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Vom Freiheitsdrang einer Straßenhündin

In Rumänien drohte ihr der Tod. Inzwischen hat Trixi ein liebevolles Zuhause in einer Dresdner Familie gefunden. Manchmal ist das abenteuerlich.

Kerstin und Gert Schadt adoptierten einen rumänischen Straßenhund - mit all seinen Eigenheiten.
Kerstin und Gert Schadt adoptierten einen rumänischen Straßenhund - mit all seinen Eigenheiten. © René Meinig

Dresden. Trixi hat ein dickes Fell. Und vor allem ein langes. Da Trixi panische Angst vor dem Friseur hat, lassen Kerstin und Gert Schadt die Haare einfach wachsen. Einen Schönheitswettbewerb muss Trixi ja nicht mehr gewinnen, zumal sie auch so flauschig zum Knuddeln einlädt.

Familie Schadt aus Dresden hatte Hunde in ihrer Wohnung, und alle sind bei ihnen alt geworden. Als vor zwei Jahren einer starb, war für Kerstin Schadt sofort klar: "Ohne Hund geht ni."

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Also fuhr sie mit mit ihrem Mann ins Tierheim "Zum Streuner" nach Pirna und verguckte sich dort in einen schwarzen-grauen Mischling, der die richtige Größe und offensichtlich genug Charme hatte. Pixi, wie sie damals noch hieß, wuchs als Straßenhündin in Rumänien auf. Mitarbeiter des Tierschutzvereins Pirna und Umgebung holten sie nach Deutschland und bewahrten sie damit vor dem sicheren Tod.

"Trixi war damals schon acht Jahre alt und sehr scheu", erinnert sich Kerstin Schadt. Außerdem wurde ihr gesagt, dass das Tier vermutlich ein Jahr brauchen werde, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. "Das alles hat uns aber überhaupt nicht gestört." Nach einigen gemeinsamen Spaziergängen und Ausflügen konnten sie den Hund mit nach Hause nehmen.

"Ältere Tiere sind sonst verloren"

Etwa vier Mal im Jahr holt der Tierschutzverein sechs bis acht dieser bereits kastrierten und durchgeimpften Hunde aus Rumänien, um sie hier in liebevolle Hände weiterzuvermitteln. "Diese Tiere sind zwar oft traumatisiert, aber meist sehr lieb und verstehen sich gut mit anderen Hunden", sagt Regina Walther, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. "Bei der Auswahl in Rumänien geben wir auch älteren Tieren eine Chance, weil die sonst total verloren sind."

Dazu muss man wissen, dass frühere Straßenhunde einige Eigenheiten haben, die sie später nur schwer wieder ablegen. Dazu gehört ihr unwahrscheinlicher Drang nach Freiheit. Erst vor wenigen Wochen machte ein Hund namens Maia, der Trixi sehr ähnlich sieht, ebenfalls aus Rumänien stammt und wie sie im Pirnaer Tierheim unterkam, in der Region Schlagzeilen.

Nachdem sie zuvor bereits mehrfach ausgebüxt war, verschwand Maia bei einem ihrer Ausflüge für mehrere Monate und konnte auch mit Futterfallen zunächst nicht eingefangen werden. Den ganzen Winter über schlug sie sich in der Sächsischen Schweiz durch, bis sie ihr Weg über einige Umwege auf die Festung Königstein führte. Das Happy End: Eine in der Festung lebende Familie schloss sie in ihr Herz und adoptierte sie. Die Festungsgesellschaft übernahm die Patenschaft.

Kerstin Schadt musste grinsen, als sie jüngst von dieser Geschichte las. "Mit unserem kleinen Ausreißer haben wir auch schon solche Abenteuer erlebt", sagt sie. Nach einem Monat in ihrer Obhut entwischte Trixi abends beim Gassigehen mitsamt Leine und Geschirr. "Danach begann eine riesige Suchaktion", erinnert sich die Dresdnerin. Auch Plakate seien aufgehängt worden.

Auch für die Straßenhündin Maia gab es ein Happy End: Sie lebt ab sofort auf der Festung Königstein.
Auch für die Straßenhündin Maia gab es ein Happy End: Sie lebt ab sofort auf der Festung Königstein. © privat

Ab und zu wurde Trixi in den Tagen und Wochen darauf gesichtet, einmal auch mit einer Maus im Maul. Einfangen ließ sie sich jedoch lange Zeit nicht. "Nach drei Wochen, als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, klingelte auf einmal unser Nachbar und sagte, Trixi stehe unten vor der Tür", sagt Kerstin Schadt. Und tatsächlich: Offenbar hatte die Hündin vorerst genug von der Freiheit und sehnte sich nach einem trockenen Plätzchen und ausreichend Futter. "Hier oben hat sie sich dann erstmal dusslig gefuttert."

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Seit diesem Tag sind Trixi und die Dresdner Familie ein prima Team. Ein wenig scheu und ängstlich wird sie immer bleiben und vermutlich auch immer lieber aus einer Pfütze statt aus ihrem Trinknapf trinken. Sie fährt nicht gern Auto und bellt auch schon mal ihr Frauchen an, wenn ihr was nicht passt. Dennoch ist Familie Schadt glücklich. "Wir haben einen großen Garten in Radeberg, wo sie sich mit Vorliebe eingräbt", sagt Kerstin Schadt. "Manchmal ist sie auch dort kaum zu finden, taucht am Ende aber immer wieder auf."

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