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Geld und Recht

Schuldenfalle: Rückkehr zur Normalität

Schulden gehören für viele Menschen zum Alltag und sind durchaus normal.

© stock.adobe.com @ Wayhome Studio

Viele größere Investitionen wie Haushaltsgeräte, ein Auto oder das eigene Haus werden meist durch einen Kredit finanziert. Oft sind es ungeplante Änderungen im Leben, die dann allerdings dazu führen können, dass es nicht mehr gelingt, Verbindlichkeiten aus einem oder mehreren Darlehen zu tilgen. Wenn die Schuldenlast bedrohlich hoch wird, gibt es jedoch auch verschiedene Wege, die vermeintlich ausweglose Situation zu lösen. 

(Privat-)Insolvenz als harter Schnitt

Wenn irgendwann nichts mehr geht und Schuldner vollkommen den Überblick verlieren, wird der Weg in die Insolvenz der einzige Ausweg sein – wenn vorher mit Hilfe von außen die Schuldensanierung nicht geklappt hat. Doch sobald die Insolvenz erfolgreich durchlaufen ist, geht es um verschiedene Fragen.

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  • Sind alle Angelegenheiten rund um die Insolvenz abgehakt?
  • Wie kann ein erneutes Schuldenproblem vermieden werden?

Gerade diese letzte Frage ist besonders dringend. Wer einmal das Insolvenzverfahren durchlebt hat, wird diese Erfahrung nicht wiederholen wollen. Eines ist dabei besonders wichtig: Die Fehler der Vergangenheit nicht einfach ignorieren und unter den Teppich kehren, sondern sich ihnen aktiv stellen. Als nächster Schritt muss es darum gehen, die richtige Prävention auszuloten.

Eigene Bonität prüfen

Sobald das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist oder es Schuldner schaffen, die Gläubiger aus eigener Kraft zu bedienen, herrscht in der Regel große Erleichterung. Doch auch nach dem steinigen Weg aus der Schuldenfalle gibt es viel zu tun.

Gerade im Hinblick auf die Zukunft und die kommenden Jahre müssen weitere Weichen gestellt werden. Ein wichtiger Schritt sollte im Check-Up der Vermögensverhältnisse bestehen, was die Prüfung der Bonität beinhaltet. Diese hat in der zurückliegenden Phase in jedem Fall gelitten. Denn öffentlich gemachte Insolvenzverfahren landen in den Daten der Auskunfteien wie der SCHUFA.

Diese sammeln verschiedene Informationen zu Verbrauchern und Unternehmen. Ein Fokus liegt dabei im finanziellen Bereich rund um Kontodaten oder Verträge mit regelmäßigen Verbindlichkeiten. Natürlich landet nicht jedes Detail bei den Auskunfteien. Öffentliche Bekanntmachungen sind allerdings schwierig geheim zu halten. Schuldner haben aber das Recht, ein erfolgreich durchlaufenes Insolvenzverfahren bei den Auskunfteien löschen zu lassen.

Allgemein gelten für die Speicherung Fristen, auf die sich die Unternehmen mit Datenschützern geeinigt haben, wie:

  • Eröffnung des Verfahrens wird 3 Jahre gespeichert
  • Erfolgreicher Abschluss wird 3 Jahre gespeichert
  • Abweisung Insolvenzantrag wird 5 Jahre gespeichert.

Damit bleibt eine Insolvenz bei den Schuldnern über Jahre eingetragen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Bewertung der Bonität. Auf der anderen Seite gibt es inzwischen in Teilen eine neue Rechtsprechung. Diese lehnt lange Speicherfristen ab.

In einem Verfahren aus dem Jahr 2018 entschied beispielsweise das LG Frankfurt/Main die sofortige Löschung des Eintrags zur Restschuldbefreiung. Wer eine Insolvenz durchlaufen hat, sollte die Auskunfteien auf jeden Fall im Auge behalten. Sofern Daten nicht gelöscht werden, ist es Zeit, zu handeln und eventuell selbstständig eine Löschung in die Wege zu leiten.

Negativeinträge bei den Auskunfteien sorgen dafür, dass die eigene Bonität leidet. Es wird schwierig, neue Mobilfunkverträge oder vielleicht sogar eine neue Wohnung zu finden.

Einen Einblick in die eigene Bonität zu bekommen ist für Verbraucher stets möglich. Seit einigen Jahren haben sie ein gesetzlich verankertes Recht, von Auskunfteien Infos zu gespeicherten Daten zu erhalten. Dies passiert zwar nur auf Antrag, Kosten fallen dabei aber nicht zwangsläufig an. Hier lässt sich sehr schnell erkennen, ob die Insolvenz fristgerecht gelöscht wird.

Ein weiterer Vorteil: Durch den Datenabgleich lassen sich Fehler in Datensätzen erkennen. Es passiert leider immer wieder, dass den Auskunfteien nicht korrekte Infos übermittelt werden.

