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Nachhaltig menstruieren

Tampons und Binden verursachen eine Menge Müll. Fünf neue Alternativen und ihre Vor- und Nachteile.

© 123rf

Während ihrer Periode greifen die meisten Frauen und Mädchen vor allem auf Tampons und Binden zurück. Sie werden allerdings nach einmaliger Nutzung weggeworfen und enthalten oft Plastik. Laut dem Portal „Erdbeerwoche“ verbraucht eine menstruierende Frau in ihrem Leben 10.000 bis 17.000 Monatshygieneprodukte. Es kommt also eine Menge Müll zusammen. Dabei gibt es mittlerweile viele nachhaltige Alternativen.

1. Menstruationstasse

Die kelchförmige Tasse aus Latex, Silikon oder Plastik fängt das Blut schon in der Vagina auf. Sie ist genauso wenig zu spüren wie ein Tampon. Nach spätestens zwölf Stunden muss sie wieder entfernt werden. Das kann am Anfang knifflig sein. Wichtig ist, die Tasse beim Herausnehmen mit dem Finger an einer oder beiden Seiten einzudrücken. So löst sich der Unterdruck, der sie an ihrem Platz gehalten hat. Das Blut kann ausgeschüttet und die Tasse mit warmem Wasser gereinigt und wiederverwendet werden. Am Ende der Monatsblutung muss sie in Wasser ausgekocht werden.

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Laut Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, besteht mit der Tasse kein höheres Infektionsrisiko als bei Tampons. Jedoch gilt: „Wenn das Menstruationsblut unangenehm riecht, ist das immer ein Anzeichen dafür, dass sich schädliche Keime darin vermehren. Es sollten dann weder Tampons noch Menstruationstassen verwendet werden, sondern nur Menstruationsprodukte, bei denen das Blut ungehindert ausfließen kann.“

Vorteile: Im Gegensatz zu Tampons trocknet die Tasse die Scheide nicht aus. Das hilft, die Scheidenflora gesund zu halten.

Nachteile: Wer mit einer Kupfer- oder Hormonspirale verhütet, für den sind Menstruationstassen nur bedingt geeignet. Laut dem Anbieter „The Female Company“ besteht nämlich prinzipiell die Gefahr, dass sich durch den Unterdruck die Spirale löst und dann mit der Tasse herausfällt.

Kosten und Nutzungsdauer: Die Tasse gibt es in der Drogerie und kostet um die 15 Euro. Bei guter Pflege hält sie fünf bis zehn Jahre. Spätestens, wenn sie beginnt zu riechen, sollte sie entsorgt werden.

Menstruationstassen sind eine nachhaltige Alternativen zu Tampons.
Menstruationstassen sind eine nachhaltige Alternativen zu Tampons. © unsplash.com

2. Menstruationsunterwäsche

Nicht alle Frauen mögen es, Hygieneartikel einzuführen. Eine Alternative bietet Menstruationsunterwäsche. Das sind Slips, die durch mehrere Stoff- und Materialschichten im Schritt das Blut aufsaugen und die Geruchs- und Keimbildung verhindern. Je nach Anbieter werden beispielsweise Silberfasern und Merinowolle verwendet, die das Höschen trocken und frisch halten.

Menstruationsunterwäsche kann als Ersatz aber auch als Ergänzung zu klassischen Hygieneartikeln getragen werden. Nach der Nutzung sollte man sie mit kalten Wasser auswaschen und dann in der Waschmaschine reinigen. Hierbei ist wichtig, dass die Höschen eine 60-Grad-Wäsche aushalten. „Menstruationshöschen, die nur mit 30 Grad gewaschen werden können, sind ungeeignet, auch wenn sie Silber-Einlagen enthalten, die die Keime hemmen sollen“, so Albring.

Vorteile: Menstruationshöschen sind einfach anzuwenden und verursachen keinen Müll. Sie können auch präventiv getragen werden, wenn Frauen damit rechnen, dass ihre Periode bald beginnt. Gerade für Mädchen, deren Periode unregelmäßig ist, kann das zusätzlich Sicherheit bieten.

Nachteile: Je nach Hersteller und Modell können die Höschen so viel Blut wie ein bis sechs Tampons aufnehmen. Das entspricht ungefähr zehn bis 30 Millilitern. Bei einer starken Periode kann das zu wenig sein, wenn man etwa im Büro nicht die Möglichkeit hat, den Slip zu wechseln. Hier kann es sinnvoll sein, auf die Kombination aus Tasse und Höschen zu setzen. Außerdem sind Menstruationsslips relativ teuer.

Kosten und Nutzungsdauer: Die Höschen kosten pro Stück je nach Anbieter zwischen 20 und 40 Euro. Man kann sie online und vereinzelt auch in Drogeriemärkten kaufen. Sie können ungefähr für zwei Jahre während der Periode verwendet und danach noch als normale Unterwäsche weitergetragen werden.

