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Delta-Variante: Student infizierte sich in Dresden

Damit ist die indische Mutante vermutlich das erste Mal in der Stadt übertragen worden. Wie das Gesundheitsamt nun weiter vorgehen will.

In dem Dresdner Hochhaus an der Hildebrandstraße, indem der verstorbene indische Student lebte, befinden sich weiterhin Menschen in Quarantäne.
In dem Dresdner Hochhaus an der Hildebrandstraße, indem der verstorbene indische Student lebte, befinden sich weiterhin Menschen in Quarantäne. © Jürgen Lösel

Verdacht auf indische Corona-Mutante in Dresden nach Tod eines Studenten - was bisher bekannt ist:

  • Die Stadt Dresden hat ein gesamtes Wohnhaus - ein 15-geschossiges Studentenwohnheim in der Hildebrandstraße 7 - unter Quarantäne gestellt.
  • Hintergrund ist der Tod eines Studenten um die 30, der aus Indien stammt und Ende April von dort nach Dresden zurückkehrt.
  • In Dresden wird eine Coronavirus-Infektion bei ihm festgestellt und der Mann stirbt am 1. Juni in einem Krankenhaus, nachdem sein Zustand in wenigen Tagen deutlich schlechter geworden ist. Er hatte keine bekannten Vorerkrankungen.
  • Die Stadt hat den Verdacht, dass er mit der indischen Virusvariante (Delta-Variante) infiziert gewesen sein könnte. Proben des Verstorbenen, aber auch von sieben mit Corona infizierten Hausbewohnern sind deshalb genauer analysiert worden. Seit Freitag, 11. Juni, liegen erste Sequenzierungsergebnisse vor. Demnach ist die Delta-Variante bei dem Verstorbenen eindeutig identifiziert worden, bei drei Hausbewohner gilt dies als sehr wahrscheinlich. Endgültige Ergebnisse werden erwartet.

Update: 10.44 Uhr: Das Gesundheitsamt hat im Fall des verstorbenen indischen Studenten keine Obduktion angeordnet. "Den vorliegenden Erkenntnissen und Berichten zufolge handelt es sich um einen gleichwohl sehr schweren, aber typischen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung", so das Amt. Die Obduktion würde diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse bringen. "Es wurde daher nach Sichtung des Verlaufsberichtes von der Anordnung einer Obduktion abgesehen."

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Update: Freitag, 11. Juni, 7.31 Uhr: Das Dresdner Gesundheitsamt hat die Ermittlungen weitestgehend abgeschlossen. Demnach konnte die Delta-Variante bei dem verstorbenen indischen Studenten nachgewiesen werden, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit.

Auf die Frage, ob der Infektionsursprung ermittelt werden konnte, antwortet die Stadt mit einem klaren "Ja". "Die Fallermittlung hat ergeben, dass die verstorbene Person mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Infektion in Dresden und damit nicht auf einer Auslandsreise erworben hat." Die Infektion gehe demnach auf eine andere positiv getesteten Person zurück. Zwischen ihr und dem Studenten habe ein relevanter Kontakt bestanden - eine Übertragung der Infektion auf diesem Wege sei deshalb anzunehmen. Beim diesem "Quellfall", wie ihn das Gesundheitsamt nennt, sei ebenfalls die Delta-Variante nachgewiesen worden.

Nach dem Tod des Studenten hatte die Stadt sein komplettes Wohnhaus an der Hildebrandstraße in Strehlen unter Quarantäne gestellt und alle 170 Bewohner getestet. Bei sieben fielen die Ergebnisse positiv aus. Und seit Freitag ist klar, dass bei drei dieser sieben Bewohner ebenfalls eine Infektion mit der Delta-Variante sehr wahrscheinlich ist. Die genauen Ergebnisse stünden noch aus, hieß es. "Deshalb wurde in diesen Fällen schon aufgrund des Verdachtes der Virusmutation die Absonderung angeordnet beziehungsweise verlängert." Dies sei auch vor dem Hintergrund entschieden worden, dass die Delta-Variante als schneller übertragbar gilt. Neben den Verdachtspersonen befinden sich aktuell 13 weitere Personen in Quarantäne, da sie engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten.

Update: Dienstag, 8. Juni, 15.59 Uhr: In Dresden ist Ende vergangener Woche ein komplettes Hochhaus wegen des Verdachts eines Ausbruchs der sogenannten Delta-Variante abgeriegelt worden. Ein Mann, der von einer Reise aus Indien zurückgekehrt war, ist zuvor in einem Krankenhaus gestorben. Inzwischen ist die Quarantäne für die meisten der 170 Bewohner des Hochhauses wieder aufgehoben. Allerdings sind sieben Bewohner positiv getestet und elf weitere als enge Kontaktpersonen eingestuft worden.

Wie hat sich die Lage entwickelt? Was weiß man über den Verstorbenen? Und wie geht es jetzt weiter? Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, sprechen dazu der Virologe Alexander Dalpke und Luisa Zenker, die als Reporterin von vor Ort berichtet.

