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Wie die Lausitzer Füchse für Spielernachschub sorgen

Das Regionalligateam des ES Weißwasser soll die Brücke sein zwischen starkem Nachwuchs und den Profis. Was der Klub darum jetzt anders macht.

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An vier Abenden darf das U 23-Team im Fuchsbau auf dem Eis trainieren, dazu kommen Extraschichten im Kraftraum oder auf dem Rad, wie hier. „Die Bedingungen in Weißwasser sind optimal“, sagt Trainer Marco Ludwig (links mit Basecap).
An vier Abenden darf das U 23-Team im Fuchsbau auf dem Eis trainieren, dazu kommen Extraschichten im Kraftraum oder auf dem Rad, wie hier. „Die Bedingungen in Weißwasser sind optimal“, sagt Trainer Marco Ludwig (links mit Basecap). © Steffen Bistrosch

Von Steffen Bistrosch und Frank Thümmler

Weißwasser. Ein 8:1 für den ES Weißwasser über die Berlin Blues stand am Sonnabendabend auf der Anzeigetafel in der Wee-Eisarena, der zweite Sieg im fünften Spiel in der vierthöchsten deutschen Eishockey-Spielklasse, der Regionalliga-Ost. Eine Woche zuvor hatte das junge Team von Trainer Marco Ludwig bereits die Chemnitz Crashers überraschend klar mit 9:2 bezwungen, nachdem die Saison mit drei Niederlagen für die Weißwasseraner begonnen hatte.

Der Sieg gegen die bislang punktlosen Berliner stand nie infrage. Nach dem ersten Drittel führte der ESW schon 3:0 (Tore: Miethling, Siegmund Ladusch), Ladusch und Herrscher erhöhten vor dem Ehrentor der Gäste auf 5:0, Siegmund und im Schlussdrittel erneut Ladusch (7. Saisontor) sowie Routinier Wartenberg erhöhten auf 8:1.

Auf das Ergebnis dürfte es Trainer Marco Ludwig erst in zweiter Linie angekommen sein. Vielmehr wurde im Fuchsbau das „Projekt U23“ aus der Taufe gehoben, um dem Nachwuchs eine sportliche Perspektive aufzuzeigen, die hier mit Geschick und Glück bis in den Profibereich führen kann. Auch junge Spieler, die mit der Aussicht auf einen Einstieg in die Profikarriere nach Weißwasser gelockt wurden, bietet dieses Projekt eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, falls es bei den Profis nicht gleich reicht oder die Eiszeiten dort gering sind.

Dass das möglich ist, zeigt das Beispiel von Stéphane Döring, der sich vergangenes Jahr aus dem neuformierten Team auf den Notizzettel von Profitrainer Chris Straube gespielt hat und in diesem Jahr fester Bestandteil des Füchseteams ist. Mit Rentsch, Raab, Müller, Detig und Velm sind weitere Nachwuchsprofis in der U 23 spielberechtigt.

Aus dem diesjährigen Team konnte beispielsweise der 21-jährige Luca Ladusch im Vorbereitungsspiel gegen Dresden erste Duftmarken bei den Profis setzen. Junge Spieler mit Entwicklungspotenzial trainieren regelmäßig bei den Profis mit und können sich so auf Wettkampfhärte und Geschwindigkeit einstellen.

Marco Ludwig, der seit vielen Jahren seine Schlittschuhe für den Eissport schnürt, nennt es eine „Herzensangelegenheit“, wenn er von seinem Engagement als Cheftrainer dieses Teams der Lausitzer Füchse spricht. Bereits vor einiger Zeit haben die Verantwortlichen um den ESW-Vereinsvorsitzenden Bernard Stefan die Zeichen der Zeit gedeutet und nach neuen Wegen in der Nachwuchsförderung gesucht, nachdem zuletzt der Nachschub ins Füchse-Profiteam immer sporadischer ausgefallen war, obwohl viele Nachwuchscracks aus Weißwasser die Hoffnung hegen, später im Erwachsenenbereich Erfolg zu haben.

Aber gerade in den höheren Altersklassen tat sich die größte Baustelle bei den Jungfüchsen auf: Viele Spieler orientierten sich bislang spätestens am Ende der Schulzeit an anderen Eishockey-Standorten neu, um weiter ihren sportlichen Traum leben zu können.

Aus Ex-Spielern werden Trainer

Eine der Maßnahmen des ESW bestand jetzt darin, möglichst viele ehemalige Spieler aus der Region als Trainer und Übungsleiter im Nachwuchsbereich einzubinden. Dazu wurde mit Sebastian Wolsch ein sportlicher Leiter verpflichtet, dessen Wurzeln ebenfalls in der Glasmacherstadt liegen. Inzwischen besteht ein Nachwuchskonzept, das den veränderten sportlichen und wirtschaftlichen Bedingungen Rechnung trägt. Und das Regionalligateam bildet die Brücke zu den Profis.

„Topbedingungen“, wie Trainer Marco Ludwig sagt. Im Fuchsbau können alle Spieler nach Feierabend pro Woche viermal auf dem Eis stehen. Dazu kommt an den Wochenenden der Wettkampf in der Regionalliga Ost mit ambitionierten Teams aus Sachsen und Berlin mit der Aussicht auf Play-offs. „Das ist ganz klar unser Ziel“, sagt Ludwig.

Die Derbys gegen Niesky versprechen dabei besondere Brisanz. Die Wahl, eine Mannschaft in der gleichen Liga wie Niesky aufzustellen, sei „keine Entscheidung gegen Niesky, sondern für Weißwasser“ gewesen, führt er weiter aus. Ludwig will im Fuchsbau „junge Talente weiterentwickeln“, und Spielern, die den Sprung in den Profibereich nicht geschafft oder gewagt haben, eine sportliche Herausforderung in der Heimat bieten.

Allen Eishockey-Interessierten empfiehlt er, am Wochenende in die Eisarena zu kommen und sich selbst ein Bild von dem Projekt zu machen. Die Eintrittspreise sind mit sechs Euro pro Erwachsenem moderat, dafür sind sportlicher Wert und Spannung hoch.

Nächste Gelegenheit bietet sich am 30. Oktober ab 20.30 Uhr gegen den Liga-Mitfavoriten FASS Berlin.