen Bäume von selbst umbrechen.

Eine solche natürliche Lösung könnte deutlich länger dauern als bis zum 31. März. Das hieße, der Wanderweg bliebe auch zum erhofften Start der Tourismussaison im April gesperrt und womöglich darüber hinaus. Am Dienstag gab es deshalb einen Gesprächstermin mit der Nationalparkverwaltung im Sebnitzer Rathaus. "Wir haben klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass wir eine Verlängerung der Sperrung nicht akzeptieren", erklärte OB Mike Ruckh dien Haltung seiner Behörde.

OB Ruckh: Freistaat soll für Sicherung aufkommen

Der Sebnitzer Oberbürgermeister sieht den Freistaat Sachsen in der Pflicht, denn dem gehören die Flächen, um die es geht. Jeder Privatlandbesitzer müsse sich auch darum kümmern, dass von seinem Grundstück keine Bäume auf die Straße stürzen, erklärte Ruckh. Genauso sei der Freistaat für die Verkehrssicherung im Großen Zschand verantwortlich. Die Nationalparkverwaltung als Teil des Staatsbetriebs Sachsenforst untersteht dem Freistaat.

"Der Große Zschand ist ein existenzieller Zugang für Wanderer, Kletterer und Radfahrer in den hinteren Teil der Sächsischen Schweiz", erklärte Ruckh. Zudem sei die auch als Zeughausstraße bekannte Verbindung, die von der Neumannmühle im Kirnitzschtal zum Gasthaus Altes Zeughaus führt, einer der traditionsreichsten Wege in dem Gebiet. Wie die Nationalparkverwaltung hier agiere, werde deshalb in der Bevölkerung sehr genau beobachtet, gerade wenn es um die Zukunft von weniger prominenten Wegen geht.

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Immer wieder wird seitens mancher Wandergruppen der Vorwurf laut, die Nationalparkverwaltung nutze die Borkenkäferschäden als willkommenen Vorwand, um Wege dauerhaft zu sperren und Besucher fernzuhalten. Nationalparkchef Ulf Zimmermann hatte dies wiederholt zurückgewiesen. "Die Streichung von Wegen ist nicht unser Ziel", sagte Zimmermann beim digitalen Stammtisch des Tourismusverbands am Montagabend. Aktuell sehe man sich aus Sicherheitsgründen zu Sperrungen gezwungen, die aber zeitlich befristet seien. Die von umgestürzten Bäumen blockierten Wege sollen wieder freigeschnitten werden.

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