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Reichenbach im Vogtland kämpft um Erhalt des insolventen Krankenhauses

Das Krankenhaus in Reichenbach/Vogtland ist zahlungsunfähig. Beschäftigte demonstrieren. Der Oberbürgermeister schlägt Alarm.

Von Ulrich Wolf
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Das Krankenhaus im vogtländischen Reichenbach ist selbst zum Notfall geworden.
Das Krankenhaus im vogtländischen Reichenbach ist selbst zum Notfall geworden. © René Meinig (Symbolfoto)

Reichenbach/Vogtland/Leipzig. Beschäftigte der vorläufig insolventen Paracelsus-Klinik Reichenbach GmbH, der Oberbürgermeister und der Ältestenrat des Stadtrats kämpfen um den Erhalt ihrer Klinik. Vor der Kreistagssitzung am Donnerstagnachmittag in Plauen würden Beschäftigte des Krankenhauses auf Antworten zu ihrer Zukunft drängen, teilte der Landesbezirk der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am Mittwoch in Leipzig mit.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen betonte, langjährige Beschäftigte, die immer loyal und engagiert zum Haus gehalten hätten, benötigten eine berufliche Perspektive. Sie dürften "nicht für die Fehlentscheidungen des Managements der vergangenen Jahre die Zeche zahlen". Die Klinik beschäftigt ca. 300 Mitarbeitende.

Der Oberbürgermeister von Reichenbach, Raphael Kürzinger (CDU), appellierte in einem Brief an den Kreistag, die Klinik wieder in die öffentliche Hand zurückzuführen. "Wir fordern Sie auf, den Versorgungsauftrag des Standortes Reichenbach zu übernehmen", schrieb er. Es dürfe nicht sein, "dass aus Kapazitätsgründen an den Pforten der verbleibenden Notaufnahmen über Leben und Tod der Menschen entschieden werden muss".

Das vogtländische Krankenhaus gehört dem Paracelsus-Konzern mit Sitz in Osnabrück. Die Geschäftsführung der Betriebsgesellschaft in Reichenbach hatte bereits im Sommer Insolvenz beantragt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit. Die Klinik ächze "massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie", hieß es. Bereits zum Jahresende 2021 habe die Klinik "mit erheblichen Verlusten" abgeschlossen. Auch konsequentes Kostenmanagement habe "die schwache Leistungsentwicklung wider Erwarten" nicht ausgleichen können. Die finanzielle Situation der Klinik bleibe hinter den Mindestplanungszielen zurück. Der Finanzierungsmehrbedarf könne mittelfristig nicht mehr gedeckt werden. "Selbst die immer wieder gern geforderte Rekommunalisierung – zu der sich Paracelsus bereitgefunden hätte – stellte sich bis zuletzt nicht als belastbare Alternative dar."

Notaufnahmen im Vogtland werden knapp

Nach Angaben des Oberbürgermeisters wurde dem Insolvenzantrag stattgegeben, das Verfahren sei am 1. Oktober eröffnet worden. Die Suche nach einem Käufer sei gescheitert. Der Erhalt des Standorts sei wichtig, da die Notaufnahme in Kirchberg bei Zwickau nur eingeschränkt arbeite und der Notaufnahme ebenfalls die Schließung drohe. Zudem seien zehn Facharztpraxen an das Krankenhaus angebunden. Sollte die Klinik schließen, ginge diese wichtige ambulante Struktur vollständig verloren - und das in einem laut Kassenärztlichen Vereinigung "fachärztlich als drohend unterversorgtem Gebiet".

Die Linken-Fraktion hat das Thema Krankenhaus Reichenbach in einem Dringlichkeitsantrag zur Tagungsordnung gestellt. In dem Antrag geht es um ein Konzept für die Rekommunalisierung inklusive der Finanzierungsvorschläge dafür.

Hintergrund: Die Paracelsus Klinik Reichenbach ist ein regionales Akut-Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung und verfügt über rund 180 Betten, verteilt auf sechs Fach- und zwei Belegabteilungen. Jährlich werden 7.300 Patienten stationär und 12.000 Menschen ambulant behandelt.