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Tiny Houses: Mini-Häuser made in Dresden

Tiny Houses liegen voll im Trend, denn sie sind preiswerter und benötigen weniger Energie. Nun will damit auch ein Dresdner Unternehmen den Markt erobern. Wie das klappen soll und was ein solches Häuschen kostet.

Von Nora Domschke
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Jens Maul hat ein Mini-Haus entworfen. Mit seiner Dresdner Firma Pure Homes will er diese Domizile nun verkaufen.
Jens Maul hat ein Mini-Haus entworfen. Mit seiner Dresdner Firma Pure Homes will er diese Domizile nun verkaufen. © Marion Doering

Dresden. In nur vier Monaten zum neuen Eigenheim? Was mit einem normalen Einfamilienhaus nicht zu schaffen ist, soll mit einem Mini-Loft aus Dresden machbar sein. Das zumindest verspricht Jens Maul, Geschäftsführer der im vergangenen Jahr gegründeten Pure Homes GmbH. In seinem Büro am Altmarkt hat der Diplom-Ingenieur ein Modell eines solchen Mini-Hauses, auch bekannt unter der englischen Bezeichnung Tiny House, entwickelt. Vier Grundmodelle wird es künftig geben, unter denen der Kunde auswählen und sich sein Mini-Loft ganz nach Belieben gestalten lassen kann.

Klare Formen, große Fensterflächen, offene Räume, moderne Technik - mit diesem Produkt wollen die Planer des Dresdner Unternehmens Pohl+Pohl Architekten den deutschen Immobilienmarkt erobern. Gemeinsam mit Konstanze Pohl führt Jens Maul die Geschäfte des neuen Unternehmenszweiges Pure Homes. Zur Baumesse Haus, die von Donnerstag bis Sonntag auf dem Dresdner Messegelände stattfindet, wollen sie ihr neues Konzept erstmals präsentieren.

Das minimalistische Wohnen ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Der Trend kommt aus den USA, wo viele Menschen bewusst - oder auch aus Geldgründen - in Trailerparks wohnen. In Europa werden solche Siedlungen bislang vor allem als Ferienparks genutzt.

Bei steigenden Mieten und explodierenden Baukosten soll das Mini-Loft eine Alternative zur Miet- oder Eigentumswohnung bieten. Wer dort einzieht, sollte allerdings eines beherrschen, sagt Jens Maul: "Ballast abwerfen. Der Platz für Hausrat und Möbel ist begrenzt." Doch genau das treffe den heutigen Zeitgeist.

Produktion startet in einer Dresdner Halle

Marktstudien hätten gezeigt, so Maul, dass das Interesse an den Mini-Wohnprojekten und auch deren Realisierung in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. "Sogar im zweistelligen Prozentbereich." Diesen Bedarf wollen Jens Maul und sein Team nun nutzen, um ihre Mini-Lofts auf den Markt zu bringen.

Deutschlandweit gibt es inzwischen mehr als 50 Firmen, die Tiny Houses anbieten. In diesem Jahr sollen die ersten Projekte von Pure Homes auf den Weg gebracht werden. Die Produktion startet zunächst in einer Halle in Dresden. Wenn die Aufträge zunehmen, soll die Produktion an einen größeren Standort umziehen. "Wir wollen aber gern in Deutschland bleiben."

Bei diesem Mini-Loft werden zwei Module miteinander kombiniert. Das Modell zeigt, wie ein solches Häuschen gestaltet werden kann.
Bei diesem Mini-Loft werden zwei Module miteinander kombiniert. Das Modell zeigt, wie ein solches Häuschen gestaltet werden kann. © 3D-Visualisierung www.archlab.de; Repro: Marion Doering

Das Mini-Loft "made in Dresden" wird sowohl von den Planern als auch von seinem künftigen Eigentümer aus einer Palette an Gestaltungsmöglichkeiten gemeinsam entwickelt. So gibt es mit Flach-, Sattel- und Pultdach drei verschiedene Varianten, das Häuschen zu gestalten, ebenso bei der Fassade, für die unterschiedliche Designs zur Verfügung stehen.

