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Corona: Kommt der Einzelhandel über die Runden?

Dresdner Ladeninhaber erzählen, was der zweite Lockdown für sie bedeutet - und wie sie sich dabei über Wasser halten.

Ina Branitz aus dem Touch of Nature.
Ina Branitz aus dem Touch of Nature. © Sven Ellger

Dresden. Ihr Jubiläumsjahr hatte sich Ina Branitz anders vorgestellt. Die Inhaberin des Naturkosmetikstudios Touch of Nature feiert in diesem Jahr das 15-jährige Jubiläum ihres Ladens. Für Dezember war die Feier geplant. Doch dann kam Corona und damit alles anders.

"Wir hatten sechs Wochen lang während des ersten Lockdown im Frühjahr komplett zu, acht Wochen lang durften wir keine Behandlungen machen", so Branitz. Eine harte Zeit. Keinen Euro verdiente sie, musste aber Miete und Co. für den Laden auf der Böhmischen Straße in der Neustadt weiter zahlen. Im Sommer konnte sie zwar wieder öffnen, doch die Kunden waren unsicher und sagten Termine häufig aus Angst vor Ansteckung wieder ab.

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Im zweiten Lockdown darf zumindest ihr Laden geöffnet bleiben, Behandlungen gibt es aber keine mehr. Etwa 80 Prozent ihres Umsatzes fällt damit weg. "Von den Novemberhilfen ist bei uns noch nichts auf dem Konto", sagt sie und geht davon aus, dass sich die Lage bis Mitte nächsten Jahres nicht bessern wird.

Deshalb hat sie reagiert. Im nächsten Jahr will sie neben den Gesichtsbehandlungen auch Fußpflegen anbieten - denn die sind vom Lockdown nicht betroffen, solange sie sich medizinisch begründen lassen. Dafür müsste sie aber eine neue Mitarbeiterin einstellen. Ob sie das finanziell stemmen kann, weiß sie noch nicht.

"Die Menschen haben sich an die Situation gewöhnt"

Berit Heller vom verpackungsfreien Laden "Lose" in der Neustadt erlebte im ersten Lockdown einen schwierigen Kampf. Ihr Laden blieb zwar geöffnet, aber "Corona war natürlich ein Einschnitt". Dann gab es auch noch ein Sommerloch. "Ich denke, viele meiner Kunden waren froh, dass sie nach dem Lockdown in den Sommerurlaub fahren konnten und das haben sie getan", sagt die Unternehmerin. "Das habe ich bei meinem Umsatz gemerkt."

Dieser hat sich in den letzten zwei bis drei November-Wochen jedoch wieder stabilisiert, auf etwa drei Viertel des Niveaus vor Corona. "Inzwischen haben sich die Menschen an die Situation gewöhnt", sagt Heller. Die zwei Halbtagskräfte, die sie vor einem Jahr eingestellt hatte, kann sie auch im zweiten Lockdown noch gut gebrauchen.

Bei ihr kaufen die Kunden unverpacktes Obst, Gemüse, Pasta und Co. Gerade seien Edelstahlbehälter besonders gefragt, sagt Heller, damit würden sich manche Kunden ihr To-Go-Essen bei den teilgeschlossenen Restaurants abholen und damit auf Einweggeschirr verzichten.

Vermieter hat gekündigt

Auch Bernd Lehmann vom Antikhandel auf der Rähnitzgasse erlebt gerade eine schwere Zeit. "Mein Vermieter hat uns nach 16 Jahren den Laden gekündigt, jetzt suchen wir zu Mitte Dezember was Neues." Gar nicht so einfach in der Pandemie. Mit zwei Vermietern in der Heinrich- und in der Hauptstraße verhandelt er noch.

Um die 10.000 Artikel hat er im Sortiment und die muss er alle binnen kürzester Zeit in Bananenkisten und Umzugskartons packen. In der Garage, wo sonst sein Auto parkt, stapeln sich Möbel, Vasen, Lampen und Leuchten, vieles von großem Wert.

Der Vermieter hat gekündigt: Bernd Lehmann muss sein Geschäft umziehen.
Der Vermieter hat gekündigt: Bernd Lehmann muss sein Geschäft umziehen. © Marion Doering

Zumindest im zweiten Lockdown muss er nicht schließen und hat noch ein wenig Umsatz, etwa 20 bis 30 Prozent des üblichen Einkommens. "Es kommen wenige Leute, der Umsatz stimmt nicht und die Kosten drücken wie verrückt", sagt Lehmann. Gerade einmal drei bis fünf Leute finden den Weg zu ihm pro Tag, vor allem die Touristen fehlen. Die waren sonst für 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich.

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"Viele gucken bloß, weil sie jetzt mehr Freizeit haben", sagt Lehmann, "wenn ich ihnen dann aber sage: 'Bitte Mundschutz tragen', dann drehen sie sofort auf der Stelle um."

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