Die Folge hören Sie direkt über den eingebetteten Player. Weitere Abspielmöglichkeiten finden Sie in diesem Artikel: Das Corona-Hochhaus und die Folgen

Montag: Noch 18 Bewohner in Quarantäne

18.05 Uhr: Am Dienstag soll sich herausstellen, ob der verstorbene Mann aus dem Hochhaus an der Hildebrandstraße tatsächlich mit der indischen Variante, der sogenannten Delta-Variante, infiziert war. Ganz gleich, ob sich der Verdacht bestätigt: Der Dresdner Virologe Professor Alexander Dalpke rechnet damit, dass sich die Virusvariante so oder so ausbreiten wird und die derzeit vorherrschende britische Mutante verdrängend könnte. Daten aus Großbritannien zeigten, dass sich die Delta-Variante sehr gut gegen die britische Mutante durchsetzen kann, so Dalpke.

Nicht überzeugt ist der Mediziner von der Vermutung, dass die Delta-Variante auch gefährlicher, also krankmachender ist. Daten zeigten lediglich, dass sie ansteckender sei. Mut machen die aktuellen Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Impfstoffe. Zwar sei diese gegenüber der Delta-Variante etwas schwächer, mit 78 bis 93 Prozent bezogen auf die mRNA-Impfstoffe gebe es aber immer noch einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen, so Dalpke am Montag zur SZ.

15.26 Uhr: Zerrissen liegt das rot-weiße Absperrband vor dem Hochhaus in der Hildebrandstraße 7. Die Eingangstür steht offen, mehrere Kästen Bier stapeln sich im Hausflur. Es ist ein anderes Bild als noch vor ein paar Tagen, als die Stadt das Hochhaus unter Quarantäne stellte. Polizei, Gesundheitsamt und Feuerwehr sind abgezogen. Auch die Kamerateams scheinen das Interesse verloren zu haben. Nur noch das Informationsschreiben erinnert an die Tage zuvor.

Eine junge Frau kommt mit einer Einkaufstüte auf den Hauseingang zu, sie hat Zwiebeln und Kirschen in der Hand. Die Bewohnerin war seit der am Sonntagabend aufgehobenen Quarantäne das erste Mal wieder draußen, hat frische Lebensmittel eingekauft. Während des Wochenendes hat Namhee Lee in ihrem Zimmer viel Musik gehört und gekocht, erzählt sie. Dem organisierten Konzert von der Banda Comunale konnte sie nur durch die Wände lauschen, ihr Fenster war auf der anderen Seite, deshalb konnte sie die Musiker nicht sehen.

"Ich hatte ein bisschen Angst", sagt die 28-jährige Studentin aus Korea. Und die Angst sei noch immer nicht ganz verschwunden. Der Grund: Sie weiß nicht, wer von den Bewohnern positiv auf Corona getestet wurde. Generell habe sie wenige Informationen von den Behörden bekommen, kritisiert sie, vieles musste sie selbst recherchieren. "Ich habe drei Wünsche an das Gesundheitsamt: Erstens, bitte säubert und desinfiziert so schnell wie möglich das Haus und besonders den Fahrstuhl, hier gehen viele auch ohne Maske ein und aus. Zweitens, sagt uns, wer der verstorbene Mann war, in welcher Etage hat er gewohnt, zu wem hatte er Kontakt. Und drittens: Teilt uns mit, wer die positiv Getesteten sind, in welcher Etage wohnen sie und warum sollen sie hier in dem Hochhaus bleiben, wo 170 Personen leben?" Naam packt ihre Einkäufe wieder zusammen, trotz der Umstände ist sie glücklich, wieder raus zu dürfen.

Die 28-jährige Studentin Namhee Lee wurde negativ getestet und darf das Studentenwohnheim nun wieder verlassen. Dort fühlt sie sich jedoch unsicher.
Die 28-jährige Studentin Namhee Lee wurde negativ getestet und darf das Studentenwohnheim nun wieder verlassen. Dort fühlt sie sich jedoch unsicher. © SZ/Luisa Zenker

14.55 Uhr: Die Untersuchungen in der Hildebrandstraße 7 sind von Seiten des Gesundheitsamtes abgeschlossen. Insgesamt bleiben von den 170 untersuchten Personen 18 in Quarantäne. Der Zeitraum der Absonderung wurde dabei individuell festgelegt, je nach Art und Zeitpunkt des Kontaktes zu den jeweils positiv Getesteten beziehungsweise beziehungsweise bestätigter Infektion. Für die restlichen Bewohner, die keinen engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten oder per PCT-Test negativ getestet wurden, konnte die Quarantäne bereits am Sonntag aufgehoben werden.

Bisher sind zu den sieben positiven Befunden keine weiteren hinzugekommen. Das Gesundheitsamt wartet noch auf die Sequenzierung der Proben zum Nachweis der Delta-Variante. Erste Ergebnisse werden für Dienstag erwartet.

