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Wie gut ist Dresden vor Hochwasser geschützt?

Meistgelesen: Angesichts der dramatischen Folgen des Starkregens im Westen rücken die hiesigen Schutzanlagen in den Fokus. Was im Ernstfall passieren würde.

Am 3. Juni 2013 war die Elbe in Dresden weit über die Ufer getreten. Hier ein Blick von der Carolabrücke zur Brühlschen Terrasse.
Am 3. Juni 2013 war die Elbe in Dresden weit über die Ufer getreten. Hier ein Blick von der Carolabrücke zur Brühlschen Terrasse. © Steffen Unger

Dresden. Die Bilder überfluteter Häuser und Straßen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind furchtbar. Sie rufen in Dresden auch Erinnerungen wach an die Hochwasser von 2002 und 2013, die verheerende Folgen hatten. Inzwischen ist viel geplant und gebaut worden, um die Stadt vor weiteren Fluten zu schützen. Seit 2002 hat die Landestalsperrenverwaltung (LTV) dafür knapp 124 Millionen Euro in Dresden investiert. Der LTV-Betrieb Oberes Elbtal ist in Dresden für den Flutschutz an Elbe, Weißeritz und Lockwitzbach zuständig.

Wenn in Tschechien die Elbe bedrohlich anschwillt, wird in Dresden Alarm ausgelöst. Das Haupteinzugsgebiet des Flusses liegt zu 95 Prozent im Nachbarland. Zwischen Usti und Dresden gibt es eine Vorwarnzeit von 16 Stunden.

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Was ist an der Elbe getan worden?

Über zwölf Kilometer des Dresdner Elbufers sind jetzt durch drei Großprojekte der LTV geschützt. Bis 2011 wurden im Zentrum zwischen Hasenberg und Alberthafen Schutzmauern und Böschungen gebaut, außerdem wurden drei Flutschutztore am Kongresszentrum und am Terrassenufer installiert, dazu zwei mobile Wände für die Münzgasse und die Brühlsche Gasse.

Vier Stadtteile haben seit 2013 durch die rund vier Kilometer lange Anlage aus Flutschutzwänden und Deichen zwischen dem Ballhaus Watzke und Kaditz einen Schutz. Bei Hochwasser können sie mit mobilen Elementen auf bis zu zwei Meter erhöht werden. Zuletzt wurde 2017 der Flutschutz für Stetzsch, Gohlis und Cossebaude fertiggestellt. Zwischen der Autobahnbrücke und dem Cossebauder Stausee sind Deiche und Wände entstanden. Bei Hochwasser sorgen zudem zwei Pumpwerke dafür, dass angestiegenes Grundwasser zur Elbe abgepumpt wird.

Der vom Hochwasser stark betroffene Stadtteil Laubegast soll ab Herbst 2022 eine Schutzanlage erhalten. Das Genehmigungsverfahren dafür soll laut Landesdirektion Sachsen bald zu Ende gebracht werden. Geplant ist eine Schutzanlage, die sich auf einer Länge von 540 Metern entlang des Altelbarms von der Marburger Straße bis zur Straße Am Fuchsbau erstreckt. Die Anlage besteht östlich der Leubener Straße aus einer bis zu 1,20 Meter hohen Schutzmauer. Westlich der Leubener Straße wird ein bis zu 1,30 Meter hoher Erddamm errichtet. Die Leubener Straße selbst soll mit Dammbalken mobil verschlossen werden können.

Wie sicher ist die Weißeritz?

Die LTV hat die Weißeritz seit 2009 zwischen Altplauen und der Mündung in die Elbe auf einer Länge von 4,7 Kilometern so ausgebaut, dass sie selbst eine 500-jährliche Flut wie 2002 sicher ableiten kann. Die Stadt beteiligte sich mit rund 14 Millionen Euro an Gesamtkosten von etwa 37 Millionen Euro. Zuletzt ist der gefährliche Weißeritzknick zwischen den Brücken Löbtauer und Kesselsdorfer Straße fertig geworden. Im Mai 2020 war er offiziell übergeben worden.

Im Oktober 2020 konnte oberhalb der Brücke Hamburger Straße noch die Fischaufstiegsanlage wieder in Betrieb genommen werden. Über sie können die Fische jetzt von der Mündung weiter in Richtung Weißeritzquelle schwimmen.

Die Weißeritz steht beim Hochwasser im Juni 2013 an der Oberkante des Flussbettes.
Die Weißeritz steht beim Hochwasser im Juni 2013 an der Oberkante des Flussbettes. © Peter Hilbert

Sind weitere Schutzanlagen geplant?

