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Neue Wohnungen in Bautzener Denkmal

In dem Bautzener Barockhaus An den Fleischbänken entstehen mehrere Wohnungen. Von den drei Gewerberäumen im Erdgeschoss sind zwei bereits vergeben.

Das Barockhaus An den Fleischbänken 7 in Bautzen wird derzeit saniert und umgebaut. Hier entstehen neue Wohn- und Gewerberäume.
Das Barockhaus An den Fleischbänken 7 in Bautzen wird derzeit saniert und umgebaut. Hier entstehen neue Wohn- und Gewerberäume. © Steffen Unger

Bautzen. Wer dieser Tage durch die Bautzener Altstadt flaniert, kann mit etwas Glück ins Erdgeschoss eines der bekanntesten Denkmale der Stadt schauen. Denn hier, An den Fleischbänken 7, arbeiten seit Wochen Handwerker, um das Haus umzubauen und zu sanieren. An den Fenstern wird für barocke Wohn- sowie Gewerberäume in historischen Gewölben geworben, die bald zu haben sein sollen. Für Eigentümerin Urte Falk geht es dabei nicht nur darum, Räume zu vermieten. „Es ist ein historisches Gut - und für mich Geschichte, die hier weitergegeben wird.“

2019 hat sie das Gebäude von ihrer Mutter, Dr. Dora Magdeburg-Falk, übernommen, die es 1992 gekauft und gerettet habe. „Es ist eines der wenigen Denkmalobjekte in Bautzen, die noch so gut erhalten sind, vor allem in Bezug auf die historische gotische und barocke Bausubstanz“, erklärt Urte Falk, die in Dresden ihr Architektur- und Sachverständigenbüro führt und sich selbst um die Planungen für den Umbau kümmert. „Alles, was nachträglich eingebaut wurde, bauen wir zurück. So stellen wir die historischen Raumstrukturen wieder her.“

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Das Erdgeschoss mit den Gewölberäumen wird zuerst fertig sein. Das Mauerwerk muss trockengelegt und der Fußboden erneuert werden.
Das Erdgeschoss mit den Gewölberäumen wird zuerst fertig sein. Das Mauerwerk muss trockengelegt und der Fußboden erneuert werden. © Steffen Unger

So wurden etwa originale Granitplatten freigelegt, die vorher überdeckt waren. „Der Prozess des Rückbaus und der Wiederherstellung ist eine Spurensuche, bei der auch immer wieder neue Gedanken und Ideen entstehen“, erklärt die Architektin.

Frisörsalon zieht ins Erdgeschoss des Bautzener Barockhauses

Die Gewölbe und weitere Räume im Erdgeschoss werden zuerst fertig sein und sind zum Teil schon vergeben. „Das Mathestudio von oben zieht ins Erdgeschoss. Dazu kommt ein Frisörsalon in den ehemaligen Räumen des Antiquariats Keller. Beide Gewerbe sind ab September vermietet. Es sind im Erdgeschoss noch weitere gotische Geschäftsräume auf der Südseite mit rund 85 Quadratmetern zu haben“, führt Urte Falk aus.

Doch bis dahin gibt es hier noch viel Arbeit, denn die historische Bausubstanz hat zwar ihren Reiz, aber natürlich auch mittlerweile ihre Schwächen. „Weil das Mauerwerk feucht ist, mussten wir erst die Fußbodenaufbauten rausreißen und den Putz abschlagen, um es dann im Mauersägeverfahren trockenlegen zu können“, ergänzt die Eigentümerin. „Den Fußbodenaufbau haben wir vollständig entfernt, weil er keine Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit und auch keine Wärmedämmung hatte. Antiquar Arnd Keller hat das im Winter regelmäßig gespürt, auch an den Heizkosten.“

Jetzt sollen der Fußboden abgedichtet und die erforderliche Wärmedämmung einschließlich einer Fußbodenheizung eingebaut werden. Die Grundleitungen und die gesamte Haustechnik des Erd- und ersten Obergeschosses werden auch erneuert.

