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Darauf hofft Sachsens Handy-Großhändler Komsa beim Homeoffice

Mit Versandhandel und Reparaturwerkstatt ist Komsa zu einem der größten sächsischen Unternehmen geworden. Chef Jean-Pascal Urbon hat eine Idee, wie Corona-Folgen die Firma weiter wachsen lassen können.

Von Georg Moeritz
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Am laufenden Band: Mehr als 30.000 Pakete mit Computertechnik verlassen an manchen Tagen die Komsa AG in Hartmannsdorf bei Chemnitz.
Am laufenden Band: Mehr als 30.000 Pakete mit Computertechnik verlassen an manchen Tagen die Komsa AG in Hartmannsdorf bei Chemnitz. © Komsa

Hartmannsdorf. Meistens sitzt Andreas Küchler an einem Samsung-Arbeitsplatz, an diesem Tag ist er mal für Apple zuständig. In der Reparaturwerkstatt des Großhändlers Komsa AG in Hartmannsdorf bei Chemnitz zeigen Schilder an jedem Gang, welche Handy-Marke dort repariert wird. Küchler tauscht vor allem gebrochene Displays aus.

Auf Platz 2 der Reparaturwünsche stehen neue Akkus. Der Kommunikationselektroniker findet in den Regalen hinter sich die sortierten Ersatzteile. Manche muss Küchler allerdings streng nach Herstellervorgabe mit Nummer aus dem Lager anfordern - nur im Tausch alt gegen neu.

Die Komsa-Werkstatt ist einer der größten Handy-Reparaturbetriebe Europas, und nebenan laufen die Transportbänder eines der größten Großhändler für Smartphones, Tablets und Notebooks. Mehr als 30.000 Pakete mit Computertechnik verlassen an manchen Tagen die Komsa-Versandhalle.

Es werden wohl noch mehr: "Corona hat dazu geführt, dass die Anzahl der Geräte enorm nach oben geht", sagt der Firmenchef. Der Finanzexperte Pierre-Pascal Urbon ist seit zwei Jahren Vorstandschef des sächsischen Unternehmens, das jetzt 1.170 Menschen beschäftigt. Urbon will nicht mehr Mitarbeiter, aber mehr Aufträge, größere Marktanteile.

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Bei einer Feier zum 30-jährigen Firmenbestehen sagte der Vorstandschef, Komsa werde vom mobilen Arbeiten profitieren. Unternehmen und Verwaltungen benötigten mehr Technik. "Weitsichtige Unternehmen verzichten auf den Bürozwang", sagte Urbon. Sie nutzen nach seiner Ansicht Homeoffice und mobiles Arbeiten, "um neue Talente zu gewinnen und die Bindung zu erhöhen".

Komsa-Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon erwartet, dass mobiles Arbeiten in immer mehr Betrieben üblich wird und ihm Aufträge beschert.
Komsa-Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon erwartet, dass mobiles Arbeiten in immer mehr Betrieben üblich wird und ihm Aufträge beschert. © Komsa

Firmen sollen Technik leihen statt kaufen, zum Monatspreis

Von Kollegen aus dem eigenen Haus hat Urbon Vorteile gehört und für eine Videopräsentation aufzeichnen lassen: Da ist der Informatiker, der in der Pandemie das Kochen gelernt hat und zu Hause konzentriert arbeiten kann. Die Mutter, die ihr Kind vom Training abholen will und die Wartezeit im Auto mit Arbeit am Laptop überbrückt. Eine Mitarbeiterin berichtet, dass ihr Kind Bronchitis hatte, daraufhin wurde eine Woche mobil an der Ostsee gearbeitet.

Laut Urbon wird mobiles Arbeiten ein wichtiger Baustein, um eine der größten Krisen der kommenden Jahre zu meistern - den Fachkräftemangel. "Wir glauben, dass das den Zeitgeist trifft." Gerade kleine und mittlere Unternehmen stünden noch in den Startlöchern.

Allerdings weiß der Komsa-Chef auch, dass die meisten Firmen nicht auf die Verwaltung vieler mobiler Geräte eingestellt sind. "Die Unternehmen wollen nicht alle prüfen, welche Software darauf ist und was sie tun müssen, wenn es hingefallen ist." Daher will Komsa groß ins Geschäft mit Leihgeräten einsteigen, für eine monatliche Pauschale pro Handy oder Laptop.

Nachschubmangel auch bei gebrauchten Smartphones

Komsa hat eine Umfrage unter 500 Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern vom Hamburger Institut IMWF machen lassen. Das Ergebnis bestätigt Urbon: Acht von zehn Unternehmen kaufen bisher ihre Firmengeräte, statt sie zu mieten oder zu leasen. In 93 Prozent der Firmen können Mitarbeiter eigene Geräte nutzen.

