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"Ich hab's getan": Sachsen wirbt fürs Impfen

Für eine neue (Online-)Kampagne hat ein Team des Freistaates am Donnerstag auch in Löbau gedreht. Nur mag nicht jeder Gesicht zeigen.

Doris Richter aus Görlitz unterstützt die Impfkampagne "Ich hab's getan". Dafür war am Donnerstag ein Team des Staatsministeriums für Soziales vor dem Löbauer Impfzentrum, um Geimpfte wie sie zu filmen und zu fotografieren.
Doris Richter aus Görlitz unterstützt die Impfkampagne "Ich hab's getan". Dafür war am Donnerstag ein Team des Staatsministeriums für Soziales vor dem Löbauer Impfzentrum, um Geimpfte wie sie zu filmen und zu fotografieren. © Matthias Weber/photoweber.de

Doris Richter hat jetzt den zweiten Piks weg. Die Seniorin, die erst im Frühjahr von Bayern nach Görlitz umzog, spricht in eine Kamera, die am Löbauer Impfzentrum aufgebaut ist. Und erzählt ihre Beweggründe, warum ihr die Impfung wichtig ist. Damit ist sie nun eins der Gesichter einer Werbekampagne des sächsischen Sozialministeriums. Ein Team war in Löbau vor Ort, um zu filmen. Für die Kampagne unter dem Motto "Ich hab's getan!" erzählen Geimpfte in kurzen Beiträgen ihre persönliche Motivation für diese Corona-Schutzmaßnahme.

Bisher haben 185.986 Menschen von den Ärzten und Schwestern in Löbau eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Davon 20.162 ihre zweite vom mobilen Impfteam und 68.401 im Impfzentrum. "Die Impfung ist sehr wichtig", sagt Doris Richter in die Kamera. Und auch, dass sie an alle diejenigen einen Appell richten möchte, die die Impfung noch nicht bekommen haben. Sie wolle weder sich noch andere mit dem Coronavirus anstecken. Ihre kleine Ansprache wird zusammen mit denen vieler weiterer auf Youtube, Facebook und Instagram zu sehen sein.

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Mit der Öffentlichkeit hat die Neugörlitzerin kein Problem. Als die Kamera aus ist, begründet Doris Richter, weshalb sie sich so öffentlich positioniert: "In Sachsen sind die Leute sehr unvorsichtig", sagt sie aus Erfahrung. Die Handwerker in ihrer Wohnung hätten keine Maske getragen, auch nicht der Taxifahrer, als noch Maskenpflicht herrschte. Das machte ihr Sorgen und sei in Bayern anders gewesen. Geimpft fühle sie sich sicherer.

Je mehr Geimpfte, desto milder der Herbst

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) erklärte in einer Mitteilung zu der Kampagne: "Es ist keine Frage mehr, ob wir eine vierte Welle steigender Infektionen im Herbst erleben". Jeder könnte aber beeinflussen, wie schwer diese werde und ob wieder harte Einschränkungen nötig seien. "Je mehr Menschen sich jetzt sofort impfen lassen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen milden Herbst erleben." Die Aktion soll zu einer gegenseitigen Überzeugung zum Impfen anregen. "Wenn möglichst vielen Menschen erklären, warum sie nicht auf den Immunschutz verzichten sollen, dann kann dies bei vielen noch Zögernden den letzten Ausschlag für die Entscheidung geben, sich auch impfen zu lassen", heißt es weiter.

Für die Kampagne sprechen die Mitarbeiter am Donnerstag im Löbauer Impfzentrum jeden, der aus der Messehalle kommt, an. "Herzlichen Glückwunsch", begrüßen die Mitarbeiter des Filmteams freundlich. Allerdings mag nicht jeder Gesicht zeigen. Manche huschen schnell vorbei. „Keine Zeit“ ist das häufigste Argument. Andere sind vielleicht einfach kamerascheu oder wollen es nicht an die große Glocke hängen, dass sie sich impfen ließen.

DRK-Geschäftsführerin Silke Seeliger berichtet, dass die Impfskepsis in der Region bei etwa 30 Prozent und damit weit über dem deutschen Durchschnitt von etwa 15 Prozent liege. Vielleicht wollen deshalb nicht alle Geimpften offen mit ihrer Entscheidung für die Schutzimpfung umgehen? Ablehnende Argumente gegen die Impfung, die Silke Seeliger zu hören bekam, seien unter anderem "ein angeblicher Eingriff in die Genetik, die Angst, unfruchtbar zu werden bis dahin, dass Geimpfte innerhalb von einem halben Jahr sterben" gewesen. Die DRK-Geschäftsführerin stellt klar: "Das ist natürlich Blödsinn."

Impfbereitschaft ist gesunken

Und trotzdem sinkt die Impfbereitschaft, wie auch Silke Seeliger weiß. Das Dashboard zeigt im Moment etwa 2.000 freie Impftermine für Löbau an. Als die Impfungen begannen, war es schwer, überhaupt einen Termin zu bekommen. Jetzt muss man sich dafür nicht mal mehr anmelden. "Wir haben auch viele Impfwillige aus dem Landkreis Bautzen hier, weil denen der Weg bis nach Löbau kürzer als in das Impfzentrum nach Kamenz ist", sagt sie.

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Derweil haben innerhalb der ersten Stunde der Impfkampagne 14 Menschen bei der freiwilligen Filmaktion mitgemacht. Bedeutend mehr seien das vor der anderen Tafel gewesen, wie Alexandra Gruse, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Sozialministerium, vor Ort erzählt. Da können Selfies gemacht und in den Netzwerken im Internet geteilt werden. Zu sehen ist die Kampagne mit den Löbauer Gesichtern voraussichtlich ab kommender Woche auf Youtube und in den sozialen Internet-Netzwerken. Diesen Freitag dann besucht Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit Löbaus Ex-OB Dietmar Buchholz das Impfzentrum, um mit Einsatzkräften und Helfern zu sprechen.

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