Früher sind die Bewohner des Hauses durch den Holzflur zur Außentoilette gegangen.
Früher sind die Bewohner des Hauses durch den Holzflur zur Außentoilette gegangen. © Steffen Unger

Urte Falk möchte in dem Haus den historischen Rohbau mit den „einmaligen Gewölben und schönen Stuckdecken wieder sichtbar machen“. Laut Sabine Webersinke vom Landesamt für Denkmalpflege in Sachsen ist das Gebäude „ein stattliches und hochwertvolles Barockhaus mit älterem Kern. Es entstand in seinem heutigen Erscheinungsbild um 1790 und ist eins der wertvollsten Barockhäuser Bautzens.“

Erdgeschoss diente früher als Pferdestall

Bemerkenswert seien vor allem die Haushalle und die hohen Gewölbe im Erdgeschoss sowie die herrschaftlichen Räume im ersten und zweiten Obergeschoss mit Stuckdecken und teilweise erhaltenen Originaltüren. Bereits 1909 wurde es von Cornelius Gurlitt in der „Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen“ kurz umrissen.

Dieser ältere Kern, vom dem Sabine Webersinke spricht, wurde laut Urte Falk im 15. und 16. Jahrhundert als Brauerei und Weinkelterei genutzt. „Die Fuhrwerke sind durch das barocke Tor im Erdgeschoss nach hinten durchgefahren, um Waren im Lager abzuladen. Dort gab es keine Decke, sondern einen Lichthof. Und sehr wahrscheinlich wurden manche Räume im Erdgeschoss über Jahrzehnte lang als Pferdeställe genutzt, wie die Laboranalysen des Putzes beweisen.“

Die historischen Stahltüren aus dem Obergeschoss sollen im Erdgeschoss verbaut werden.
Die historischen Stahltüren aus dem Obergeschoss sollen im Erdgeschoss verbaut werden. © Steffen Unger

Und so will Urte Falk nicht nur neue Gewerberäume im Erdgeschoss schaffen, sondern auch drei neue Wohnungen im ersten Obergeschoss bauen. Die hier befindlichen historischen Stahltüren sollen im Erdgeschoss verbaut werden. Die drei Wohnungen werden aber voraussichtlich nicht mehr dieses Jahr fertig. Zudem werde eine der bestehenden Wohnungen im Dachgeschoss umgebaut, weil dort ein zweiter Rettungsweg erforderlich ist.

Was mit diesem Zimmer und dem benachbarten ehemaligen Labor im ersten Obergeschoss wird, steht noch nicht fest. Derzeit nutzt es Urte Falk als Baubüro für die Sanierung des Hauses An den Fleischbänken 7 in Bautzen.
Was mit diesem Zimmer und dem benachbarten ehemaligen Labor im ersten Obergeschoss wird, steht noch nicht fest. Derzeit nutzt es Urte Falk als Baubüro für die Sanierung des Hauses An den Fleischbänken 7 in Bautzen. © Steffen Unger

Und über dem Dachgeschoss, also im Oberdach, werde es wahrscheinlich auch noch eine neue Wohnung geben, sagt die Eigentümerin. Alle jetzigen Mieter blieben im Haus. Nur „was aus den Räumen im Obergeschoss zur Straßenseite wird, steht noch nicht fest. In einem war 25 Jahre das Labor meiner Mutter. In einem Teil dieser Räume habe ich vorübergehend mein Baubüro eingerichtet.“

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Und auch ob die geplanten neuen Balkone an der Westseite Richtung Dom installiert werden können, hänge noch von der Finanzierung ab. „Bis jetzt habe ich noch keinen Förderbescheid vom Denkmalamt bekommen. Ob ich den noch erhalte und wie viel Geld das sein wird, weiß ich noch nicht. Aber ohne Förderung würden bestimmte Dinge wegfallen.“ Denn eins stehe für Urte Falk auch fest: „Das, was ich mache, muss hochwertig und dauerhaft sein, so wie es diesem geschichtsträchtigen Haus gebührt.“

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