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Mehrere Supermärkte senken die Käsepreise

Viele Lebensmittel sind seit Monaten deutlich teurer. Hersteller begründen das mit gestiegenen Kosten, Experten auch mit Profitgier. Zumindest beim Käse sinken die Preise in manchen Märkten wieder etwas.

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Bei den Preisen für Käse tut sich etwas.
Bei den Preisen für Käse tut sich etwas. © Symbolfoto: Robert Michael

Hamburg/Dresden. Seit Monaten sind Deutschlands Verbraucher von gestiegenen Lebenshaltungskosten betroffen. Vor allem an den Supermarktkassen machte sich das bemerkbar: Butter, Käse, Eier, Mehl, Brot - kaum ein Produkt ist nicht teurer geworden. Doch in manchen Bereichen sinken die Preise mittlerweile wieder. Nach der billiger gewordenen Butter geben auch die Käsepreise etwas nach. Discounter Aldi hatte schon vor Wochen erste Senkungen bekanntgegeben, nun ziehen andere nach.

Wie der Discounter Lidl am Montagmorgen mitteilt, sinken in den rund 3.200 Filialen ab sofort dauerhaft die Preise zahlreicher Käseartikel. So kostet Gouda in Scheiben der Eigenmarke "Milbona" statt bisher 3,49 Euro ab sofort 2,99 Euro. Auch Mozzarella, Edamer und Butterkäse fallen im Preis.

Auch die Supermarktkette Kaufland, die wie Lidl zur Schwarz Gruppe mit Sitz in Neckarsulm gehört, zieht mit. Hier werden die Verkaufspreise für Käse-Artikel seiner Eigenmarke K-Classic gesenkt. Als Grund dafür nennt das Unternehmen gesunkene Rohwarenpreise.

Zudem kündigte der Discounter Norma am Montag an, mehrere Käseprodukte wie Emmentaler, Gouda oder Mozzarella ab sofort um bis zu 17 Prozent günstiger anzubieten. Das Unternehmen hatte bereits vor rund einem Monat erste Eigenmarken-Käsesorten verbilligt.

Experten kritisieren Preisgestaltung

Auch wenn Käse und Butter nun wieder etwas günstiger zu haben sind, bleibt die Preisgestaltung in der Lebensmittelbranche nicht ohne Kritik. Nach Einschätzung des Kreditversicherers Allianz-Trade etwa ist der enorme Anstieg der Preise nicht nur auf die gestiegenen Rohstoffkosten und Energiepreise zurückzuführen. Denn teilweise stiegen die Verbraucherpreise darüber hinaus. "Übermäßige Gewinnmitnahmen" hätten spürbar zur Lebensmittelinflation im vergangenen Jahr beigetragen, sagte der Inflationsexperte von Allianz-Trade, Andy Jobst.

"Es scheint zunehmend Anzeichen für Gewinnmitnahmen zu geben sowie unzureichenden Wettbewerb in den Bereichen mit besonders starken Preissteigerungen, wie zum Beispiel bei Herstellern von Milchprodukten und Eiern, aber auch bei nicht-saisonalem Gemüse und Obst", sagte der Branchenkenner jetzt der Nachrichtenagentur dpa. Mehr als ein Drittel der Verteuerung in den vergangenen Monaten könne in Deutschland nicht mit den traditionellen Treibern wie den Rohstoffkosten oder der Entwicklung der Energiepreise werden, sagte Jobst.

Hersteller als Preistreiber

Europaweit lagen die Lebensmittelpreise Allianz Trade zufolge im ersten Quartal um knapp 15 Prozent über dem Vorjahresniveau, in Deutschland sogar um rund 22 Prozent. "Wir beobachten, dass insbesondere Lebensmittelhersteller hungrig nach Profiten sind. Sie haben die Preise wesentlich stärker erhöht als die Einzelhändler", sagte der Allianz Trade-Branchenexperte Aurélien Duthoit.

Die Lebensmittelproduzenten hätten in Deutschland 2022 rund 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufgeschlagen, der Lebensmitteleinzelhandel dagegen "nur" 12,6 Prozent. Viele Einzelhändler hätten offenbar nicht alle gestiegenen Kosten an die Kunden weitergegeben. Das zeige sich auch in schrumpfenden Bruttomargen vieler Händler.

Mit einem schnellen Ende der Preissteigerungen bei Lebensmitteln rechnen die Allianz-Trade-Experten nicht. Sie erwarten, dass sich Nahrungsmittel in Deutschland in diesem Jahr noch einmal um mehr als zwölf Prozent verteuern. "Für das nächste Jahr sind die Aussichten bei der Teuerung von Lebensmittel besser", sagte Jobst. Allerdings bedeute das in vielen Fällen eher eine Stagnation der Preise. "Durchgesetzte Preiserhöhungen werden erfahrungsgemäß nur selten zurückgenommen." (SZ mit dpa)