13.25 Uhr: Die indische Mutante konnte bisher nur bei wenigen Fällen in Sachsen nachgewiesen werden. "Bisher sind in Sachsen 16 Fälle mit Hinweis auf beziehungsweise Nachweis von B.1.617.2. bekannt", so das Sächsische Sozialministerium auf SZ-Anfrage. Laut Nach Corona-Surveillanceverordnung können aber – abhängig von der Zahl der Neuinfektionen – bis maximal 10 Prozent der Corona-positiven Proben sequenziert werden.

13.20 Uhr : Laut Heilsarmee-Chefin Rosi Scharf ist ihr Einsatz am Hochhaus vorbei. "Wir haben heute früh den Anruf von der Feuerwehr bekommen, dass die Lieferung nicht mehr nötig sei." Nach ihren Informationen sind aktuell noch sieben Bewohner in Quarantäne. Am Freitag und am Wochenende hatte die Heilsarmee die 170 Personen im Haus mit rund 800 Kilo Lebensmitteln versorgt, darunter Toast, Milch und Eier.

Update: Montag, 7. Juni, 11.18 Uhr: Einige Bewohner des Hochhauses sind am Sonntagabend aus der Quarantäne entlassen wurden. Wie viele ist noch unklar. Um die Männer, Frauen und Kinder auf der Hildebrandstraße mit Lebensmitteln zu versorgen, hatten sich mehrere Einkaufsinitiativen zusammengefunden, unter anderem von Studentenrat (Stura) und den Jusos.

"Wir haben uns am Donnerstag zusammengetan, um die Menschen mit Lebensmitteln, aber auch mit psychosozialer Beratung zu unterstützen", so Paul Senf vom Stura. Die Heilsarmee versorgte die Bewohner mit Grundnahrungsmitteln, die Studenten kümmerten sich um spezielle Dinge wie das Einkaufen von glutenfreiem Brot, da eine Familie ein Kind mit einer Glutenunverträglichkeit hat. "Wir hatten so 15 Einkaufsanfragen von Bewohnern, die wir am Wochenende erledigt haben, die Tüten haben wir ins Foyer des Hochhauses gestellt und die Bewohner zahlten dann via Paypal", so Senf.

"Die Bewohner waren natürlich sehr angespannt und gestresst und viele haben die Situation als sehr schwierig erlebt", beobachtet er. Aber die Dankbarkeit sei groß gewesen. Das erlebte auch Matthias Lüth von den Jusos, der mit Einkaufsdiensten aushalf. "Wenn wir mit den Einkaufstüten im Foyer ankamen, haben wir die Leute runtergeklingelt und sie waren alle sehr dankbar", sagt er. Über die Balkonbrüstung hätten sich dann noch mehr Bewohner nach dem Einkaufsformular erkundigt.

Sonntag: Quarantäne endet für negativ Getestete

Update: 6. Juni, Sonntag, 18.53 Uhr: Die Ermittlungen des Gesundheitsamtes zum Wohnhaus Hildebrandstraße 7 sind soweit fortgeschritten, dass die Quarantäne von Bewohnern mit negativem Testergebnis und ohne engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person beendet werden kann. "Die Quarantäne endete für diese Personen heute um 18 Uhr", teilt das Gesundheitsamt mit.

All jene Personen, die als Indexfall mit positivem Ergebnis oder als enge Kontaktperson gelten, müssen die Quarantäne fortsetzen. Diese Bewohner wurden vom Gesundheitsamt kontaktiert, aufgeklärt und es wurde die Quarantänezeit bestimmt. Die Einhaltung der Quarantäne wird durch das Gesundheitsamt kontrolliert.

Die Polizei beendete den Einsatz um 18 Uhr. Die Kontaktnachverfolgung ist aber noch nicht beendet. Die Erkenntnisse der Ermittlungen werden nach Abschluss der Sequenzierung im Verlauf der kommenden Woche gesammelt veröffentlicht.

Samstag: Balkonkonzert und erste Testergebnisse

21.40 Uhr: Nachdem am Freitagnachmittag die Testung der Bewohner am Objekt Hildebrandstraße 7 mit insgesamt 170 Proben abgeschlossen werden konnte, gibt es nun erste Testergebnisse. Zudem wurden und werden Testungen von Personen vorgenommen, die sich aufgrund eines Kontaktes zum Objekt gemeldet haben.

Nach aktuellem Ermittlungsstand zeigen sich in den zunächst 170 analysierten Proben sieben positive Testergebnisse. Da ein spezielles PCR-Verfahren angewendet wurde, besteht nach ersten Erkenntnissen bei drei positiv getesteten Personen der Verdacht einer Infektion mit der sogenannten Delta-Variante (indische Variante), so die Stadt. Diese Ergebnisse müssten aber noch durch die Sequenzierung der Proben bestätigt werden, auch um zu erkennen, welcher konkrete Virenstamm vorliegt.

