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Sachsen

So klappt der Fernunterricht in Sachsen

Seit Dezember sind die Schulen in Sachsen zu. Gelernt werden soll vor allem übers Internet. Wie gut oder eben schlecht der Fernunterricht mittlerweile funktioniert.

Homeschooling funktioniert nur bedingt.
Homeschooling funktioniert nur bedingt. © Symbolfoto: Ulrich Perrey/dpa

Leipzig. Steffen Jost sitzt in einem Fachkabinett des Leipziger Ostwald-Gymnasiums vor leeren Stuhlreihen. Nur ein Porträt des Namensgebers der Schule, Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald, leistet ihm Gesellschaft, während er die Relativitätstheorie erklärt. Seine Schülerinnen und Schüler sind zu Hause im Lockdown und hören per Videokonferenz zu. „Wir wollen das massiv pushen und haben uns als Ziel gesetzt, in der Hälfte der Stunden Videokonferenzen zu machen“, sagt Jost.

Die Lehrerinnen und Lehrer des Ostwald-Gymnasiums ziehen damit Konsequenzen aus ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Fernunterricht in der Corona-Zeit. Theoretisch sei jeder Lehrer frei, wie er den Unterricht gestaltet, sagt Jost, der Physiklehrer und zugleich Direktor des Gymnasiums ist.

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„Man könnte auch einen Stapel Blätter mit der Post schicken.“ Das funktioniere aber nicht. „Es gibt viele Schüler, die können sich nicht motivieren. Wenn man die mit einem Stapel Arbeitsblätter allein zu Hause lässt, dann läuft da gar nichts.“ Der Unterricht per Videoschalte soll helfen, den Tag zu strukturieren, und die Schülerinnen und Schüler sollen Fragen stellen können.

Schülerin auf Twitter: „Ich bin echt sauer!“

Dass das Ostwald-Gymnasium mit seinen digitalen Bemühungen im Corona-Lockdown recht weit vorne zu sein scheint, zeigen Äußerungen wie jene der zwölfjährigen Lexa, die vorige Woche auf Twitter mit dem Homeschooling in Sachsen abgerechnet hat. Mehr als 4.300 Likes bekam der erste einer ganzen Serie von Tweets, die sie über den Account ihrer Mutter abgesetzt hat. Ihre Lehrer seien technisch schlecht geschult, manche sogar „technikfeindlich“, heißt es da. Meetings per Videoschalte gebe es keine. „Die Schule kommuniziert überhaupt nicht mehr mit uns.“ Alles laufe genauso schlecht wie in der ersten Welle und sie sei „echt sauer“.

Das Kultusministerium erklärt, dass die Lehrer bei der Gestaltung des Distanzlernens „relativ frei“ seien. „Wichtig ist allerdings, dass sie den Kontakt mit den Schülern halten, per Videokonferenz, Telefon, Messenger, Mail. Das häusliche Lernen darf keine Einbahnstraße sein.“ Für Konferenzschalten könnten die Lernplattform Lernsax genutzt werden, aber auch Systeme wie BigBlueButton. Um die Lehrerinnen und Lehrer dort fit zu machen, würden Fortbildungen angeboten.

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen, Uschi Kruse, bestätigt, dass die Lehrerinnen und Lehrer seit dem Frühjahr dazugelernt haben, um den Unterricht auch über die Distanz zu bewältigen. „An ganz vielen Schulen ist die Zeit reflektiert worden und man hat nachgedacht, was zu verbessern wäre.“

„Der Plan B hat von Anfang an gefehlt.“

Allerdings, bemängelt Kruse, sei im Herbst das politische Signal aus dem Kultusministerium gewesen, unter allen Umständen am Präsenzunterricht festzuhalten. „Der Plan B hat von Anfang an gefehlt.“ Inzwischen habe sich Vieles beim Fernunterricht eingespielt, „aber es konnte objektiv nicht gut gehen“. Wichtig sei jetzt, aus der Corona-Zeit zu lernen - und das Thema E-Learning auch schon bei der Ausbildung neuer Lehrerinnen und Lehrer anzugehen.

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Auch am Ostwald-Gymnasium sei die Bandbreite beim Distanzunterricht durchaus groß, sagt Direktor Jost. Vieles hänge von den technischen Fertigkeiten der Lehrer ab. Dazu komme, dass Internet und reale Welt einfach verschieden seien. „Gut gemachter Fernunterricht ist wesentlich aufwendiger als gut gemachter Unterricht aus der Nähe“, sagt Jost. Wenn er zum Beispiel seine Formeln in Powerpoint übertrage, dann koste das einfach mehr Zeit, als es per Hand auf eine Tafel zu schreiben. Trotzdem ist er sicher: „Die Sinnhaftigkeit haben alle eingesehen. Sie stellen sich der Aufgabe.“ (dpa)

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