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"Ich wollte diese krasse Maschine sein"

Einst war sie "Deutschlands schönste Polizistin". Inzwischen hat die Dresdnerin Adrienne Koleszar den Dienst quittiert und eine Botschaft an alle Influencer.

Die frühere Polizistin Adrienne Koleszar ist die wohl erfolgreichste Dresdner Influencerin.
Die frühere Polizistin Adrienne Koleszar ist die wohl erfolgreichste Dresdner Influencerin. © privat

Dresden. Mit knallharten Muskeln und Fotos in Polizeiuniform wurde Adrienne Koleszar im Internet bekannt. Heute folgen der 36-Jährigen mehr als 580.000 Menschen auf Instagram.

Statt Mucki-Bildern bekommen die aber inzwischen Problemzonen und andere ungeschminkte Wahrheiten zu sehen. Dresdens erfolgreichste Influencerin hat sich neu erfunden - und will eine Botschaft vermitteln.

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Adrienne, kurz vor Beginn der Corona-Krise haben Sie vergangenes Jahr bei der Polizei gekündigt. Bereuen Sie den Schritt?

Auf keinen Fall. Klar, ich hätte bis an mein Lebensende mit der Polizei verheiratet sein können. Aber in einer Ehe muss man auch glücklich sein. Am Ende war es die eigene Unzufriedenheit, die den Ausschlag für meine Entscheidung gegeben hat. Spätestens nach meinem Bandscheibenvorfall 2019 war meine Perspektive in diesem Job der Schreibtisch. Wer nicht mehr richtig rennen kann, hat im Streifendienst nichts verloren. Für den reinen Bürodienst habe ich mich aber einfach zu jung gefühlt. Dass dann Corona kam und man trotzdem nur in der Bude hockte, konnte ja niemand ahnen.

Ihren Polizeidienst quittierte Adrienne Koleszar im Februar 2019.
Ihren Polizeidienst quittierte Adrienne Koleszar im Februar 2019. © privat

Statt Beamtin sind Sie jetzt Vollzeit-Influencerin. Wie kommen Sie durch die Krise?

Es war volles Risiko, aber ich fühle mich immer noch befreit. Ich traue es mir ja kaum zu sagen, aber mir geht’s gut. Ich bin durch Corona in kein Loch gefallen und kann mich über die Auftragslage nicht beklagen. Neben Instagram und YouTube habe ich jetzt seit zwei Wochen meinen eigenen Podcast "Geschichten vom Ponyhof". Das hat den großen Vorteil, dass ich den auch morgens 5.30 Uhr in Schlüppern auf dem Sofa aufnehmen kann. Das einzige, was ich vermisse, ist die Freizügigkeit. Eigentlich habe ich ja diesen Job gewählt, damit ich um die Welt reisen und von überall aus arbeiten kann.

Und jetzt werden Sie häuslich?

Das sicher nicht. Ich bin zwar im richtigen Alter für ein Kind, aber wenn man frisch verliebt ist, dann will man sich auch noch ein bisschen ausleben. Immerhin hat uns Corona ein Jahr gestohlen, das ich noch gern nachholen möchte. Abgesehen davon habe ich inzwischen aber auch eine Zwergpudeldame an meiner Seite. Dieser Verantwortung bin ich mir schon bewusst. Und Deutschland hat ja auch megaschöne Ecken.

Statt der typisch inszenierten Instagram-Posen zeigen Sie sich seit einiger Zeit natürlicher. Ist das eine Botschaft?

Die perfekte Sportlerin mit dem Traumkörper - das bin ich nicht. Es muss aufhören, dass jeder nur noch voll geschminkt und mit Filter vor die Kamera tritt. Diese ganze Influencer-Szene ist so was von aufgeblasen. Ich gehe jetzt vor die Kamera, so wie ich eben aussehe, und betrachte mich eher als Alleinunterhalterin. Das ist viel schwerer, als die meisten Leute glauben. Da geht es nicht einfach nur darum, ab und zu ein Produkt in die Kamera zu halten. Ich versuche, mich jeden Tag neu zu erfinden und dabei trotzdem authentisch zu bleiben.