Die Beschäftigten des Gesundheitsamtes ermitteln nun, ob Personen, die negativ getestet wurden, auch gesichert keinen Kontakt zu positiv Getesteten haben oder hatten und somit nicht als Kontaktperson gelten. Dazu bedarf es erst der Auswertung aller zu einer Wohnung gehörenden Ergebnisse sowie die Prüfung von Verbindungen zu Personen mit positivem PCR-Test.

Da diese Ermittlungsarbeit sehr kleinteilig ist, bleiben die Quarantänemaßnahmen für das gesamte Objekt aktuell noch in Kraft. Erst mit einem Voranschreiten dieser Ermittlungen sei die Aufhebung der Quarantäne für negativ getestete Personen möglich. Die Bewohner würden über das weitere Vorgehen mit mehrsprachigen E-Mails informiert.

14.51 Uhr: Die Band ist vor dem Hochhaus angekommen und baut auf. Die Bewohner stehen an den Fenstern und freuen sich über die Unterhaltung.

Die Band Banda Comunale gab am Samstag ein Balkonkonzert vor dem Studentenwohnheim.
Die Band Banda Comunale gab am Samstag ein Balkonkonzert vor dem Studentenwohnheim. © Daniel Schäfer/dpa
© Daniel Schäfer/dpa
Die Bewohner des Studentenwohnheims dürfen das Haus bis einschließlich 8. Juni nicht verlassen.
Die Bewohner des Studentenwohnheims dürfen das Haus bis einschließlich 8. Juni nicht verlassen. © Daniel Schäfer/dpa

9.17 Uhr: Wie schon am Freitagabend soll auch am Samstagnachmittag die Band Banda Comunale wieder am Hochhaus spielen. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Bauer, dazu: "Ich bin sehr froh, dass Banda Comunale unserer Bitte gefolgt ist und diese Unterstützung zugesagt hat. Damit wird nicht zuletzt eine große Solidarität ausgedrückt, denn natürlich ist die Situation vor Ort angespannt. Wenn man damit vielleicht einmal kurz die Sorgen vergessen kann und zum Durchhalten animiert wird, haben die Konzerte ihren Zweck erfüllt."

Es wird an jeder Balkonseite ein ca. 15-minütiges Konzert stattfinden, sodass alle Bewohnerinnen und Bewohner erreicht werden können.

Update: Samstag, 5. Juni, 8.50 Uhr: Laut Stadt soll es am Wochenende schon erste Ergebnisse der Corona-Tests der Bewohner geben. Wann genau, ist unklar. Am Freitagmorgen um 9.30 Uhr hatte die Massentestreihe begonnen.

Freitag: Weitere Hintergründe zum Verstorbenen werden bekannt, Massentest in Wohnheim

20.45 Uhr: Ein Konzert der Banda Comunale wird zum Lichtblick für die Studenten in Quarantäne: Wie die Band in einem Facebook-Post am Abend schreibt, sei sie gebeten worden, am nächsten Tag für die Menschen in der Hildebrandstraße zu spielen. Die Anfrage sei vom Gesundheitsamt gekommen und die Musiker haben offensichtlich ohne zu Zögern zugestimmt.

Sie hofften, die Bewohner am Samstag "ein wenig aufmuntern zu können" und wünschten ihnen vor allem Gesundheit. Unter dem Posting erntet die Band eine Menge Zustimmung für das geplante Konzert, aber auch die Idee des Gesundheitsamtes wird von Usern gelobt.

17 Uhr: Während die Heilsarmee das Essen liefert, dreht Davinder Bansal kleine Runden auf der hochgewachsenen Wiese vor dem Hochhaus. Im Schlepptau Hund Tibu. Bansal wohnt seit zehn Monaten in dem Gebäude, studiert Logistik an der Dresden International University. Er will lieber auf Englisch sprechen. "Ich hab Glück, dass ich ganz unten wohne", sagt der aus Indien stammende Student. So könne er wenigstens ab und zu mit seinem Hund vor die Tür.

Was er die nächsten Tage in Quarantäne machen wird? "Lernen, ich hab am Montag ein Examen." Den verstorbenen Mann kannte er nicht, Angst vor der Mutation habe er keine. Einen Schnelltest hat er bereits gemacht, der war negativ. Jetzt wartet er auf sein PCR-Ergebnis – das bekommen die Bewohner dem Gesundheitsamt zufolge am Samstag.

Bis Dienstag aber müssen alle in Quarantäne bleiben, so lange werde auch die Polizei vor dem Gebäude für Sicherheit sorgen, sagen die Beamten vor Ort. Auch die Heilsarmee wird im Auftrag des Brand- und Katastrophenschutzes in dieser Zeit täglich Essen von der Tafel liefern. Neben der Grundversorgung kümmert sich der Studentenrat der TU Dresden um alle Extrawünsche. Sie nehmen Bestellungen per Mail auf, um die Bewohner zu versorgen. Insgesamt haben sich hierfür knapp 30 ehrenamtliche Helfer gefunden.

