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Sachsens Luftfahrtindustrie - ein Steckbrief

Die Deutsche Aircraft lädt am Dienstag zum Spatenstich für ein neues Flugzeugwerk bei Leipzig ein. Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme.

Von Luisa Zenker
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Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, sitzt bei seinem Besuch bei der EFW Elbe Flugzeugwerke GmbH im Cockpit eines Airbus A330 der zum Frachtflugzeug umgebaut wird.
Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, sitzt bei seinem Besuch bei der EFW Elbe Flugzeugwerke GmbH im Cockpit eines Airbus A330 der zum Frachtflugzeug umgebaut wird. © dpa

Als Luftfahrtpionier Otto Lilienthal 1878 mit Freiflugmodellen im Plauenschen Grund in Dresden experimentierte, ahnte er sicherlich nicht, wie die sächsische Luftfahrtindustrie später einmal boomen wird. Dabei legte bereits das in Sachsen hergestellte DDR-Flugzeug des Typs 152 einen Grundstein für die Luftfahrt. Auch wenn es drei Monate später abstürzte, positive Folgen hatte es trotzdem.

Denn 160 Firmen und Forschungseinrichtungen mit rund 7.000 Beschäftigten und 1,4 Milliarden Jahresumsatz tummeln sich heute in der Branche des Freistaates. „Die klein, aber fein ist“, um es mit den Worten von Wirtschaftsminister Martin Dulig zu beschreiben, der trotz Klimawandel an Luftverkehr festhält. Und die Zukunft besonders in synthetischen Kraftstoffen sieht, um auch künftig Fracht von Kontinent zu Kontinent zu befördern.

Weltweit bekannt dafür sind insbesondere sie Elbe-Flugzeugwerke. Sie hauchen ausgedienten Passagierflugzeuge ein zweites Leben ein, indem sie die Flieger für den Frachtverkehr umrüsten. Dieses Segment wächst weiterhin, gerade auch durch neue und aufgegeben Lieferbeziehungen, die mit dem russischen Angriffskrieg entstanden, weiß EFW-Geschäftsführer Jordi Boto.

Von Dresden aus steuert der Spanier neun Umrüststandorte auf drei Kontinenten, unter anderem in den USA, in China und der Türkei. Mit über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahres-Umsatz von über 400 Millionen Euro. 2023 verwandelten sie 20 Flieger zu Frachtern, ab 2024/25 wollen sie jährlich bis zu 60 Airbus Fracht-Flugzeuge auszuliefern. Dafür suchen sie bereits jetzt 350 neue Mitarbeiter am Standort Dresden.

Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, steht im Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden im Windkanal. Dulig besuchte am Thementag Luftfahrtindustrie sechs Unternehmen und Institute dieser Branche in Dresden und machte sich ein
Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, steht im Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden im Windkanal. Dulig besuchte am Thementag Luftfahrtindustrie sechs Unternehmen und Institute dieser Branche in Dresden und machte sich ein © dpa

Doch neben dem Flugzeugwerk wartet Sachsen mit weiteren führenden Unternehmen auf. Denn wer glaubt mit dem Flugzeug die sächsische Landeshauptstadt zu verlassen, bleibt ihrem Boden treu. Und auch wer sein Geschäft im Flug verrichten muss, verlässt die Dresdner Gewässer nicht. Bordtoiletten, Bordküche, Kabinenausstattung gehören zum Portfolio der Diehl-Gruppe im Dresdner Norden. Gleich daneben sitzt die Firma Nehlsen-BWB, die zu 70 Prozent in der Luftfahrtindustrie aktiv ist. Zwar steigt bei ihnen der jährliche Umsatz auf mehr als 20 Millionen Euro, doch fehlt es an Personal. Denn ob Kleiderhaken oder Hydraulikteil - all das muss für das Flugzeug veredelt werden und dafür benötigen sie Oberflächenbeschichter.

Neben der Industrie kann sich auch die Forschung in Sachsen sehen lassen, 13 Prozent des sächsischen Umsatzes fließen wieder in die Entwicklung. So will die Luftfahrtbranche bis 2050 klimaneutral werden. Um das zu erreichen, geht es nicht nur um grüne Antriebsstoffe, sondern auch um Effizienz. Die Flugzeuge sollen leichter werden, Winde besser nutzen, weniger Energie verbrauchen. Daran forscht unter anderem das 2017 gegründete Institut für Softwaremethoden des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Dresden.

Hier werden mit Supercomputern digitale Zwillingen entwickelt, um Flugversuche am Computer zu simulieren bevor die Flieger auf der Startbahn gen Himmeln düsen. Zudem hat sich das 2018 aus der TU Dresden ausgegründete Start-up Herone zum Ziel gesetzt, Flugzeuge auf Diät zu setzen. Mittels recyclebaren Carbonfasern wollen sie Flugzeuge leichter und somit nachhaltiger machen. Denn pro Kilogramm eingesparten Gewicht emittiere man 9,5 Tonnen weniger Kohlenstoffdioxid, rechnen die Unternehmer vor. Das entspricht etwa dem jährlichen Fußabdruck eines Bundesbürgers.