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Bob-Krimi: Zwei Sachsen zeitgleich vorn

Das WM-Finale in Altenberg könnte spannender nicht sein. Vor dem letzten Lauf im Viererbob liegen zwei sächsische Teams in Führung. Jetzt ist alles möglich.

Die Weltmeister in Lauerstellung: Francesco Friedrich sowie seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Alexander Schüller waren nach den ersten zwei Läufen lediglich Vierter.
Die Weltmeister in Lauerstellung: Francesco Friedrich sowie seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Alexander Schüller waren nach den ersten zwei Läufen lediglich Vierter. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Vor dem letzten und entscheidenden WM-Lauf im Viererbob steht fest: Altenberg erlebt das knappste WM-Rennen aller Zeiten, spannend, dramatisch und inzwischen eine rein deutsche Angelegenheit mit lettischer Beteiligung. 

Zeitgleich in Führung liegen die beiden Piloten des BSC Sachsen Oberbärenburg mit ihren Teams: Nico Walther, der in Altenberg aufgewachsen ist und jetzt in Dresden wohnt, und Francesco Friedrich, der Zweierbob-Rekordweltmeister aus Pirna. Dritter ist die Mannschaft um den Königseer Johannes Lochner - mit 0,01 Sekunden Rückstand. "Wir hatten ja schon öfter enge Entscheidungen, aber das ist wirklich besonders", sagt Walther, der nach den zwei Läufen am Samstag noch mit 0,05 Sekunden Vorsprung vor den Letten um Oskars Kibermanis lag.

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Die sind in Lauf drei auf Rang vier zurückgefallen, haben mit lediglich 0,20 Sekunden Rückstand auf das sächsische Duo weiterhin alle Medaillenchancen. "Wer jetzt die wenigsten Fehler macht, wird gewinnen. Unser Ziel ist eine Medaille", sagt Walther. Damit dürfte sich Friedrich, nach dem ersten Tag noch auf Platz vier, nicht zufriedengeben. Er will den dritten Vierer-WM-Sieg hintereinander einfahren.

Nach zwei der vier Läufen lagen sogar gleich fünf Teams ganz dicht beieinander, getrennt von lediglich 0,09 Sekunden. Doch der Kanadier Justin Kripps konnte am Sonntag verletzungsbedingt nicht mehr antreten.

Der Vierer ist die Königsdisziplin im Bobsport und die WM-Entscheidung traditionell der letzte Wettkampf der Saison. Der vierte Lauf beginnt um 14.30 Uhr.

Gleich fünf Teams liegen ganz dicht beieinander

Überraschend und überaus spannend verlief bereits der Samstag, hier kurz zusammengefasst: Walther und seine Mannschaft, nach Lauf eins noch Fünfter, lagen in Führung vor dem lettischen Team von Oskars Kibermanis (+0,05 Sekunden) und der Crew des Königseers und WM-Zweiten im Zweier Johannes Lochner (+0,06). Zeitgleich waren die Kanadier um Kripps sowie das Team von Friedrich, die 2018 beide zeitgleich Zweier-Olympiasieger wurden. Sie hatten 0,09 Sekunden Rückstand auf Walther.

Nico Walther ballt die Faust. Er liegt bei seiner ganz persönlichen Heim-WM vor den entscheidenden zwei Läufen in Führung.
Nico Walther ballt die Faust. Er liegt bei seiner ganz persönlichen Heim-WM vor den entscheidenden zwei Läufen in Führung. © dpa

"Das genau diese fünf Teams vorne liegen, war zu erwarten. Und auch, dass es so eng zur Sache geht. Da wird am Sonntag sicher noch einiges durcheinandergewirbelt. Die gute Nachricht ist, dass unsere drei Teams um Gold fahren. Die schlechte Nachricht: Kripps und Kibermanis auch", blickte Bundestrainer René Spies auf die entscheidenden zwei Läufe am Sonntag voraus.

Einen Favoriten gibt es nicht, wobei Team Friedrich nach den Eindrücken des Samstags und gemessen an seinen Möglichkeiten (Heimvorteil, Material, Startleistung) wohl die größten Steigerungsmöglichkeiten hat. "Es wird ein Angriff von Francesco kommen", meinte auch der Bundestrainer.

Den mittlerweile 24 Jahre alten Startrekord haben sie schon mal. Team Friedrich ist auf den ersten 50 Metern in 5,01 Sekunden am schnellsten.
Den mittlerweile 24 Jahre alten Startrekord haben sie schon mal. Team Friedrich ist auf den ersten 50 Metern in 5,01 Sekunden am schnellsten. © dpa

Friedrich selbst gab sich kämpferisch. "Bei den knappen Abständen ist das Rennen noch gar nicht losgegangen, alles ist offen. Wir verändern ein paar Kleinigkeiten, nehmen andere Kufen und dann schauen wir mal. Die anderen müssen mit der Situation auch erst mal klarkommen", sagte der Pirnaer, der seit 2017 alle große Rennen gewonnen hat und sich nach dem sechsten WM-Sieg in Folge im Zweier nun auch zum dritten Mal hintereinander im Vierer zum Weltmeister krönen will. Und das am liebsten mit einem neuen Bahnrekord.

Den Startrekord hat er schon mal eingefahren. Gleich im ersten Lauf verbesserten Friedrich und seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Alexander Schüller die Bestmarke von Christoph Langen und dessen Mannschaft vom 12. Januar 1996 um 0,03 Sekunden auf 5,01 Sekunden. "Der Startrekord bringt uns nichts, wenn wir am Ende Vierter werden", kommentierte der Pilot des BSC Sachsen Oberbärenburg lapidar.

Er hat gute Chancen, am Ende wieder eine Medaille zu gewinnen. Schon im Zweier belegte Johannes Lochner den zweiten Platz.
Er hat gute Chancen, am Ende wieder eine Medaille zu gewinnen. Schon im Zweier belegte Johannes Lochner den zweiten Platz. © dpa

Doch der Weg zum Titel führt diesmal über Walther, der in Altenberg aufgewachsen ist und seine ganz persönliche Heim-WM erlebt. "Es war immer unser Ziel, hier eine Medaille zu gewinnen", betonte Walther, will aber vom Sieg noch nichts wissen. "Ja, es waren zwei gute Läufe. Aber wir profitieren auch von den Fehlern der anderen", sagte Walther, der von Paul Krenz, Joshua Bluhm sowie Eric Franke angeschoben wird - und am Start mehr als eine Zehntelsekunde langsamer ist als Friedrichs Schlitten. Seine Konsequenz: "Ich werde meine Jungs noch mal heiß machen und vielleicht auch eine kleine Extra-Prämie ausloben."

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