Seit einiger Zeit zeigt sich Adrienne am liebsten ungeschminkt im Alltag.
Seit einiger Zeit zeigt sich Adrienne am liebsten ungeschminkt im Alltag. © privat

Letztlich verdienen aber auch Sie Ihr Geld mit Produktempfehlungen.

Ja, aber ich werde nie irgendwas in die Kamera halten, nur weil es dafür gerade richtig viel Geld gibt. Ich stehe hinter allem, was ich sage und zeige.

Was halten Sie vom Comedian Oliver Pocher, der sich gern über die Infuencer-Scheinwelt lustig macht?

Da bin da geteilter Meinung. Anfangs habe ich mir das ganz gern angeschaut, aber teilweise erinnert das jetzt schon an eine Hetzjagd gegen Influencer. Andererseits sind diejenigen, die es erwischt, auch nicht ganz unschuldig und Pocher legt den Finger in die Wunde. Viele werden jetzt nochmal überdenken, was sie posten. Und das ist doch nicht verkehrt.

Sie haben zuletzt zu einer Aktion aufgerufen, bei der Frauen ihren Po in Szene setzen sollen.

Ja. Unendlich viele Frauen möchten sich daran beteiligen und ich muss die Aktion sogar noch größer machen. Die Botschaft dabei ist: Niemand soll an seinem Körper zweifeln und denken, er habe einen hässlichen Po. Nee, das ist er nicht. All diese vermeintlich perfekten Influencerinnen haben Problemzonen und Krankheiten, nur die wenigsten sprechen darüber. Ich war auch mal so. Ich hätte früher nie gezeigt, dass ich Cellulite habe. Ich wollte diese krasse starke Maschine sein, die ich aber nicht bin.

An Body-Building-Wettbewerben nimmt sie heute nicht mehr teil.
An Body-Building-Wettbewerben nimmt sie heute nicht mehr teil. © privat

Aber denken Sie wirklich, dass Sie mit Ihrem durchtrainierten Körper als Vorbild für diese Botschaft taugen?

Wenn man mich nur obenrum betrachtet, könnte man denken: krass. Aber unter der Gürtellinie sieht es ganz anders aus. Meine Beine sind sehr durchwachsen und neigen zum Zunehmen. Klar gehe ich gern ins Fitnessstudio, aber auch mein Körperfettanteil steigt. Ich bin ich eine ganz normale Frau mit normalen Problemen.

Zurzeit macht Ihnen offenbar der Fuß Probleme.

Ja, ich habe zwar keine Schmerzen, aber mein Knöchel hat sich komplett entzündet und ist angeschwollen. Wahrscheinlich hat das mit meinem Lip- und Lymphödem zu tun. Von den Ärzten habe ich zuletzt häufig den Spruch gehört: "Sie haben einfach ein schlechtes Bindegewebe." Die nächste Stufe wäre, dass etwas reißt und ich wieder ein Jahr lang raus wäre. Deswegen bekomme ich jetzt eine flexible Orthese und muss ein bisschen piano machen.

Während des Lockdowns nutzt Adrienne jede Chance, mal andere Gesichter zu sehen.
Während des Lockdowns nutzt Adrienne jede Chance, mal andere Gesichter zu sehen. © privat

Treiben Sie heute anders Sport als vor fünf Jahren?

Ich gehe die Sachen langsamer und bewusster an, dehne und mobilisiere mich. Ich mache also all die Dinge, die du als Jugendlicher nicht machst. Da gab es keine Erwärmung.

Was raten Sie den Menschen, die im Lockdown fit bleiben wollen?

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Ich kann nur jedem empfehlen, direkt früh am Morgen einen straffen Spaziergang zu machen. Auch tagsüber oder abends sollte ein kleines Workout drin sein, statt auf dem Sofa zu versacken. In Lockdown-Zeiten kann es auch nicht schaden, ein bisschen Equipment zu Hause zu haben. Ein paar Kugelhanteln oder ein Theraband reichen völlig aus. Zur Not tun es auch Wasserflaschen und ein Rucksack mit Büchern. Man muss einfach kreativ sein und sollte sich auf keinen Fall aufgeben.

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