Das werde nicht so bleiben, sagt der Großhändler voraus und verweist auf die Datensicherheit. Künftig würden immer mehr Beschäftigte zwei Smartphones haben. Komsa werde sich um Software-Updates, Reparaturen und Wiederverwertung kümmern. Urbon nutzt nach eigenen Angaben im Dienst selbst ein gebrauchtes Smartphone.

Der Nachschubmangel hat allerdings auch Komsa getroffen. Bei Smartphones seien manchmal bestimmte Leistungsklasse oder Farben nicht verfügbar. Ähnlich wie bei Autos seien auch gebrauchte nicht mehr so leicht zu bekommen, sagt der Firmenchef. Urbon betont allerdings, dass Komsa ein großes Lager habe. Allerdings seien nun sogar Teile für Förderbänder knapp, mit Wartezeiten von bis zu einem Jahr.

Das Unternehmen ist in ganz Deutschland aktiv, im Osten laut Urbon etwas stärker. Schließlich hat der Schwede Gunnar Grosse den Betrieb vor 30 Jahren in Sachsen gegründet, auf einem geerbten Bauernhof in Hartmannsdorf.

Der heute 83-jährige Grosse ist nun wie seine Frau Karin im Aufsichtsrat der Komsa AG und sagt mit schwedischem Akzent in einer Videobotschaft Sätze wie: "Man muss das Ohr an die Schiene legen. Dann hört man den Zug kommen und kann sich vorbereiten. Die große Veränderung kommt noch." Mehr und mehr Probleme ließen sich dank technischer Geräte lösen.

Mit Mikroskop und Handschuhen, manchmal auch mit der Pinzette: Die Reparaturwerkstatt hat es vor allem mit gebrochenen Displays und alten Akkus zu tun.
Mit Mikroskop und Handschuhen, manchmal auch mit der Pinzette: Die Reparaturwerkstatt hat es vor allem mit gebrochenen Displays und alten Akkus zu tun. © Komsa

Urbon kündigt auch eine "Internationalisierung" an, ohne Länder nennen zu wollen. Aus Polen hatte sich Komsa allerdings schon einmal teilweise zurückgezogen und 2019 sein Reparaturcenter in Breslau mit rund 300 Arbeitsplätzen geschlossen. Damals sei ein Großauftrag verloren gegangen. Zeitweise hatte Komsa Polska ein Fünftel zum Umsatz beigetragen. Das Geschäft in Polen sei schwierig, sagt der Firmenchef und verweist auf die dort noch höhere Inflation und hohen Zinsen. Komsa habe dort voriges Jahr sein Management ausgetauscht.

Im Konzern insgesamt reduzierte Urbon die Belegschaft, im Geschäftsjahr 2020/21 um rund 100 Mitarbeiter. Die Belegschaft habe jetzt die richtige Größe. Allerdings seien derzeit rund 60 Stellen frei, sagt der Vorstandschef. Urbon betont, er werde die Reparatur in Hartmannsdorf nicht in Niedriglohnländer verlagern, um Lohnkosten zu senken.

Auf dem deutschen Markt lassen sich laut Urbon noch Marktanteile gewinnen. Die Kunden wollen nach seiner Erkenntnis Mehrwert bei Beratung und Logistik, das könne ein großer Händler wie Komsa bieten. Voriges Jahr stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Vom Bilanzgewinn im Geschäftsjahr 2020/21 in Höhe von fast zehn Millionen Euro flossen zwei Millionen Euro an die Besitzer. Ein Börsengang sei nicht geplant, sagt Urbon, Komsa sei ein Familienunternehmen.

Der Firmenchef sieht vier Trends, die der Digitalbranche Wachstum in den kommenden zehn Jahren bescheren werden: Außer dem mobilen Arbeiten gehört der neue Mobilfunkstandard 5G dazu. Beide Trends werden laut Komsa-Prognose die Zahl der mobilen Geräte wachsen lassen.

Der dritte Trend: Cloud Computing, also das Auslagern der Daten, das auch beim Mittelstand zu Investitionen in digitale Infrastruktur führt. Als vierten Trend sieht Urban das gesellschaftliche Streben nach einem nachhaltigeren Lebensstil. Dazu trägt ein Zweithandy zwar nicht bei, doch Komsa verspricht Reparatur und Recycling: "Wir schenken den Geräten ein zweites Leben." In der Werkstatt hält Andreas Küchler den nächsten Akku bereit.