Davinder Bansal darf immerhin mit seinem Hund Tibu kurz das Wohnheim verlassen. Das Ergebnis seines PCR-Tests soll er am Samstag erhalten.
Davinder Bansal darf immerhin mit seinem Hund Tibu kurz das Wohnheim verlassen. Das Ergebnis seines PCR-Tests soll er am Samstag erhalten. © SZ/Luisa Zenker

16.49 Uhr: Die Coronatests auf der Hildebrandstraße wurden vom DKMS Life Science Lab durchgeführt. Dieses arbeitet bereits seit Anfang Dezember mit den Gesundheitsämtern in Dresden, Chemnitz und Pirna zusammen, um bei der Durchführung von Tests zu helfen.

Ergänzend unterstützt das Labor die Gesundheitsämter seit Ende 2020 mit Teams, die mobil Abstriche entnehmen. Heute waren sechs Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dafür am Studentenwohnheim vor Ort, teilt das Labor auf SZ-Anfrage mit.

Bei den Abstrichen handelte es sich um die RT-PCR-Methode, das Standardverfahren für Virusnachweise. Das Bundesgesundheitsministerium erklärt, PCR-Tests seien "der 'Goldstandard' unter den Corona-Tests". Die Probenentnahme erfolgt durch medizinisches Personal – die Auswertung durch Labore. Diese Tests werden genutzt, um einen positiven Schnell- oder Selbsttest zu verifizieren.

Die Polizei hat den Bereich um das Studentenwohnheim in der Hildebrandstraße 7 abgesperrt.
Die Polizei hat den Bereich um das Studentenwohnheim in der Hildebrandstraße 7 abgesperrt. © Jürgen Lösel
©  Sebastian Kahnert/dpa
Die Beamten waren die ganze Nacht vor Ort.
Die Beamten waren die ganze Nacht vor Ort. © Jürgen Lösel
Die Quarantäne gilt vorerst bis einschließlich 8. Juni.
Die Quarantäne gilt vorerst bis einschließlich 8. Juni. © dpa-Zentralbild
Am Freitag werden alle Bewohner auf Corona getestet.
Am Freitag werden alle Bewohner auf Corona getestet. © Jürgen Lösel
Ein Kameramann filmt vor dem Studentenwohnheim.
Ein Kameramann filmt vor dem Studentenwohnheim. ©  Sebastian Kahnert/dpa
150 bis 200 Studenten sollen in dem Wohnheim leben, schätzt der Chef des Gesundheitsamtes.
150 bis 200 Studenten sollen in dem Wohnheim leben, schätzt der Chef des Gesundheitsamtes. © Jürgen Loesel

16.46 Uhr: Seit dem 6. März weist das Dresdner Gesundheitsamt nur noch die südafrikanische, die brasilianische und die indische Virusvariante als "besorgniserregend" aus, weil die britische Variante B.1.1.7 mittlerweile vorherrschend in Sachsen und auch Dresden ist. Unter den anderen Mutanten wurden bisher 21. Fälle bestätigt. Wie häufig war darunter die indische Variante?

Das Dresdner Klinikum teilt auf SZ-Anfrage mit, dass pro Woche ca. 15 positive Proben von Sars-Cov-2 an das Dresden Genome Center zur Sequenzierung geschickt werden. Dabei wurde seit April viermal die Mutante B.1.617.2 aus Indien festgestellt. Alle anderen Mutanten entsprachen zuletzt der britischen Variante. Eine Antwort aus dem Uniklinikum dazu steht noch aus.

Korrektur: Das Klinikum sprach zunächst von zwei Nachweisen, korrigierte diese Angabe aber später auf vier.

16 Uhr: Die Heilsarmee trägt kistenweise Essen in das Hochhaus - darunter jede Menge Eier, Brot und Paprika. "Und Süßigkeiten für die Seele", ergänzt Gert Scharf von der Heilsarmee. Insgesamt hat der Landesverband der sächsischen Tafeln Lebensmittel für etwa 150 Portionen an die Heilsarmee gespendet, um die Bewohner im Hochhaus zu versorgen. "Die Kisten werden nun im Aufzug auf die jeweiligen Etagen gefahren. Die Bewohner kriegen danach Bescheid, dass sie die Kisten im Flur abholen könne ", erklärt Leiterin Rosi Scharf.

Rosi Scharf von der Heilsarmee trägt Kisten mit Lebensmitteln in das Wohnheim.
Rosi Scharf von der Heilsarmee trägt Kisten mit Lebensmitteln in das Wohnheim. © SZ/Luisa Zenker

15.44 Uhr: Das Gesundheitsamt hat die PCR-Testungen der Bewohner mittlerweile beendet. Derzeit räumt das etwa 15-köpfige Team den Bereich hinter dem Hochhaus, wo die Tests durchgeführt wurden. Die Zahl der getesteten Personen liege etwa im dreistelligen Bereich, so die Verantwortlichen. Die Polizei und das Ordnungsamt bleiben vor Ort und werden das Gelände mit etwa vier bis sechs Personen absichern, so die Beamten. Sie schätzen die Lage als "entspannt" ein.

