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Friseur-Termine Anfang März schon weg

In den Salons in Radeberg und Umgebung klingeln die Telefone heiß. Die Vergabe wird ganz unterschiedlich geregelt.

Szilvia Schiffel ist Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Bautzen und selbst Inhaberin zweier Friseursalons. Die sind wie alle anderen Friseurgeschäfte derzeit geschlossen, doch viele ihrer Kunden fragen in diesen Tagen nach Terminen.
Szilvia Schiffel ist Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Bautzen und selbst Inhaberin zweier Friseursalons. Die sind wie alle anderen Friseurgeschäfte derzeit geschlossen, doch viele ihrer Kunden fragen in diesen Tagen nach Terminen. © SZ/Uwe Soeder

Radeberg. Es ging schon auf 20 Uhr zu. Aber wem der Pony über die Augen hängt oder die Dauerwelle längst rausgewaschen ist, der greift auch am Abend zum Telefonhörer, um einen Frisörtermin zu machen.

Das ist am Mittwoch passiert, kurz nachdem die Bundesregierung das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie erläutert hat inklusive Lockerungen für Friseure. „Ja, zu dem Zeitpunkt hatten wir die ersten Anrufe, seitdem steht das Telefon nicht mehr still“, sagt Szilvia Schiffel, Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Bautzen und selbst Inhaberin zweier Friseursalons. Bis Mitte März ist bei ihr kaum noch ein Termin zu bekommen.

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Genauso geht es Tino Herrmann, Geschäftsführer von „Ihr Friseur“ mit Salons in Lomnitz, Großröhrsdorf, Bischofswerda und anderen Orten in der Umgebung. „Seit klar ist, dass wir ab 1. März wahrscheinlich wieder öffnen können, stehen die Telefone nicht mehr still. Jeder möchte einen Termin haben und das freut uns sehr. Meine Mitarbeiter wollen endlich auch wieder für ihre Kunden da sein“, sagt er.

Jetzt bedeutet die Terminvergabe erst einmal viel Arbeit. „Manch einer versucht, auf allen Kanälen einen Termin zu bekommen, per Mail, mitunter über mehrere Mail-Adressen und telefonisch. Für uns ist das nicht ganz einfach auseinanderzuhalten und Doppelbuchungen zu vermeiden“, sagt der Geschäftsführer.

Friseure planen längere Arbeitszeiten

Er und seine Mitarbeiterinnen versuchen alles, um so viele Wünsche wie möglich zu erfüllen. „Wir werden beispielsweise abends länger arbeiten.“

Bessere Chancen einen Termin zu bekommen hat jeder, der auch zu mal einer ungewöhnlichen Zeit kommen kann, also nicht am späten Nachmittag oder frühen Abend.

Einen anderen Weg bei der Terminvergabe geht Peggy Kallenbach, Geschäftsführerin von Annette Friseurbetriebe Radeberg GmbH. Auch bei ihr und ihren Kolleginnen klingeln ununterbrochen die Telefone, doch verbindliche Termine werden noch keine vergeben.

„Das passiert bei uns erst ab dem 22. Februar“, sagt sie. Jeder, der jetzt anruft, wird auf eine Liste eingetragen. „So erhalten wir einen Überblick und können alles optimal verteilen. Wir rufen die Kunden dann ab dem 22. an und vereinbaren den festen Termin.“ So werde ein Durcheinander vermieden.

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Außerdem will Peggy Kallenbach erst die genauen Regelungen für die Öffnung kennen. „Die legen die sächsischen Behörden ja noch fest. Welche Masken müssen getragen werden? Sind Corona-Tests vorgeschrieben? Welche Mindestfläche muss pro Person zur Verfügung stehen? Das alles steht erst in der Allgemeinverfügung des Freistaates drin. Wenn ich sie in den Händen halte, kann ich mich darauf einstellen.“

Bei ihr ist die Unsicherheit groß, wie der Neustart genau verlaufen wird. „In den ersten Tagen ist sicher der Andrang sehr groß. Doch wir wissen nicht, ob alle Kunden von vor der Corona-Zeit wieder kommen. Vielleicht haben sich einige inzwischen selber geholfen und sich von der Freundin oder der Nachbarin schneiden lassen. Ich bin sehr gespannt.“

Sie und ihre Mitarbeiterinnen sind jedenfalls gut vorbereitet. „Alle wollen, dass es endlich wieder losgeht.“

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Auch bei Annekathrin Kühnert ist die Freude groß. „Jetzt haben wir ein Öffnungsdatum, von dem wir hoffen, dass es auch eingehalten wird. Meine Kunden jedenfalls warten schon sehnlichst darauf, sich wieder die Haare schneiden oder färben zulassen und auch ich freue mich schon sehr“, sagt die Radeberger Friseurin.

In der Öffentlichkeit fällt ihr auf, dass der Nachholbedarf teilweise groß ist. „Man sieht schon, dass bei einigen die angemessene Länge überschritten ist oder die Farbe längst herausgewachsen ist.“

Dass es wieder losgeht, ist für die Kunden wichtig, aber natürlich auch für die Friseure selber. „Wir waren jetzt sieben Wochen ohne Einkünfte. Bis 1. März werden es zehn Wochen sein. Etliche meiner Kollegen stehen finanziell mit dem Rücken an der Wand. Kosten wie Mieten oder Versicherungen laufen weiter, auch das Kurzarbeitergeld müssen die Inhaber für ihre Mitarbeiter erst einmal vorschießen. Da gerät man schnell an seine Grenzen“, sagt Innungsobermeisterin Szilvia Schiffel.

Videokonferenz mit MP Kretschmer: "Sind systemrelevant"

Dringend sei es jetzt, schnell die zugesagten finanziellen Hilfen auszuzahlen. Dass Friseursalons Anfang März wieder öffnen können, ist auch einem langen Kampf der Handwerkskammern und anderer Verbände zu verdanken.

„Wir hatten erst vor einigen Tagen eine Videokonferenz mit Ministerpräsident Michael Kretschmer, in der wir ihn eindringlich auf die Probleme der Friseure hingewiesen haben. Ich glaube, vielen ist bewusst geworden, dass das Friseurhandwerk zur Körperpflege zählt und damit systemrelevant ist“, sagt sie.

Angestrebt hatte die Innung eine Öffnung schon ab nächstem Montag. Jetzt ist es der 1. März geworden. „Leider gibt es auch hier ein Hintertürchen. Die Infektionszahlen müssen niedrig sein, sonst könnte die Regelung noch gekippt werden. Wir hoffen eindringlich, dass es nicht dazu kommt.“

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