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Marktcheck: Kann veganer Käse mit echtem mithalten?

Geschmack, Preis, Zusatzstoffe: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 17 vegane Käsealternativen untersucht und für einen Marktcheck analysiert.

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Diese veganen Käsealternativen sind im thüringischen Gößnitz hergestellt worden - von der Landmanufaktur NaturWunderBar.
Diese veganen Käsealternativen sind im thüringischen Gößnitz hergestellt worden - von der Landmanufaktur NaturWunderBar. © dpa

Es gibt ihn als Feta, Camembert, in Scheiben, am Stück, als Parmesan, Frischkäse oder sogar als Grillvariante - so groß wie jetzt war die Vielfalt veganer Käsealternativen noch nie. Doch, was taugen sie im Vergleich zu klassischem Käse aus echter Milch wirklich? Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 17 verschiedene Produkte in Supermärkten und Discountern eingekauft und für einen Marktcheck analysiert.

Woraus bestehen die Käsealternativen?

Statt aus Milch bestehen vegane Käse-Ersatzprodukte vor allem aus Wasser, Kokosöl oder -fett sowie Stärke. Einige Käse-Alternativen enthalten zudem Nüsse, Hülsenfrüchte, Gemüse oder Reis. „Beim Einkauf sollte man genau hinschauen. Manche Hersteller jonglieren besonders raffiniert mit den Zahlen, um den eher geringen Anteil wertvoller Zutaten zu kaschieren“, erklärt Frederike Rauer von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei den Herzhaft Nussigen Genießerscheiben von Simply V sind es am Ende nur ein Gramm Walnüsse in 100 Gramm Käseersatz.

Wie viele Zusatzstoffe werden verwendet?

Viele pflanzliche Alternativen sind aromatisiert. Für Struktur und eine feste Konsistenz sorgen neben Speisestärke auch Zusatzstoffe wie modifizierte Stärke oder Johannisbrotkernmehl als Verdickungsmittel. Teilweise werden zusätzlich Säuerungsmittel verwendet. Alles in allem handelt es sich aber um unbedenkliche Zusatzstoffe. Mehr als zwei werden durchschnittlich nicht verwendet - eine überraschend geringe Anzahl, so die Verbraucherschützer. Zwei Produkte der Stichprobe kommen erfreulicherweise ganz ohne Zusatzstoffe aus und zwar Dr. Mannah’s Italienische Kräuter und Rücker Vega Lecker Mozzalina. Nur ein Produkt, die Vegane Frisch-Creme von Popp enthält fünf Zusatzstoffe, darunter der Konservierungsstoff Kaliumsorbat.

Hält veganer Käse in punkto Eiweiß und Kalzium mit echtem Käse mit?

Nein. Denn die Ersatzprodukte enthalten kaum Calcium und in der Regel nur sehr wenig Protein. Dabei werden Eiweiße in Form von Kartoffel-, Sonnenblumen-, Reis-, Kichererbsen- oder Mandelprotein zugesetzt. Im Durchschnitt beträgt der Protein-Gehalt der pflanzlichen Alternativen trotzdem nur zwei Prozent, bei normalem Käse sind es etwa 18 Prozent. Mehr Protein steckt nur in den beiden Produkten Hirtenglück von Licorne (8,3 Gramm pro 100 Gramm) und Italienische Kräuter von Dr. Mannah’s (14,1 Gramm pro 100 Gramm).

Fast durchweg hoch ist hingegen der Salz-Gehalt. In manchen Fällen schneiden die Ersatzprodukte sogar schlechter ab als herkömmlicher Käse, der an sich schon sehr salzhaltig ist. Besonders negativ fällt diesbezüglich das Produkt GranVegano gerieben von Bedda auf.

Schmecken die Pflanzenprodukte tatsächlich wie echter Käse?

Manchen scheint das zu gelingen. Doch es lassen sich zum Teil recht große Unterschiede zu ursprünglichem Käse feststellen, je nach Sorte und Hersteller. Manche Ersatzprodukte schmecken eher säuerlich oder künstlich, andere sind kaum vom Original zu unterscheiden. Auch die Konsistenz ist mitunter deutlich anders. „Es lohnt sich, regelmäßig neue Produkte auszuprobieren!“, rät Ernährungsexpertin Rauer.

Um dem Geschmack von Käse möglichst nah zu kommen, werden bei 11 der 17 Produkte Aromen zugesetzt. Das ist bei ursprünglichem Käse nicht erlaubt. Und für die klassisch gelb-orange Farbe von Käse sorgen Farbstoffe wie beispielsweise Carotin. Fünf Produkte der Stichprobe enthalten Carotin oder Beta-Carotin und drei Produkte färbende Lebensmittel aus Karotten- und Apfelkonzentrat. Doch auch bei Käse aus Kuhmilch wird häufig mit Farbstoffen nachgeholfen.

Geschmacklich überzeugt waren die Verbraucherschützer von den Produkten Natur Scheiben von Noa, Hirtengenuss von Ve Happy, Creamy White von Dr. Mannah’s sowie von der Frisch-Creme von Popp. Diese punkten mit einem sehr käseähnlichen Geschmack und einer angenehm cremigen Konsistenz. Drei dieser Produkte machten allerdings bei den Zutaten und Nährstoffen keine so gute Figur. Die beiden Mozzarella-Alternativen und der Come on Bert von Bedda weichen hingegen geschmacklich stark vom Original ab; sie schmecken recht salzig, säuerlich oder künstlich. Bei Produkten mit Kräutern dominiere deren Eigengeschmack.

Sind die Preise vergleichbar mit echtem Käse?

Die pflanzlichen Alternativen der Stichprobe sind stets teurer als der günstigste normale No-Name-Käse der jeweiligen Kategorie. Allerdings bleiben sie preislich häufig unter Marken-Käse. Für 100 Gramm des preiswertesten Produkts in der Stichprobe (Food for Future Reibe-Genuss) werden 1,13 Euro fällig, für 100 Gramm des teuersten mit überwiegend Cashewkernen in Bio-Qualität (Dr. Mannah’s Italienische Kräuter) sind es 4,99 Euro.

„Ein Grund für die großen Preisunterschiede dürften höhere Kosten für die Rohstoffe einiger Käse-Alternativen sein“, sagt Rauer. Unverständlich aus Verbrauchersicht ist jedoch, dass zum Beispiel für die Zart Würzigen Natur Scheiben von Noa (2,15 Euro pro 100 Gramm) so viel zu zahlen ist, obwohl diese fast nur aus Wasser, Kokosöl und Stärke bestehen.

Wie steht es mit der Klimabilanz, wenn Kokosöl verwendet wird?

Neben ethischen Aspekten spielt der Klimaschutz zunehmend eine wichtige Rolle, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher zu veganen Alternativen greifen. Die normale Käseherstellung ist ressourcenintensiv; der Methanausstoß der Kühe sowie Futtermittel, Wasser- und Energieverbrauch sorgen für eine schlechte Klimabilanz. „Vegane Produkte schneiden diesbezüglich besser ab. Selbst der Transport von Rohstoffen wie Kokosöl oder Nüssen aus fernen Anbauländern wirkt sich nicht in gleichem Maße negativ aufs Klima aus“, sagt Rauer.

Darf man eigentlich "Käse" zu den veganen Alternativen sagen?

Nein. Denn "Käse" ist ein geschützter Begriff. Laut einer EU-Verordnung dürfen ihn nur Produkte aus Tiermilch tragen. Deshalb verwenden Hersteller der veganen Alternativen Bezeichnungen wie Genießerscheiben, Frisch-Creme oder Mozzarisella. (rnw/sp)