15.10 Uhr: Laut Aussagen des Studentenrats soll in der nächsten Stunde die Heilarmee Lebensmittel an die Hausbewohner liefern. Das Gesundheitsamt wolle die Finanzierung der Lunchpakete bevorschussen, so Robert Lehmann vom Stura. Fast 80 Prozent der Bewohner kommen aus dem Ausland. Er gibt deshalb zu Bedenken, die kulturellen Hintergründe bei der Auswahl einzubeziehen.

14.30h: Peter M. steht am Hauseingang der Hildebrandstraße 7 – dem Wohnheim, das seit Donnerstag unter Quarantäne steht. Er wartet auf seinen Kollegen, der ihm seinen Arbeitslaptop vorbeibringen soll. Der 28-Jährige wohnt seit einem halben Jahr in Dresden, macht ein Praktikum bei einem Dresdner Unternehmen. Seinen Abschluss als Ingenieur hat der in Ägypten geborene bereits in der Tasche. Eigentlich arbeitet er nicht mehr im Homeoffice, jetzt muss er aber in seinem Zimmer bleiben – bis einschließlich Dienstag ist die Quarantäne angesetzt. "Jetzt wird endlich schönes Wetter am Wochenende, und wir müssen drin bleiben", sagt er. Schon jetzt sei ihm langweilig.

Zu dem verstorbenen Mann habe er keinen Kontakt gehabt, der wohnte drei Etage über ihm. Generell sei die Stimmung entspannt im Wohnheim, nur an Essen fehle es. "Ich hab nichts mehr da", sagt Peter. Zum Frühstück hatte er nur eine Banane.

14 Uhr: Eine Pressekonferenz zum Fall hat begonnen. Frank Bauer, der Leiter des Gesundheitsamtes, teilt erstmals genauere Hintergründe mit. Der Verstorbene sei "um die 30" gewesen - aus Gründen des Datenschutzes will er das Alter nicht präzisieren - und stamme aus Indien, seine Reise dorthin habe bereits Ende April stattgefunden, seitdem war er wieder in Dresden und habe sich wegen der Rückkehr aus dem Virusvarianten-Gebiet zunächst abgesondert. Ein Coronatest in Indien sei negativ ausgefallen.

Als die Infektion mit dem Virus schließlich festgestellt wurde, durfte sich der Mann wieder frei in Dresden bewegen, das war ab dem 9. Mai. Der genaue Zeitpunkt der Ansteckung sei noch nicht bekannt, so Bauer. Sie könnte auch erst in Dresden stattgefunden haben. Am 25. Mai wurde der Mann in ein Krankenhaus eingeliefert, am 1. Juni verstarb er dort, nachdem Covid-19 einen sehr schweren Verlauf bei ihm genommen hatte, obwohl keine Vorerkrankungen bekannt waren.

Frank Bauer, Leiter des Amtes für Gesundheit und Prävention, beantwortet am Freitagnachmittag vor der Goldenen Pforte Fragen zur Quarantäne eines Studentenwohnheims.
Frank Bauer, Leiter des Amtes für Gesundheit und Prävention, beantwortet am Freitagnachmittag vor der Goldenen Pforte Fragen zur Quarantäne eines Studentenwohnheims. © René Meinig

Der Verdacht auf eine Infektion mit einer Virusvariante habe sich bisher nicht bestätigt, so Bauer. Um eine mögliche Verbreitung einzudämmen, stehe das gesamte Wohnheim bis einschließlich Dienstag unter Quarantäne. Seit dem Morgen werden die Bewohner des Hauses mit PCR-Tests auf Corona untersucht, um mögliche weitere Infektionen festzustellen. Auch die fünf Mitbewohner des verstorbenen Studenten wurden bereits getestet, sie zeigen keine Symptome. Zu mehreren anderen im Wohnheim soll der Mann außerdem Kontakt gehabt haben. An welcher Hochschule er studierte, ist noch unklar.

Sind die Tests positiv, werden sie sequenziert, also auf Virusvarianten untersucht. Rund 100 Tests seien bisher durchgeführt worden, wie viele Studenten in dem Haus leben, konnte Bauer nicht konkret sagen, er geht von 150 bis 200 aus. Die Tests fungieren dabei zeitgleich als Zählung. Die Ergebnisse sollen im Laufe des Wochenendes vorliegen. Positive Ergebnisse müssen dann noch sequenziert werden, um festzustellen, ob es eine Virusvariante ist. Wer positiv getestet wurde, bleibt nach dem 8. Juni in Quarantäne, für die anderen ist sie dann beendet.