Bei der Inneneinrichtung sind drei Linien vorgesehen: Das Mini-Loft wird mit Einbauküche, Tresen und Schränken in Bad und Schlafzimmer geliefert. Lediglich die beweglichen Möbel bringt der neue Bewohner mit. "So wollen wir die Wohnfläche möglichst gut nutzen", erklärt Jens Maul.

Zielgruppe: Paare und Singles

Die vier bislang entwickelten Modelle sind zwischen 36 und 65 Quadratmetern groß. "Es gibt mit 18 Quadratmetern aber auch eine ganz kleine Einheit." Ob die nun tatsächlich zum dauerhaften Wohnen genutzt wird oder eher als Wochenenddomizil oder Hobbyraum, das müsse jeder Eigentümer selbst entscheiden. Auch als Erweiterung für ein bestehendes Haus könne ein solches Modul fungieren - als ebenerdiger Anbau oder oben auf dem Dach - all das sei möglich. Was für jegliche Variante gilt: Der Bauherr braucht dafür eine Baugenehmigung. Und auch das nötige Kleingeld, denn die Mini-Lofts sind dem gehobenen Segment der Tiny Houses zuzurechnen.

Das Modell zeigt, wie das Mini-Loft eingerichtet werden könnte.
Das Modell zeigt, wie das Mini-Loft eingerichtet werden könnte. © Marion Doering

Abhängig von Größe und Ausstattung werden zwischen 130.000 und 150.000 Euro fällig. Das gilt aber nur für die Modelle aus den bereits entworfenen Linien. Bei Sonderwünschen wird das Mini-Loft entsprechend teurer. Damit liegt der Quadratmeter-Preis eines solchen Häuschens ähnlich hoch wie bei einem normalen Einfamilienhaus, räumt Jens Maul ein.

"Doch die Gesamtkosten sind durch die geringe Größe niedriger." Das betrifft etwa auch die Fläche des Baugrundstücks. Ein weiterer Vorteil: Es fallen weniger Betriebs- und Nebenkosten an. Auch die Reinigung und Instandhaltung seien deutlich günstiger.

Bei allen Argumenten für ein Miniloft sagt Jens Maul aber auch ganz klar: Für Familien mit Kindern könnte diese Wohnform zu eng werden. "Wir haben dazu viele Erfahrungsberichte gelesen und angeschaut. Die Zielgruppe sind doch eher Paare und Singles." Oder die Familie erweitert ihr Mini-Loft für den Nachwuchs um ein oder mehrere Module.

Noch können sich Kunden nur an einem Modell anschauen, wie die Mini-Lofts aussehen. Demnächst werden zwei Musterhäuschen in Echtgröße gebaut.
Noch können sich Kunden nur an einem Modell anschauen, wie die Mini-Lofts aussehen. Demnächst werden zwei Musterhäuschen in Echtgröße gebaut. © Marion Doering

Eine andere Zielgruppe könnten auch Menschen sein, die ein Wochenendhäuschen suchen und dieses auch an andere vermieten können. Dafür plant Jens Maul bereits ganze Mini-Loftparks, auch in Sachsen. Zunächst sollen aber erst einmal ein bis zwei Musterhäuschen entstehen.

Vom 2. bis 5. März findet die große Baumesse HAUS in der Messe Dresden, Messering 6, mit mehr als 400 Ausstellern statt. Geöffnet ist allen vier Messetagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, die Teilnahme am Vortragsprogramm ist darin enthalten. Im Online-Kartenvorverkauf gibt es Rabatte.

Die Messe Haus wird von der Ortec Messe und Kongress GmbH veranstaltet. Die Ortec ist Teil der DDV-Mediengruppe, zu der auch Sächsische.de und Sächsische Zeitung gehören.