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In Neschwitz fehlt ein Spielplatz

Die Gemeinde hat kein Geld, um im einwohnerstärksten Ortsteil ein Gelände für Kinder zu schaffen. Jetzt ergreifen Einwohner die Initiative.

Anett Pötschke, Anita Knies und Ramona Clauß (v. l.) sind drei von vier Gemeinderatsmitgliedern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Neschwitz einen Spielplatz zu schenken. Gebaut werden soll der noch in diesem Jahr - wenn die Voraussetzungen stimmen.
Anett Pötschke, Anita Knies und Ramona Clauß (v. l.) sind drei von vier Gemeinderatsmitgliedern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Neschwitz einen Spielplatz zu schenken. Gebaut werden soll der noch in diesem Jahr - wenn die Voraussetzungen stimmen. © SZ/Uwe Soeder

Neschwitz. Es gibt eine ganze Reihe von Orten in Neschwitz, an denen man ein paar Minuten verweilen kann. Da wären das Barockschloss mit seinem weitläufigen Park, der Eiszeit-Lehrpfad oder das Heimatmuseum - um nur einige zu nennen. Was es aber noch nicht gibt - und daran stören sich insbesondere drei Gemeinderätinnen und ein Gemeinderat schon seit einigen Jahren - ist ein öffentlicher Spielplatz in dem einwohnerstärksten Ortsteil im Gemeindegebiet.

Das Problem ist nur: Die Neschwitzer Gemeindekasse ist notorisch klamm, und viele andere Aufgaben sind zu erledigen. Dafür, dass die Gemeinde die Ausgabe nicht aus eigenen Kräften stemmen kann, sagt Gemeinderätin Anita Knies, habe die Vierer-Koalition auch durchaus Verständnis. "Dennoch hat es uns gewurmt, dass nichts in Angriff genommen wird. Ein Dorf ohne Spielplatz, das ist doch komisch", fährt sie fort.

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Gemeinde tauscht Grundstücke

Anita Knies, Anett Pötschke, Ramona Clauß und Jens Wetzko beschlossen deshalb, selbst aktiv zu werden und machten sich zunächst auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Das gestaltete sich schwierig: "Vieles, was wir gefunden haben, wäre zu weit abgelegen gewesen. Es hätte dadurch die Gefahr von Vandalismus bestanden", sagt Ramona Clauß rückblickend. Ein Ort direkt im Gemeindezentrum aber, nämlich das Grundstück, auf dem vor rund viereinhalb Jahren der alte Fischkonsum abgerissen worden war, schien den vieren wie gemacht für ihr Vorhaben: "Die Lage ist günstig. Parkplatz, Schloss und Gasthof sind direkt in der Nähe. Die Idee wurde uns immer sympathischer", sagt Anett Pötschke.

Das Grundstück unmittelbar am Kreisverkehr war damals noch in privater Hand. Die Gemeindeverwaltung sprang ein und arrangierte einen Grundstückstausch. Mit der Freiwilligen Feuerwehr sowie dem Reit- und Fahrverein fanden sich weitere Unterstützer. "Die Vereine können Fördermittel beantragen. Ohne sie wären wir aufgeschmissen gewesen", sagt Ramona Clauß.

Der gemeinsame Kraftakt lohnte sich: Die Leader-Projektförderung stellte Fördermittel in Aussicht. Mit Kosten von insgesamt 30.000 bis 35.000 Euro rechnen die Initiatoren. Eine Ausstattung für Kleinkinder und ältere Kinder mit separaten Spielbereichen schwebt ihnen vor. "Die bis Dreijährigen werden bei solchen Planungen oft vergessen", sagt Anett Pötschke. Spielgeräte für Kleinkinder seien weniger hoch und so konzipiert, dass die Mädchen und Jungen nicht herausfallen können. Auf die Spielgeräte für die Älteren sollen sie hingegen aus eigener Kraft nicht klettern können.

Standort am Kreisverkehr ist umstritten

Unumstritten, auch daraus macht die vierköpfige Initiative keinen Hehl, sei der Standort bei der Bevölkerung nicht gewesen. Es hätte Bedenken gegeben, sagen sie, dass der Spielplatz zu nah am Kreisverkehr entstehe. Auch um die hübsch gestaltete Brandmauer am Haus neben dem Grundstück habe man sich gesorgt. Bedenken können die Spielplatzplaner entkräften: "Hier ist gar kein Platz, um zum Beispiel Ball zu spielen Das Grundstück wird an drei Seiten eingezäunt und ist nur vom Parkplatz aus zugänglich," sagt Ramona Clauß.

Was zum Spielplatzglück noch fehlt, ist der Eigenanteil, den Leader-Fördermittel-Empfänger immer aufzubringen haben. Im Fall des Neschwitzer Spielplatzes geht es um 7.500 Euro. Eine Spendenaktion über 99 Funken, das Crowdfunding-Projekt der Sparkasse, soll Abhilfe schaffen. Knapp 2.000 Euro hat die Aktion, für die noch bis 16. April gespendet werden kann, bereits eingebracht. Geht der Plan auf, sollen die drei geplanten Spielgeräte noch in diesem Sommer aufgestellt werden. Um Tüv und Wartung, so die vier Gemeinderäte, wolle sich anschließend die Gemeinde kümmern.

Gespendet werden kann über die Projektseite auf 99 Funken oder direkt auf das Spendenkonto der Neschwitzer Feuerwehr bei der Kreissparkasse Bautzen:
Freiwillige Feuerwehr Neschwitz
Kennwort: Spielplatz
IBAN: DE 49 8555 0000 1000 0473 22

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