Es sei nicht üblich, ein gesamtes Wohnhaus unter Quarantäne zu stellen, aber in diesem Fall nötig, betont der Gesundheitsamtschef. Alle Tests sollen noch heute abgeschlossen werden. Die Bewohner akzeptierten die Maßnahmen, mit Ausnahme von einzelnen, die Kooperation sei insgesamt gut. Bewohner, die erst nach der Abriegelung zum Wohnheim zurückkehren, dürfen in ihre Wohnung, danach das Gebäude aber nicht mehr verlassen und werden ebenfalls getestet.

In dem Studentenwohnheim leben verschiedene Nationalitäten zusammen, auch mehrere Inder auf verschiedenen Etagen. Der Studierendenrat stehe in Kontakt zu ihnen, es gebe Dolmetscher. Die Stadt habe auch eine Finanzierungszusage für die Essensversorgung gemacht.

12.38 Uhr: Auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) prüft, ob der Verstorbene Student an der Hochschule war. "Was wir wissen ist, dass sieben unserer Studenten zurzeit in dem Wohnheim untergebracht sind", so Sprecherin Constanze Elgleb. Mehr Details zu den Nationalitäten oder dem Gesundheitszustand der Studierenden kann sie nicht nennen.

11.45 Uhr: Die Feuerwehr Dresden hat am Vormittag den Studentenrat der TU Dresden um Mithilfe gebeten. Derzeit organisieren die Studierenden eine Einkaufshilfe für die Betroffen des unter Quarantäne stehenden Hochhauses, erklärt Studentin Claudia Meißner. Die Hausbewohner können mithilfe eines digitalen Formulars eintragen, was sie benötigen. Der Stura bittet um Unterstützung, die Einkäufe zu erledigen. Wer seine Hilfe anbietet, kann sich per Mail unter [email protected] melden.

Offenbar habe das Gesundheitsamt Dresden angeboten, das Geld für die Einkäufe vorzustrecken. Der Stura versucht derzeit Kontakt zu den Studierenden im Hochhaus aufzubauen. "Viele der Bewohner sind internationale Studierende und deshalb möglicherweise nicht so gut vernetzt", sagt Claudia Meißner. Zeitgleich will der Stura auch psychische Unterstützung für die Betroffenen anbieten. Dafür arbeiten sie gerade an einem studentischen Zuhörtelefon.

11.13 Uhr: Es wurden Gerüchte laut, der Betroffene sei Student der Dresden International University (DIU). Dem widerspricht DIU-Chef Joachim Niemeier. "Es war keiner unserer Studenten und auch keiner der TU", sagt er auf SZ-Anfrage. Es sind aber aktuell fünf Studenten der DIU in dem Hochhaus untergebracht. "Sonst haben wir dort etwa 30 Plätze, aufgrund der Pandemie aber weniger", so Niemeier. Er kümmere sich nun um die Online-Beschulung der Studenten, die unter Quarantäne stehen.

11.01 Uhr: Laut TU-Sprecherin Claudia Kallmeier steht der Betroffene laut aktuellem Kenntnisstand in keinem Verhältnis zur TU. Dem Gesundheitsdienst der TU sei in dieser Woche nur ein anderer Coronafall gemeldet worden. "Die Person hat sich während der infektiösen Phase nicht an der TU Dresden aufgehalten", sagt sie und meint nicht den Verstorbenen. Während der gesamten Corona-Pandemie gab es an der TU Dresden keinen Ausbruch, betont sie. "Ob TUD-Angehörige mit dem verstorbenen jungen Mann in Verbindung standen, darüber haben wir aktuell keine Kenntnis", so die Sprecherin.

10.02 Uhr: Das Gesundheitsamt teilt am Freitagmorgen mit, dass alle Bewohner bis einschließlich 8. Juni das Hochhaus nicht verlassen dürfen, der Zu- und Ausgang werde durch Einsatzkräfte der Polizei kontrolliert.

Um 9.30 Uhr am Freitagmorgen begannen die für alle Bewohner verpflichtenden PCR-Testungen. "Diese werden mit Unterstützung der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) an drei Teststellen etagenweise durchgeführt. Neben einem tiefen Nasen-Rachen-Abstrich werden auch die Daten der Personen erfasst, um den Kontakt herstellen, das Testergebnis übermitteln und die weiteren Ermittlungen vornehmen zu können", erklärt das Gesundheitsamt.

Vor Ort seien zehn Mitarbeiter des Amtes, sechs Beschäftigte der DKMS sowie Einsatzkräfte der Polizei. Weiterhin stehen Dolmetscher zur Verfügung, die aufkommende Fragen auf Hindi, Englisch und Arabisch beantworten können. Weitere Dolmetscher würden bei Bedarf angefordert.