Das eigene Verhalten ändern und die Fehler nicht wiederholen

Der Weg in die Schuldenfalle kann relativ kurz sein. Einige Schuldner geraten ohne eigenes Zutun in diese Situation. Eine schwere Krankheit kostet den Job, das Eigenheim kann nicht mehr finanziert werden, die Zwangsversteigerung bringt nicht genug Geld ein. Oft ist es aber auch eine falsche Einstellung zum Geld.

Wer den Weg aus der Schuldenfalle schafft, muss sich auch fragen, wie dies auch künftig möglichst vermieden werden kann. In einigen Fällen fehlte vor allem der Überblick über die eigenen Finanzen. Dann wurden zu viele Ausgaben über Kredite oder andere Verträge angesammelt, die sich mit dem regelmäßigen Einkommen nicht mehr begleichen ließen.

Haushaltsbuch führen: Überblick hilft bei der Ausgabenkontrolle

© stock.adobe.com @ fovito

Eine gute und bewährte Hilfe ist ein Haushaltsbuch. Zu Großmutters Zeiten war es in vielen Haushalten verbreitet – einfach um einen Überblick zu den Finanzen zu behalten. In Zeiten von:

  • Händlerfinanzierungen
  • Prozent Finanzierung
  • Smartphoneverträgen
  • Klein- und Sofortkrediten

nimmt es ein Teil der Haushalte mit den Ausgaben nicht mehr ganz so genau. Gekauft wird, was gefällt. Am Monatsende wird dann das Geld immer knapper. Der Weg über den Dispokredit des eigenen Kontos ist aufgrund der hohen Zinsen nicht die beste Lösung und oft der erste Schritt in die Schuldenfalle.

Dabei könnte genau jetzt das Haushaltsbuch helfen – indem sämtliche Ein- und Ausgaben dokumentiert werden. Dabei wird deutlich, wieviel Geld jeden Monat ausgegeben wird. Sich einzuschränken und unnötige Kosten zu vermeiden, fällt dann vielen leichter. Das Haushaltsbuch ist aber nicht einfach nur eine Gedächtnisstütze dafür, dass Fehler teuer werden und lange brauchen, um ausgemerzt zu werden.

Anhand des Haushaltsbuches sehen Ex-Schuldner, welche Ausgaben regelmäßig anfallen – und was nur sehr unregelmäßig die Haushaltskasse belastet. Gerade die Kfz-Steuer oder Versicherungen und Reparaturen sind nicht jeden Monat fällig. Dafür geht es hier meist um höhere Beträge.

Wer sich dafür entscheidet, ein Haushaltsbuch zu führen, kann auf der einen Seite gut den Überblick bewahren. Andererseits sind Verbraucher mit dessen Hilfe im Bild, welche Ausgaben eigentlich nicht sein müssen. Somit bleiben sie vorbereitet, welche unregelmäßigen Ausgaben die Haushaltskasse belasten können. Dazu lassen sich dann frühzeitig Rücklagen bilden:

Notreserve aufbauen: Auf den nächsten Engpass vorbereiten

© stock.adobe.com @ lovelyday12

Dieser zweite Schritt ist ebenfalls wichtig. Es geht darum, ein finanzielles Polster zu haben, um kurzfristig auf einen plötzlich höheren finanziellen Bedarf angemessen reagieren zu können. Für die Höhe dieser Rücklagen ist entscheidend, welche Möglichkeiten der jeweilige Haushalt hat. Mit einem Nettoeinkommen von 1.500 Euro lässt sich von heute auf morgen keine Reserve von 3.000 Euro aufbauen. Als Richtwert sollten zwei bis drei Nettomonatsgehälter gelten. Da Schuldner nach der Insolvenz selten über hohe Vermögen verfügen, muss der Aufbau schrittweise passieren. Jeden Monat 50 Euro bis 100 Euro auf die Seite zu legen bringt auf ein Jahr gerechnet bereits viel.

In diesem Zusammenhang können auch andere Wege sinnvoll sein. Sparpläne etwa bringen eine Verzinsung, wodurch die Reserve schneller aufgebaut werden kann.

Achtung: Verbraucher müssen sich sehr genau anschauen, was hinter den Sparplänen steckt. Aktien oder riskante Wertpapiere sind nicht dazu gemacht, alles auf eine Karte zu setzen.

Nach der Schuldenfalle ist vor der Schuldenfalle

Was zuallererst gebraucht wird, ist aber ein Umdenken. Jeder Ex-Schuldner muss sich mit Fehlern der Vergangenheit beschäftigen – damit sich diese in Zukunft nicht wiederholen. Auch beim Thema Geld lässt sich durch neue Betrachtungsweisen und Umgangsformen viel erreichen.

Einerseits ist das Haushaltsbuch ein Ansatz, um die Kontrolle über eigene Ausgaben zu behalten. Auf der anderen Seite muss es darum gehen, sich eine Reserve aufzubauen. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur B. Fuchser

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