Ja. Ein höherer Deich soll das Kaditzer Klärwerk auf der Übigauer Insel zwischen Autobahn und Flügelwegbrücke schützen. Die Pläne wurden bei der Landesdirektion eingereicht. Geplant ist, dass der rund 1,4 Kilometer lange Deich um maximal einen Meter erhöht wird. Frühestens 2025 könnte der Bau beginnen.

Auch die Südseite der Kaditzer Flutrinne zwischen Autobahnbrücke und Böcklinstraße soll künftig vor einer 100-jährlichen Elbeflut geschützt werden. Auf 140 Metern Länge zwischen der Autobahn A 4 und dem Anschluss zur Brücke Washingtonstraße ist eine Geländeregulierung vorgesehen. Zwischen Washington- und Sternstraße soll eine etwa 863 Meter lange, bis zu 1,2 Meter hohe Hochwasserschutzwand entstehen. Auch dort ist frühestens 2025 mit dem Bau zu rechnen.

Für Altmickten ist ein Schutz vorgesehen, der sich an die Südwand der Flutrinne anschließt. Geplant ist eine rund 225 Meter lange Schutzwand an der Elbe, die von der Böcklinstraße bis kurz hinter die Lindenschänke reicht und zwei im Hochwasserfall mobil zu verschließende Scharten hat. Das längste Stück soll bis zu 1,3 Meter hoch werden. Teilweise sind auf der Mauer mobile Aufsätze für den Flutfall vorgesehen. Baubeginn dafür könnte 2027 sein.

Pläne gibt es auch für Altübigau. Diese sehen auf 175 Metern Länge Flutschutzwände mit einer Höhe zwischen zwei und 4,8 Metern vor. Auch hier soll es wie in Altmickten einen mobilen Verschluss aus Aluminium-Elementen in der Mitte geben, der den Weg zum Ortskern bei Hochwasser verschließt.

Was passiert im Ernstfall?

Eine Betriebsvorschrift regelt genau, was im Ernstfall geschieht. Erreicht der Elbpegel an der Augustusbrücke vier Meter, wird die Alarmstufe 1 ausgelöst. Die Einsatzbereitschaft wird hergestellt und die Entwicklung beobachtet. Das Umweltamt verfolgt das Wetter. Das Straßenbauamt veranlasst nötige Sperrungen, und der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste kümmert sich um die mobilen Elemente.

Erreicht der Dresdner Pegel 5,6 Meter, werden die mobilen Verschlüsse an der Münz- und der Brühlschen Gasse aufgebaut und das Flutschutztor an der Weißeritzstraße ausgefahren. Steigt die Elbe weiter, folgen die anderen Tore und mobilen Anlagen. "Beim Junihochwasser 2013 hatten wir uns entschlossen, alle mobilen Anlagen aufzubauen", sagt Matthias Kolitsch, Abteilungsleiter bei den Zentralen Technischen Diensten der Stadt und Beauftragter für mobilen Hochwasserschutz.

Beim Höchstpegel von 8,78 Metern wäre das zwar nicht nötig gewesen. So konnten aber spätere Probeaufbauten gespart werden. Die gesamte Anlage bestand im Juni 2013 ihre Feuertaufe. So konnte Starviolinist David Garrett trotz der Flut am 8. Juni auf dem Theaterplatz vor vielen Gästen spielen.

Wo kann sich jeder selbst informieren?

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Durch neue Flutschutzanlagen hat sich das Gefahrenpotenzial bei Hochwasser verändert. Die LTV hat für die Elbe, die Vereinigte Weißeritz und den Lockwitzbach die Hochwassergefahren und -risikokarten aktualisiert. Bereits im November 2020 waren sie für den Lockwitzbach fertig und wurden auch für die Elbe ans Dresdner Rathaus übergeben. Im Umweltportal des Freistaates können sich Behörden sowie Bürger und Gewerbetreibende umfassend informieren. Wer an einem Gewässer wohnt, kann daraus ableiten, ob und ab welchem Hochwasser er betroffen ist, beginnend ab einer Flut, wie sie statistisch einmal in 20 Jahren auftritt, bis hin zu einem Extremhochwasser. Aus den Karten sind auch Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten ersichtlich. Sie sind damit eine wichtige Grundlage für die Hochwasservorsorge und -abwehr der Kommunen - und nicht zuletzt für jeden selbst.

Im Themenstadtplan kann sich jeder Dresdner ansehen, welche Gebiete bei bestimmten Hochwasserständen gefährdet sind. Dort ist das auch im 3D-Stadtmodell möglich.

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