Menstruationshöschen haben im Schritt mehrere Lagen, die das Blut aufsaugen.
Menstruationshöschen haben im Schritt mehrere Lagen, die das Blut aufsaugen. © The Female Company

3. Menstruationsschwamm

Er ist eine wiederverwendbare Alternative zu Tampons. Bei dem Schwamm handelt es sich um ein Naturprodukt. Deshalb muss er vor der ersten Nutzung in einer Mischung aus Essig und Wasser (1:2) gereinigt werden. Der Schwamm sollte zwei Stunden im Essigbad verbringen. Danach muss er trocknen. Bevor er in die Scheide eingeführt werden kann, muss er angefeuchtet und das Wasser anschließend ausgedrückt werden. In der Vagina passt sich der Schwamm deren Form an und ist deshalb nicht zu spüren. Dort kann er je nach Stärke der Regel bis zu acht Stunden bleiben. Wenn der Schwamm sich mit Blut vollgesogen hat, bewegt er sich in Richtung Scheidenausgang und lässt sich leicht greifen und entfernen. Vor der nächsten Nutzung muss er mit kaltem und anschließend mit warmem Wasser ausgespült werden.

Vorteile: Die Schwämme können auch während des Geschlechtsverkehrs getragen werden. So ist blutungsfreier Sex während der Periode möglich.

Nachteile: Frauenarzt Albring hält die Schwämme nicht für geeignet, weil sie schwer zu reinigen sind und nicht ausgekocht werden können. „Es ist unmöglich, sämtliche Blut- und Keimreste zu entfernen.“ Außerdem sind Schwämme Tiere und somit nicht vegan.

Kosten und Nutzungsdauer: Laut Anbieter „Marie Natur“ können die Schwämme sechs Monate verwendet werden. Es gibt sie in diversen Online-Shops. Ein Dreierpack kostet zwischen 15 und 30 Euro.

Menstruationsschwämme sind natürlich geerntete Schwämme, die in die Vagina statt Tampons eingeführt werden können.
Menstruationsschwämme sind natürlich geerntete Schwämme, die in die Vagina statt Tampons eingeführt werden können. ©  Pixabay

4. Plastikfreie Tampons/Bio-Baumwoll-Tampons

Auch kleine Veränderungen können viel bewirken. Wer weiter Tampons nutzen möchte, kann zumindest auf die plastikfreie Alternative von „The Female Company“ zurückgreifen. Die Bio-Tampons des Start-ups sind anstatt in Plastik in einer kompostierbaren Folie eingewickelt. Außerdem werden sie CO2-neutral hergestellt. Wem die Tampons der Marke zu teuer sind, kann auch auf chlorfrei gebleichte Tampons aus Bio-Baumwolle zurückgreifen. Die gibt es schon deutlich günstiger.

Vorteile: Wer gerne Tampons verwendet, kann ohne Mehraufwand auf eine nachhaltigere Alternative umsteigen.

Nachteile: Auch Bio-Tampons müssen nach einmaliger Nutzung entsorgt werden. Außerdem können sie bei bestimmten Erkrankungen nicht angewendet werden. „Wenn eine akute Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorliegt oder wenn eine Neigung zu wiederkehrenden Infektionen der Vagina besteht, sind Tampons, Menstruationstassen und natürlich auch Schwämmchen ungeeignet“, so Gynäkologe Albring.

Kosten: 42 plastikfreie Tampons von „The Female Company“ kosten 11,90 Euro. Die Firma bietet aber auch ein Tampon-Abonnement, bei dem die Preise niedriger sind. Einfache Bio-Baumwoll-Tampons gibt es im 16er-Pack schon für knapp zwei Euro im Drogeriemarkt.

Die Tampons der Marke „The Female Company“ sind plastikfrei.
Die Tampons der Marke „The Female Company“ sind plastikfrei. © The Female Company

5. Stoffbinden

Wiederverwendbare Binden aus Stoff müssen nicht in die Scheide eingeführt werden. Gerade für junge Mädchen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, kann das angenehmer sein. Die Stoffbinden funktionieren sehr ähnlich wie normale: Sie werden einfach in den Slip gelegt und mit einem Druckknopf befestigt. Je nach Modell bestehen die Binden ähnlich wie die Menstruationshöschen aus mehreren Lagen, die verhindern, dass sich Bakterien und Gerüche bilden können. Wenn sie voll sind, müssen auch sie erst in kaltem Wasser und anschließend bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine gereinigt werden.

Vorteile: Die Binden sind günstiger und leichter unterwegs zu wechseln als die Menstruationshöschen. Außerdem unterscheidet sich die Anwendung kaum von der weniger nachhaltigen Einweg-Binde.

Nachteile: Auch wenn das Wechseln unterwegs leichter ist, muss die volle Binde irgendwie nach Hause transportiert werden. Nicht jeder fühlt sich wohl damit.

Kosten und Nutzungsdauer: Stoffbinden gibt es online und vereinzelt auch in der Drogerie. Der Preis für eine Binde beginnt bei sechs Euro. Laut der Plattform „Erdbeerwoche“ kann sie bei achtsamer Pflege für mehrere Jahre verwendet werden.

Stoffbinden können mehrere Jahre lang verwendet werden.
Stoffbinden können mehrere Jahre lang verwendet werden. © Selenacare

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