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ÖPNV-Streik in Dresden: 24 Stunden lang fahren keine Straßenbahnen und kaum Busse

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Freitag zu einem 24-Stunden-Streik aufgerufen. In Dresden entfielen die meisten Verbindungen, nur wenige Linienbusse fuhren. Die Entwicklungen zum Nachlesen im Newsblog.

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Am Freitag streiken die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe 24 Stunden lang unter anderem für höhere Löhne. Aufgerufen dazu hat die Gewerkschaft Verdi.
Am Freitag streiken die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe 24 Stunden lang unter anderem für höhere Löhne. Aufgerufen dazu hat die Gewerkschaft Verdi. © Christian Juppe

Dresden. Eigentlich dauern Warnstreiks nur wenige Stunden. Werden die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bestreikt, kehrt der Linienverkehr deshalb irgendwann im Verlauf eines Tages zum Normalbetrieb zurück. Doch am Freitag wird ganztägig gestreikt, also nicht nur morgens oder tagsüber, sondern auch in der Nacht zum Sonnabend. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem 24-Stunden-Streik aufgerufen und plant schon den nächsten Streik. Die Entwicklungen des Tages hatten wir im Newsblog begleitet.

DVB-Streik in Dresden - das Wichtigste in Kürze:

  • Seit Freitagmorgen, 3.30 Uhr, fahren keine Bahnen und nur vereinzelt Busse in Dresden.
  • Hintergrund des Streiks sind die aktuellen Tarifverhandlungen zum Tarifvertrag der Beschäftigten im Nahverkehr.
  • Gestreikt wird in mehreren sächsischen Städten.
  • Die DVB-Verantwortlichen gehen davon aus, dass Busse und Bahnen erst in der Nacht zum Sonnabend oder am Sonnabendmorgen planmäßig fahren.
  • Auf einer Kundgebung am Freitag wurde bereits für Mittwoch der nächste große Streik angekündigt.
  • Ministerpräsident Michael Kretschmer appellierte an Verdi.

Der Verdi-Streik im Dresdner Nahverkehr in Bildern:

Seit dem frühen Freitagmorgen bestreikt Verdi in Dresden und anderen sächsischen Städten den Nahverkehr. Zuvor war die zweite Tarifrunde gescheitert.
Seit dem frühen Freitagmorgen bestreikt Verdi in Dresden und anderen sächsischen Städten den Nahverkehr. Zuvor war die zweite Tarifrunde gescheitert. © Christian Juppe
Seit 3.30 Uhr stehen Straßenbahnen und fast alle Busse in Dresden still.
Seit 3.30 Uhr stehen Straßenbahnen und fast alle Busse in Dresden still. © Christian Juppe
Verdi-Chef Frank Werneke im Straßenbahndepot in Dresden-Gorbitz.
Verdi-Chef Frank Werneke im Straßenbahndepot in Dresden-Gorbitz. © Christian Juppe
Bus- und Straßenbahnfahrer André Kühlberg, der seit sechs Jahren für die DVB arbeitet und sich im Betriebsrat engagiert, bei der Kundgebung vor dem Verkehrsmuseum. Das Angebot von fünf Prozent mehr Lohn bezeichnet er als lächerlich und fordert 10,5 Prozent.
Bus- und Straßenbahnfahrer André Kühlberg, der seit sechs Jahren für die DVB arbeitet und sich im Betriebsrat engagiert, bei der Kundgebung vor dem Verkehrsmuseum. Das Angebot von fünf Prozent mehr Lohn bezeichnet er als lächerlich und fordert 10,5 Prozent. © Christian Juppe
Am Postplatz fahren am Freitag nur vereinzelt Busse.
Am Postplatz fahren am Freitag nur vereinzelt Busse. © Christian Juppe
Der ÖPNV-Ausfall hat auch Staus im Autoverkehr zur Folge.
Der ÖPNV-Ausfall hat auch Staus im Autoverkehr zur Folge. © Christian Juppe
Lars Seiffert, der Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe AG, gibt ein Interview zum Streik, von dem sein Unternehmen betroffen ist.
Lars Seiffert, der Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe AG, gibt ein Interview zum Streik, von dem sein Unternehmen betroffen ist. © Christian Juppe

17.55 Uhr: Ende des Newsblogs zum Streik im Nahverkehr in Dresden

An dieser Stelle beenden wir die Liveberichterstattung zum Streik im Nahverkehr in Dresden. Fragen zum Ausstand werden Ihnen auch auf dvb.de/streik beantwortet. Voraussichtlich soll der Streik noch bis morgen, 3 Uhr, andauern.

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihnen einen angenehmen Abend, kommen Sie gut an Ihr Ziel!

17.13 Uhr: Ministerpräsident Michael Kretschmer appelliert an Verdi

Mit Blick auf den Tarifstreit um die Bezahlung im öffentlichen Dienst hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) an die Verantwortung der Gewerkschaft Verdi appelliert. "Das ist Ihre Angelegenheit, Ihre Verantwortung", sagte er am Freitag auf der Verdi-Landesbezirkskonferenz in Leipzig, zu der auch die Ministerpräsidenten aus Thüringen und Sachsen-Anhalt angereist waren. Verdi hatte zuvor zu einem Warnstreik am Freitag aufgerufen. Der öffentliche Nahverkehr war in Leipzig, Dresden und anderen Städten Sachsens zum Erliegen gekommen.

