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Wenn Wissen rettet und belastet

Am Dresdner Uniklinikum ringt Julia Hauer mit ihrem Team darum, dem Krebs bei Kindern auf die Schliche zu kommen. Dabei können Geldsorgen lebensbedrohlich sein.

Prof. Julia Hauer leitet seit Januar 2019 den Bereich Pädiatrische Onkologie und Hämatologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Uniklinikums.
Prof. Julia Hauer leitet seit Januar 2019 den Bereich Pädiatrische Onkologie und Hämatologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Uniklinikums. © Sven Ellger

Dresden. Die Biergärten sind voll, doch größere Veranstaltungen wie Galas und Konzerte müssen nach wie vor warten. Entsprechend fallen auch weiterhin Benefizaktionen aus. Darunter leiden vor allem soziale, aber auch wissenschaftliche Projekte, die zum Teil mit Spenden finanziert werden. Dazu zählt ein besonderes Forschungsprojekt am Dresdner Universitätsklinikum. Es bringt Erkenntnisse für die Zukunft, hilft krebskranken Kindern und deren Familien aber auch schon jetzt - solange ausreichend Geld dafür zur Verfügung steht. Professorin Julia Hauer leitet die Kinderonkologie der Uniklinik und erklärt, warum die Studien ihres Teams lebenswichtig sind.

Professor Julia Hauer, Untersuchungen der Gene können den Kampf gegen Krebserkrankungen erleichtern. Wie geht das?

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Wir können im Erbgut Veränderungen aufspüren, die uns Aufschluss darüber geben, warum ein Kind an Krebs erkrankt ist. Nicht jede Krebserkrankung geht auf Veränderungen der Gene zurück. Das betrifft acht bis zehn Prozent. In diesen Fällen reagieren wir darauf entsprechend therapeutisch. Auch für die Verhütung weiterer Krebserkrankungen im Laufe des Lebens sind solche Erkenntnisse wichtig - nicht nur bezogen auf das betroffene Kind.

Auch die Familien erkrankter Kinder können untersucht werden. Wozu ist das gut?

Stellen wir tatsächlich Genmutationen beim Kind fest, liegt die Befürchtung nahe, dass auch Eltern und Geschwister ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Ihnen können wir dann ebenfalls eine intensivere Vorsorgebetreuung anbieten, als normalerweise üblich.

Welche Krankheitsanlagen lassen sich auf diese Weise noch aufdecken?

Wir untersuchen ausschließlich genetische Faktoren, die mit der Krebserkrankung des Kindes in Verbindung stehen. Mehr ist auch nicht erlaubt. Genuntersuchungen sind ein wichtiges Thema, müssen aber sehr gut aufgeklärt und kontrolliert werden. Deshalb ist die Untersuchung und auch die der Familienangehörigen absolut freiwillig und wird nur angeboten, wenn es beim erkrankten Kind Hinweise auf genetische Hintergründe des Krebses gibt.

Wie viele Eltern nehmen das Angebot an?

Das Einverständnis ist sehr groß. Rund 95 Prozent der Eltern, deren Kinder bei uns am Uniklinikum wegen einer Krebserkrankung behandelt werden, stimmen zu. Das will gut überlegt sein, denn das Wissen um ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, kann sehr belastend sein. Ganz besonders achtsam müssen wir damit umgehen, wenn es um Kinder geht, die noch nicht für sich selbst entscheiden können. Dennoch haben wir bisher rund 120 Familien in unsere Studie aufnehmen können.

Warum ist es nötig, diese, für die Zukunft so wichtige Genanalyse, über Spenden zu finanzieren? Müsste das nicht als Prophylaxe Kassenleistung sein?

Die Untersuchung einer Familie auf ihren genetischen Fingerabdruck in Bezug auf Krebs kostet rund 1.000 Euro. Krankenkassen zahlen diese Leistung nicht. Dafür gibt es Regularien, die eben schwierig sind und ihre Gründe haben. Deshalb sind wir sehr froh, wenn wir Spendengelder erhalten, wie zuletzt aus der Aktion der coronabedingt ausgefallenen Foodraising-Party.

Zwei Kuratoriumsmitglieder des Sonnenstrahl e.V., der die Krebsforschung unterstützt, haben 30.000 Euro gesammelt. Warum sind die so wichtig?

Die Mittel erlauben es uns, die Studie um einen Aspekt zu erweitern. Dabei geht es darum herauszufinden, wie sich gesunde Körperzellen unter dem Einfluss von Chemotherapie verhalten. Davon versprechen wir uns Erkenntnisse zum Thema Nebenwirkungen bei Kindern und können, so weit das möglich ist, auch bei der Wahl der Therapieform darauf reagieren.

Wie viele Kinder leiden an Krebs?

Pro Jahr nehmen wir am Universitätsklinikum Dresden etwa 70 bis 80 Kinder auf, die neu an Krebs erkrankt sind. Dabei kommen akute Leukämie und Gehirntumore bei Kindern am häufigsten vor. Die Heilungschancen sind relativ hoch und liegen bei über 80 Prozent.

Auf welche Weise erschwert Corona die Arbeit auf Station und in der Forschung?

Das Spielzimmer auf unserer onkologischen Kinderabteilung ist gesperrt und Gruppenveranstaltungen sind nicht möglich. Besuche mussten wir einschränken, aber sie blieben erlaubt. Testen und Hygieneregeln sind natürlich selbstverständlich. In den Laboren kam es vorübergehend zu Stagnation, weil vom Homeoffice aus nicht alle Arbeiten erledigt werden können. Finanzielle Mittel hängen natürlich auch davon ab, welche Benefizveranstaltungen stattfinden können und welche nicht. Aber alle Patienten wurden genau so therapiert, wie sie es brauchen, unabhängig von Corona.

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