Parallel zur Testung vor Ort organisiert das Brand- und Katastrophenschutzamt die Versorgung der Bewohnerschaft mit Grundnahrungsmitteln. "Angedacht ist die Versorgung je Wohnung, da ein Zugang durch helfende Hände aufgrund der für das gesamte Objekt bestehenden Quarantäne nicht möglich ist", so das Gesundheitsamt.
Die Stadt bittet, den Bereich rund um das Objekt weiträumig zu meiden, damit die Ermittlungsarbeit vor Ort nicht behindert wird.

Update: Freitag, 4. Juni, 8.55 Uhr: Das Gesundheitsamt bereitet die Testung aller Hausbewohner vor, meldet die Stadt am Freitagmorgen kurz vor 9 Uhr. "Im Augenblick laufen die Vorbereitungen für die Testung der Bewohner des Hauses." Die Polizei ist vor Ort, um das Gesundheitsamt zu unterstützen. Laut Polizeisprecher Marko Laske waren die Beamten die ganze Nacht vor Ort und haben das Haus abgesichert. "Es gab keine besonderen Vorkommnisse." Die Feuerwehr ist laut Sprecher aktuell nicht involviert.

Laut Studentenwerk-Sprecherin Heike Müller gehört der Komplex Hildebrandstraße nicht zum Studentenwerk, sondern zum privaten Vermieter Haus & Grund Immobilienmanagement. Dort ist am Freitagmorgen niemand zu erreichen. "Wir sind natürlich informiert und in Habachtstellung, da unser großes Wohnheim am Zelleschen Weg genau gegenüberliegt", so Müller. Sie geht davon aus, dass der junge Mann ein Student ist. Genauere Informationen hat sie aber nicht.

Das war am Donnerstagabend bekannt:

Dresden. Das Dresdner Gesundheitsamt hat am Donnerstag (3. Juni) ein ganzes Wohnhaus in Strehlen unter Quarantäne gestellt. Das teilt die Stadt am Abend mit. Alle Bewohner des Hauses in der Hildebrandstraße 7 werden demnach ab sofort und bis einschließlich Dienstag, 8. Juni, unter Quarantäne gestellt. Bei dem Haus handelt es sich um ein 15-geschossiges Studentenwohnheim in der Nähe des Zelleschen Wegs.

Hintergrund ist der Tod eines jungen Mannes, der zeitlich versetzt zu seiner Rückkehr aus Indien an Covid-19 erkrankte und ohne erkennbare Vorerkrankungen nach deutlicher Zustandsverschlechterung verstarb. "Dieser sehr schnelle Verlauf bei zunächst gutem Allgemeinzustand begründet den Verdacht, dass die Infektion auf eine Virusvariante zurückzuführen ist", erklärt die Stadt. Es sei daher im Sinne einer zügigen Unterbrechung geboten, das Objekt abzusondern und die Ermittlungen weiter voranzutreiben.

Die Polizei hat am Donnerstagabend die Bewohner des Hochhauses über die Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes informiert.
Die Polizei hat am Donnerstagabend die Bewohner des Hochhauses über die Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes informiert. © René Meinig

Wie alt genau der Verstorbene war und wann er aus Indien zurückkehrte, teilte die Stadt nicht mit. In Dresden sind nach offiziellen Angaben des Robert-Koch-Instituts bislang 25 Menschen an den Folgen von Covid-19 verstorben, die jünger als 60 und mindestens 35 Jahre alt waren.

Am Freitag sollen Testungen für alle Bewohner verpflichtend durchgeführt werden, um mögliche Infektionsketten aufzudecken und nachverfolgen zu können. Das Ende der Absonderung am kommenden Dienstag sei gewählt worden, da bis dahin die sogenannte Probensequenzierung, also die Ermittlung der möglichen Virusvariante, durchgeführt werden soll. "In Abhängigkeit von den Ergebnissen sind unter Umständen weitere Maßnahmen erforderlich", so die Stadt. Was diese sein könnten, lässt sie offen.

Die Bewohner des Heimes werden über Aushänge im Haus, über die Ermittler des Gesundheitsamtes bzw. per E-Mail auf Deutsch und Englisch über die nötige Quarantäne informiert. "Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung sowie der Polizei und dem Brand- und Katastrophenschutzamt", erklärt die Stadt, die "unaufgefordert zum weiteren Verlauf informieren" will.

Polizei sichert Gebäude

Die Polizei sichert am Donnerstagabend das Gebäude von außen ab. Die Dresdner Feuerwehr erklärt auf SZ-Anfrage, derzeit noch nicht im Einsatz zu sein. Am Freitagvormittag werde es eine Besprechung mit der Stadtverwaltung geben, bei der die nächsten Schritte und ein möglicher Einsatz besprochen werden sollen.

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Das Studentenwohnheim beherbergt nach eigener Aussage auf seiner Website Studenten aus über zwanzig verschiedenen Nationen. Es gibt Ein-Raum-Wohnungen bis WGs für fünf Personen. Der Campus der TU Dresden ist ca. fünf Minuten entfernt.

In Sachsen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bisher elf Fälle mit der indischen Variante, die seit neuestem Delta-Variante genannt wird, bekannt. (SZ)

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