Kretschmer betonte, dass es für die Gewerkschaft nicht einfach sei, einerseits dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten im öffentlichen Dienst angesichts der Inflation einen Ausgleich erhalten - und andererseits darauf zu achten, dass keine Lohn-Preis-Spirale entsteht, durch die das Land an wirtschaftlicher Kraft und Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte. In den Tarifstreit wolle er sich aber nicht einmischen, fügte Kretschmer hinzu. "Das Klügste, was Politiker zu Tarifverhandlungen zu sagen haben, ist: nichts."

Auch Thüringens Landeschef Bodo Ramelow (Linke) äußerte sich nur zurückhaltend zum Tarifstreit. "Da geht's mir wie Herrn Kretschmer. Als Ministerpräsidenten sind wir die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst." Dennoch bezeichnete er den Kaufkraftverlust, der sich durch die Inflation ergeben habe, als "Katastrophe". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte, die ungleiche Bezahlung in einigen Branchen sei nicht hinnehmbar.

11.29 Uhr: Verständnis bei betroffenen Fahrgästen

Vom Streik betroffen sind aktuell auch die Schwestern und Studentinnen Cora und Lea Ringmann, die derzeit Semesterferien haben und zum Frühstücken mit dem Bus in die Stadt gefahren sind, jetzt aber nicht mehr zurückkommen, zumindest nicht mit dem Bus. Trotzdem haben die beiden vollstes Verständnis für die Streiks. "Das sind total wichtige Jobs, die müssen ordentlich bezahlt werden", sagt Cora Ringmann. "Deshalb bin ich gar nicht so sauer auf die Leute, da ich verstehe kann, dass sie das machen." Sie findet es gut, dass man im Vorfeld Informationen zu den Streiks online finden konnte, gibt aber auch zu: "Wenn ich heute arbeiten gehen würde, würde es nicht gehen." Privat nutzen die Studentinnen häufig Bus und Bahn sowie Mobibikes.

10.45 Uhr: Verdi kündigt nächsten Streik an

Die Kundgebung vor dem Verkehrsmuseum ist inzwischen beendet. Verdi-Bezirksgeschäftsführer Daniel Herold kündigt indes schon den nächsten Streik für den kommenden Mittwoch an. Tagsüber sei mit ähnlichen Einschränkungen zu rechnen, wie an diesem Freitag. Lediglich der Schülerverkehr am Morgen soll abgesichert werden, stellt Herold in Aussicht, "um den Schülern nicht so viel Ausfall zu produzieren". Ab 8 Uhr werde dann der ÖPNV ruhen. Er sagt, "die Bahnen kehren dann in die Depots zurück".

9.45 Uhr: Dresdner Linke: "Arbeitgeber müssen auf Streikende zugehen"

Der Dresdner Linke-Stadtrat Jens Matthis ist Mitglied im DVB-Aufsichtsrat und zeigt sich solidarisch mit den Streikenden. "Ich kann den Vertretern der Arbeitgeberseite, also der Kommunen und der Verkehrsunternehmen - insbesondere auch dem Dresdner Oberbürgermeister - nur empfehlen, schnell Schritte auf die Gewerkschaften und die streikenden Beschäftigten zu zu machen."

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehe, aber die Verantwortlichen und die Beschäftigten der DVB würden "letztendlich in derselben Bahn sitzen". Wenn die Einkommen bei den DVB nicht deutlich stiegen, so Matthis, würden sich viele der hoch qualifizierten Fachkräfte andere berufliche Perspektive suchen. "Diese Lücken angesichts des Fachkräftemangels zu schließen, wird am Ende für die Stadt Dresden viel teurer als jetzt Gewerkschaftsforderungen zu akzeptieren."

9.15 Uhr: Straßenbahnfahrer wünscht sich mehr Zeit für Familie

Ein 38-jähriger Straßenbahnfahrer berichtet, dass er sich mehr Zeit für die Familie wünscht. Mit vielen Einsätzen am Wochenende bleibe das oft auf der Strecke. "Auch in der Lohntüte könnte es ein bisschen mehr sein." Mit der Inflationszulage bekomme er bis September monatlich 1.900 Euro raus. Dann verdient er wieder 1.800 Euro netto. Der Schichtdienst sei sehr anstrengend - dafür ist es einfach zu wenig, sagt er.

Die Gewerkschaft fordert mindestens 500 Euro monatlich mehr Lohn.

Die Gewerkschaft fordert mindestens 500 Euro monatlich mehr Lohn.
Die Gewerkschaft fordert mindestens 500 Euro monatlich mehr Lohn. © SZ/Fionn Klose

8.45 Uhr: Demo vor dem Verkehrsmuseum

Mit Bussen des Kesselsdorfer Unternehmens Satra Eberhardt, das nicht zur DVB gehört, fahren die Streikenden nun von Gorbitz ins Stadtzentrum. Vor dem Dresdner Verkehrsmuseum findet 9.30 Uhr eine Kundgebung statt.